Heute Abend: Mahnfeuer der Landwirte bei Schlitzenhausen

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Ein Teil der Landwirte, die am heutigen Samstagabend oberhalb von Schlitzenhausen ein Mahnfeuer entzünden wollen

Auch Traktoren sollen heute Abend ab 18 Uhr oberhalb von Schlitzenhausen zum Einsatz kommen

Schlitzenhausen - Es ist bitterkalt an diesem Vormittag auf freier Fläche oberhalb des Tanner Stadtteils Schlitzenhausen. Was die Landwirte aber nicht davon abhält, weiter Material für das Mahnfeuer aufzuschichten, das am heutigen Samstagabend, 4. Januar, entzündet werden soll. Die Wirkung des Ganzen soll durch Traktoren noch verstärkt werden, die rund um das Feuer platziert werden sollen. Und vielleicht werden auch noch Landwirte aus der thüringischen Rhön dazu stoßen, die am Samstag ebenfalls Aktionen planen.

In den vergangenen Wochen haben überall in Deutschland Landwirte auf ihre Situation aufmerksam gemacht, unter anderem durch Sternfahrten nach Berlin, Bonn und Wiesbaden. Auch in Osthessen hatte es Mitte Dezember einen so genannten „Flashmob“ gegeben: von 16.30 bis 17 Uhr waren Traktoren in Städten und Gemeinden unterwegs gewesen, um laut dem Bündnis „Land schafft Verbindung“ Solidarität mit niederländischen Landwirten zu zeigen.

„Über die Bürger wollen wir die Politiker erreichen“, sagt ein Teil der in Tann Engagierten bei einem Ortstermin mit „Fulda aktuell“ . Insgesamt seien etwa 70 Landwirte mit dabei. Entstanden sei ihr Zusammenschluss durch eine „WhatsApp“-Gruppe, die sich stetig vergrößert habe und die das gemeinsame Ziel vereine, die Menschen draußen im Land über die Sorgen und Nöte der Landwirte aufzuklären und zu informieren.

„Mit unserer Aktion wollen wir für eine Perspektive der heimischen Landwirtschaft demonstrieren, die durch immer mehr bürokratische Auflagen und Entwicklungen wie das von der Bundesregierung verabschiedete Agrarpaket oder die Verschärfung der Düngeverordnung, gefährdet ist“, betonen die Beteiligten, die die Erfahrung machen, „dass die Schere immer weiter auseinander klafft und immer weniger bei uns ankommt“. Positiv sei anzumerken, dass die bundesweiten Aktionen der jüngsten Vergangenheit den Zusammenhalt der Landwirte untereinander gestärkt haben. Denn: „Wir müssen zusammenstehen und gemeinsam kämpfen“. Es gehe um nicht mehr und nicht weniger als um die Existenz. Um ihre persönliche Zukunft und die der Landwirtschaft.

„Wir machen das Mahnfeuer ja auch, um die Bevölkerung darüber aufzuklären, welche Probleme uns zu schaffen machen“. Dabei gehe es weniger um die Dörfler als vielmehr um die Städter, „die sich oftmals mit der Landwirtschaft nicht auskennen und die Produkte nur mit dem Discounter in Verbindung bringen“.

Das Bündnis „Land schafft Verbindung“ befürchtet, dass die Umsetzung des Agrarpaketes für die Landwirte mit erheblichen Einschränkungen und deutlichen Mehrkosten bei sinkenden Erträgen verbunden sein wird. So werde die regionale Lebensmittelproduktion, die gesellschaftlich immer wieder gefordert werde, weiter geschwächt. Das Resultat: Der Lebensmittelimport werde steigen und zwar ohne Einfluss auf ökologische und soziale Standards im Herkunftsland. Das könne weder im Sinne der Landwirte sein, noch entspreche es dem Wunsch des Verbrauchers. Darüber hinaus müsse die gesellschaftliche Forderung nach mehr Arten- und Tierschutz auch mit Antworten nach der Finanzierung verknüpft werden.

Alle Interessierten sind also eingeladen, sich am heutigen Samstag, 4. Januar, am Ortsausgang von Schlitzenhausen Richtung Theobaldshof einzufinden. Ab 18 Uhr soll es losgehen; die Genehmigung der Stadt Tann liegt nach Aussage der Initiatoren vor. Zugleich will man etwas für den guten Zweck tun, denn der Erlös aus dem Verkauf von Würstchen und Getränken soll dem Kindergarten Schlitzenhausen zugute kommen.

Zum Thema der "Zwischenruf" von "Fulda aktuell"-Redaktionsleiter Bertram Lenz

"Ich habe noch den geballten Aufschrei vieler Autofahrer im Ohr, als sich Mitte Dezember osthessische Landwirte samt Traktoren zu einem so genannten „Flashmob“ versammelten und in den späten Nachmittagsstunden den Verkehr auf den Straßen behinderten. Ihnen wurde größtenteils heftiges Unverständnis von denjenigen zuteil, die nach Feierabend möglichst schnell nach Hause wollten. Und dabei die Rechnung ohne den (Land)-Wirt, gemacht hatten. Und das ist auch gut so! Denn Aufsehen ist notwendig, wenn man etwas erreichen und an den Umständen etwas verändern will.

Viele mögen sich in diesem Zusammenhang fragen, was die vielen grünen Kreuze sollen, die seit einiger Zeit auf den Feldern und Wiesen zu finden sind. Und die mitunter umzufallen drohen, was bildlich gesehen recht gut die Schieflage dokumentiert, in die die Landwirtschaft auch in unserer Region geraten ist. Denn bei vielen geht die Sorge um, dass die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben immer weiter auseinanderklaffen könnte. Im Mittelpunkt der Kritik steht besonders das Agrarpaket, bei dessen Umsetzung befürchtet wird, es werde die Negativspirale in der Landwirtschaft weiter anheizen und den Strukturwandel vorantreiben.

Und noch etwas: Seit Wochen wird an der seit 1. Januar geltenden Regelung kaum ein gutes Haar gelassen, wonach alle Einzelhändler dem Kunden einen Kassenbon aushändigen müssen. Selbst wenn dieser nur zwei Brötchen gekauft haben sollte. Vergessen werden dürfen auch hier nicht die Interessen der Landwirte, die eine Reduzierung des zunehmenden bürokratischen Aufwands fordern, damit Tierwohl sowie Natur- und Umweltschutz praktikabel sind und wieder Spaß machen.

Zu hoffen bleibt, dass am Samstagabend auch die Landwirte rund um Tann mit ihrem Mahnfeuer auf viel positive Resonanz und Interesse stoßen. Denn wie lautet doch ein Motto von „Land schafft Verbindung“? Es ist besser, mit als über jemanden zu reden".

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