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Erfahrungen aus dem Krisengebiet: „Die Kälte setzt den Menschen zu“

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Von: Christopher Göbel

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Die Osthessen bei einem Zwischenstopp auf dem Weg ins Grenzgebiet.
Die Osthessen bei einem Zwischenstopp auf dem Weg ins Grenzgebiet. © Privat

Hilfe aus Osthessen kommt direkt bei den Flüchtlingen des Krieges an den rumänisch-ukrainischen Grenze an

Osthessen Nach mehr als zwei Wochen Krieg in der Ukraine ist das Engagement helfender Menschen in ganz Deutschland und auch in Osthessen ungebrochen. Nahezu täglich bieten Organisationen, Unternehmen, Vereine und auch Privatpersonen ihre Hilfe an.

Zwei, die sehr aktiv sind und waren, sind Stefan Faulstich, Vorsitzender des „Vereins der Köche Fulda“, und Jörg Witzel von der „Rhöner Nachbarschaftshilfe“.

Faulstich war bereits mit einigen Helfern in der vergangenen Woche an der ukrainisch-rumänischen Grenze, um Sachspenden aus Osthessen zu den Flüchtlingen zu bringen. Gesammelt wurde im Landhotel „Rhönblick“ in Steinau (FULDA AKTUELL berichtete).

Direkt nach der Ankunft mussten die Lkw aus Osthessen abgeladen werden.
Direkt nach der Ankunft mussten die Lkw aus Osthessen abgeladen werden. © Privat

Inzwischen sind drei Lastwagen mit Hilfslieferungen aus der Region in Polen und Rumänien angekommen, diese Woche starteten weitere Transporte in Richtung Osten. Laut Faulstich waren die ersten Touren anstrengend und aufwändig, vor allem weil Wetter, Grenzkontrollen und andere Unwägbarkeiten wie die unübersichtliche Lage in den Grenzgebieten einen reibungslosen Ablauf kaum möglich machten. Eigentlich wollten Faulstich und seine Mitstreiter für die Flüchtlinge kochen, doch die Verpflegung sei bereits gut organisiert gewesen. „Ein großes Kompliment den Menschen in der Grenzregionen. Rumänien hat das nach einer ersten Einschätzung an der Grenze sehr gut im Griff. Sie versorgen sogar die Menschen auf ukrainischer Seite mit. Es läuft‚ aber die Kälte setzt den Menschen zu“, berichtete der Gastronom aus dem Grenzgebiet.

Bisher seien 130 Tonnen an Sachspenden zu den ukrainischen Flüchtlingen gebracht worden, die der „Verein der Köche“ und die „Rhöner Nachbarschaftshilfe“ von Menschen aus der Region erhalten haben. Mit mehr als 100 Helferinnen und Helfern waren die Kartons gepackt worden.

Zwölf Flüchtlinge mitgebracht

„Insgesamt konnten wir zwölf Menschen mit nach Deutschland nehmen und vor Ort ein Netzwerk aufbauen mit den wir unsere Aktivitäten vor Ort bündeln“, so Faulstich auf „Facebook“, wo er stets aktuelle Statusmeldungen bekannt gibt. Auch zu Spendensammlungen und -orten, über die sich Interessenten informieren können, wenn sie noch Sachspenden abgeben möchten. Besonders benötigt werden Medikamente.

Auf das extra eingerichtete Spendenkonto (Verein der Köche Fulda e.V.; IBAN DE45 5305 0180 0011 0085 10) sind laut Faulstich bisher mehr als 90.000 Euro eingegangen. „Bitte lasst nicht nach. Mit den Spenden kaufen wir jetzt direkt Lebensmittel in Rumänien ein, damit können Lkw mit andern humanitären Hilfsgütern beladen werden“, so Faulstich.

In Deutschland werden für diejenigen, die aus der Ukraine geflüchtet sind, auch noch Dolmetscher sowie Helferinnen und Helfer gesucht, die bei Behördengängen Beistand leisten können. Wer helfen möchte, kann sich bei Stefan Faulstich oder Jörg Witzel (beide haben „Facebook“-Profile) melden.

„Wir erfahren eine großartige Unterstützung aus der Region“, so Witzel. So wurden beispielsweise Flüchtlinge in der Region untergebracht und versorgt.

Decken und warme Kleidung sind bei Temperaturen um den Gefrierpunkt bitter nötig.
Decken und warme Kleidung sind bei Temperaturen um den Gefrierpunkt bitter nötig. © Privat

Kontaktbüro des Kreises

Der Landkreis Fulda Der Landkreis Fulda hat angesichts des Krieges in der Ukraine ein Kontaktbüro Ukraine eingerichtet, um sowohl die flüchtenden Menschen als auch die Helferinnen und Helfer in der Region zu unterstützen.

Rund 300 Geflüchtete haben im Landkreis Fulda bereits Obdach gefunden. Zwar lässt sich nicht abschätzen, wie sich die Situation konkret weiterentwickeln wird, aber es ist sicher, dass zusätzlicher Wohnraum gebraucht wird. „Wir möchten helfen, die Menschen, die bei uns Schutz suchen, gut unterzubringen“, sagt Landrat Bernd Woide. „Da die bestehenden Kapazitäten jedoch begrenzt sind, werden dringend zusätzlich abgeschlossene Wohnungen benötigt.“ Daher informiert der Landkreis auf seiner Webseite www.landkreis-fulda.de/ukraine über wichtige Kontakte.

Wer in der Lage ist, eine abgeschlossene Wohnung für Geflüchtete aus der Ukraine für einen längeren Zeitraum zur Verfügung zu stellen, an wohnraum@landkreis-fulda.de oder unter Telefon 0661/ 6006-8083 beim Landkreis Fulda melden. Auf der Webseite findet sich auch ein Kontaktformular zur Meldung von privatem Wohnraum.

Wer darüber hinaus generelle Hilfsangebote im Landkreis Fulda machen möchte, kann dies unter helfen@landkreis-fulda.de oder per Telefon unter der Nummer 0661/6006-9490 melden.

Wer weiterhin Unterstützung für die vom Krieg in der Ukraine betroffenen Menschen leisten möchte, findet auf den Internetseiten von Organisationen, Vereinen, Kirchengemeinden und Unternehmen aus Osthessen Möglichkeiten, Geld- oder Sachspenden zu leisten. „Es ist ein Privileg, anderen Menschen helfen zu können“, teilen Faulstich und Witzel auf ihren „Facebook“-Profilen.

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