Hilfe seit 100 Jahren: Die AWO Fulda und ihr vielfältiges Aufgabengebiet

+

Die AWO in Fulda blickt auf eine lange Geschichte zurück, die AWO in Deutschland auf eine sogar noch längere.

Fulda - Der „AWO-Kreisverband Fulda feiert in diesem Jahr das 100-jährige Bestehen der „Arbeiterwohlfahrt“ in Deutschland. Gegründet wurde dieser Wohlfahrtsverband auf Initiative von Marie Juchacz am 13. Dezember 1919. Der „AWO“-Kreisverband Fulda ist etwas jünger. „Wir feiern im Jahr 2021 das 75-jährige Bestehen“, sagt Ilona Götz, Ehrenamtskoordinatorin bei der „AWO Fulda“. Erna Hosemann, gebürtige Berlinerin, war langjährige Vorsitzende der „Arbeiterwohlfahrt Fulda“. Sie kam 1945 in die Domstadt, um in der Nähe ihres Sohnes zu sein, der hier nach dem Zweiten Weltkrieg im Lazarett lag. Sie blieb und auch ihr Ehemann folgte nach Osthessen. Am 27. Oktober 1945 gehörte das Ehepaar zu den Gründern des SPD-Ortsverbandes Fulda.

Ein Jahr später gründete das Ehepaar die „Arbeiterwohlfahrt“ für Stadt und Landkreis Fulda. Erna Hosemann blieb 27 Jahre lang Vorsitzende. Dieser Verband besteht auch heute noch, wenn auch mit einer teilweise anderen Ausrichtung als im Jahr 1946. „Was seit jeher blieb, ist unser Leitspruch ,Hilfe zur Selbsthilfe‘“ sagt Götz. Wenn es damals Nähstuben und Suppenküchen waren, damit sich die Menschen im Nachkriegsdeutschland Kleidung nähen und sich verpflegen konnten, so sind die Einsatzgebiete der heutigen „AWO“-Mitarbeiter vielschichtiger.

"Verband für alles Soziale"

Heute ist die „AWO“ in Fulda Träger zahlreicher sozialer Dienste für soziale Beratung, Familienbildung, Migrationsarbeit und Integration in den Arbeitsmarkt. Darüber hinaus werden vom „AWO“-Bezirksverband Hessen-Nord mehrere Altenzentren und eine Altenpflegeschule betrieben. „Wir sind ein Verband, der sich für alles Soziale einsetzt. Vom Neugeborenen bis zum Senior – egal welcher Nationalität“, so Götz. Die „AWO Fulda“ hat rund 500 Mitglieder und etwa 400 Ehrenamtliche. Die Schnittmenge liege bei rund 100 Menschen. Hinzu kommen 100 festangestellte Mitarbeiter. Die „AWO“- Geschäftsstelle liegt in der Frankfurter Straße 28 in Fulda, Außenstellen gibt es in Tann, Ebersburg sowie in mehreren Fuldaer Stadtteilen. Verbandsvorsitzender in Fulda ist Bernhard Lindner, Geschäftsführer Wolfram Latsch.

Die „AWO Fulda“ hat sich inzwischen sehr breit aufgestellt und sich mit ihrem Angebot auch einem Namen gemacht, der bei Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld und den Stadtpolitikern angekommen ist, so Götz. „Wir überzeugen seit Jahren durch unsere Leistung.“ Traditionell verbinde man die „AWO“ aufgrund ihrer Gründungsausrichtung mit der Sozialdemokratie. „Hier in Fulda haben wir uns aber einen Ruf erarbeitet, der über Parteigrenzen hinausgeht“, sagt Götz selbstbewusst „Wir haben die Menschen mit unseren Leistungen überzeugt.“ Flyer in mehreren Sprachen Die Flüchtlingskrise seit dem Jahr 2015 sowie zahlreiche nach Fulda gekommene Menschen anderer Nationalitäten stellte auch den Wohlfahrtsverband vor neue Aufgaben. Flyer sowie die Website der Fuldaer „AWO“ (www.awo-fulda.de) sind zum Teil in mehreren Sprachen abgefasst, damit möglichst viele Menschen sich informieren können. „Ein Drittel unserer Ehrenamtlichen sind Menschen mit Migrationshintergrund“, so Götz.

