Heuschnupfen: Wenn das Immunsystem verrückt spielt

Pollenallergiker reagieren derzeit auf Haselsträucher (Foto) sowie beispielsweise Birken, Erlen, Eschen, Koniferen, Ahorn oder Ulme. Wer jetzt gerade eine Schniefnase hat, könnte unter einer Pollenallergie leiden, die ärztlich abgeklärt werden sollte.
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Pollenallergiker reagieren derzeit auf Haselsträucher (Foto) sowie beispielsweise Birken, Erlen, Eschen, Koniferen, Ahorn oder Ulme. Wer jetzt gerade eine Schniefnase hat, könnte unter einer Pollenallergie leiden, die ärztlich abgeklärt werden sollte.

Der bisher sonnenreichste und warme März hat vielerorts die Natur zum Sprießen gebracht. Vor allem für Allergiker hat bereits jetzt die Zeit begonnen, in der Pollenflug ihnen das Leben schwer macht.

Osthessen. Birke, Hopfenbuche, Buche, Eiche, Esche, Ahorn, Ulme, Rosskastanie, selten Weide, Pappel, Gräser, Koniferen wie Eibe, Kiefer, Douglasie, Wacholder, Scheinzypresse und Thuja schicken normalerweise im April ihre Pollen auf die Reise. Jetzt zum Wochenende wird es kälter, was laut der „Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst“ in den Tagen darauf zu „möglicherweise etwas angenehmere Bedingungen für Allergiebetroffene“ führen kann.

Laut Dr. Utta Petzold, Allergologin bei der „Barmer“, wird Heuschnupfen oft mit einer Erkältung verwechselt. „Die typischen Beschwerden wie Fließschnupfen, juckende Augen oder auch Niesattacken sind zwar ähnlich, können aber langfristige Folgen haben. Denn bleibt ein Heuschnupfen über längere Zeit unbehandelt, kann dieser beispielsweise zu allergischem Asthma führen“, weiß die Allergologin.

Bei einer Allergie stuft das Immunsystem des Menschen bestimmte Faktoren wie Pollen oder Tierhaare als gefährlich ein und bildet Antikörper. Entgegen eines weit verbreiteten Mythos haben Allergiker kein schwaches, sondern ein besonders aktives Immunsystem.

Allergien sind nach dem „Deutschen Allergie- und Asthmabund“ in zwei Typen zu unterscheiden: „Rund 90 Prozent aller Allergien zählen zum Typ I und werden auch als Soforttyp-Allergie bezeichnet, da die Reaktion nach dem Allergenkontakt sehr schnell einsetzt. Hierzu gehören zum Beispiel Allergien gegen Pollen, Hausstaubmilben, Nahrungsmittel, Insektengift sowie Tierhaare.“

Der zweiten Typ, der zytotoxischer Allergietyp genannt wird, tritt selten auf. Das Immunsystem bildet Antikörper gegen bestimmte Bestandteile von Körperzellen, hierbei startet die Abwehrreaktion, wenn die Antikörper diese Zellstrukturen erkennen. Das kann beispielsweise die Folge einer Bluttransfusion mit der falschen Blutgruppe sein.

Beim Allergischen Schnupfen, dem eigentlichen „Heuschnupfen“, ist die Nasenschleimhaut entzündet. Wenn er nicht ärztlich diagnostiziert und behandelt wird, kann er laut Petzold beispielsweise zu allergischem Asthma führen. Nach der Diagnose Pollenallergie sei in vielen Fällen eine sogenannte Hyposensibilisierung als langfristig wirksame Therapie angezeigt. Bei dieser spezifischen Immuntherapie würden dem Körper genau die Allergene verabreicht, welche die Symptome auslösten. „Das Ziel der Hyposensibilisierung ist es, das Immunsystem an die Allergene zu gewöhnen, um somit die Beschwerden zu verringern. Dadurch treten Reaktionen wie Schnupfen, juckende Augen oder Müdigkeit weniger heftig auf oder bleiben bestenfalls aus“, so die Allergologin.

Zur ersten Abklärung bei Allergieverdacht steht meist der Hausarzt als erster Ansprechpartner zur Verfügung. Je nach Ausprägung der Beschwerden kann die Unterstützung eines Facharztes wie Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Haut-, Kinder-, Lungenfachärzte, Internisten/Gastroenterologen mit allergologischer Ausrichtung notwendig werden. Zur weiteren Abklärung des Allergieauslösers können dann Haut- und Bluttestungen wie der Pricktest, Testung auf spezifische IgE-Antikörper und zur Absicherung der Diagnose auch ein Provokationstest mit dem vermutlichen Auslöser erfolgen. Bei unklarer Diagnose kann eine Testung mit Hilfe der sogenannten Molekularen Allergiediagnostik hilfreich sein, so der „Deutschen Allergie- und Asthmabund“. Mittels eine Hyposensibilisierung kann die Allergie behandelt werden und dem Betroffenen Linderung verschaffen.

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