Zu den Hauptaufgaben gehören unter anderem Bildungsarbeit, Integration und Jugendarbeit. Das Angebot umfasst jedoch noch viel mehr, zum Beispiel Schuldnerberatung, Hilfe bei der Bürokratie-Bewältigung, Kurberatung und rechtliche Beratungen. In Fulda betreibt die „AWO“ unter anderem das „Kaufhaus mit Herz“, das „Café Panama“ oder auch „L14ZWO“ in der Lindenstraße, Bürgerzentren und Jugendtreffs. Auch die Nachmittagsbetreuung an einigen Schulen wird von „AWO“-Aktiven übernommen. Außerdem gibt es den Fahrradbasar und die Projekte „Lohn+Brot“ sowie „Artemis“, bei der junge Menschen ohne Zugang zu geregelten Arbeitsverhältnissen für das Berufsleben qualifiziert werden können.

Empfang im „Kino 35“

Am Donnerstagabend hatte die „AWO Fulda“ die rund 400 Ehrenamtlichen zu Häppchen und einer Filmvorführung ins „Kino 35“ in der Ohmstraße eingeladen. Gezeigt wurde ein Film über die Ideen und Kämpfe von Frauen wie Marie Juchacz, Emmeline Pankhurst und Marguerite Durand, die sich vehement für das Frauenwahlrecht einsetzten, das in diesem Jahr ebenfalls 100 Jahre alt geworden ist. „Dass vermeintlich unüberwindbare Barrieren vor 100 Jahren in Deutschland und später auch in England und Frankreich durchbrochen werden und Frauen die politische Teilhabe zugestanden wird, ist dem unermüdlichen Kampf beeindruckender Frauen zu verdanken“, sagt Geschäftsführer Latsch.

Die „AWO“ schafft Angebote, die Menschen zusammenbringen und wo Wissen vermittelt wird. Die Mitarbeiter haben sozialpädagogische oder juristische Ausbildungen und Kenntnisse, um die Rat- und Hilfesuchenden bestmöglich zu beraten. Erziehungsangebote und Freizeitaktivitäten, die aber immer pädagogische Ziele verfolgen, gehören ebenfalls zum umfangreichen Portfolio. „Der Bedarf in Fulda ist da“ sagt Götz. „Es ist schade, dass ,L14‘ aufgelöst wurde. Die Stadt Fulda hat bisher leider keine Alternativen angeboten“, sagt „AWO“-Auszubildender Max Finkler. Man hoffe jedoch, dass demnächst wieder ein geeignetes Areal zur Verfügung gestellt werde, um einen Treffpunkt für Menschen aller Altersgruppen und Nationalitäten zu haben.

Wer sich ehrenamtlich bei der „AWO Fulda“ engagieren möchte, findet auf www.awo-fulda.de oder unter der Telefonnummer 0661/4800450 Ansprechpartner. „Wer eine Idee hat, was man in einer Gruppe machen könnte, kann sich gerne an uns wenden“, sagt die Ehrenamtskoordinatorin. Der Kreativität seien keine Grenzen gesetzt, so lange sich Interessenten für gemeinsame Aktivitäten fänden. „Es gibt für jeden etwas, wo er oder sie mitarbeiten kann. Es ist immer gut, wenn sich Bürger für ihren Stadtteil und damit für ihre Stadt engagieren.“

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Mädchen wehrte sich mit Tritt: 14-Jährige in Fulda sexuell belästigt

Unbekannter Täter war im Bereich Domplatz mit Fahrrad unterwegs
Mädchen wehrte sich mit Tritt: 14-Jährige in Fulda sexuell belästigt

Einbruch bei der Feuerwehr in Angersbach: Schaden im fünfstelligen Euro-Bereich 

Unbekannte klauen unter anderem einen Rettungszylinder 
Einbruch bei der Feuerwehr in Angersbach: Schaden im fünfstelligen Euro-Bereich 

Ein neuer Sprinter für "Fuldaer Tafel"

Regionale Anerkennung für die "Fuldaer Tafel": Mercedes-Benz unterstützt das Projekt und übergibt ein neues Auto für eine flexible Beförderung von Lebensmittel an …
Ein neuer Sprinter für "Fuldaer Tafel"

Coronavirus in Deutschland: Klinikum Fulda ist vorbereitet

BARMER und DAK-Gesundheit bieten Beratungshotlines an die über das Virus informieren.
Coronavirus in Deutschland: Klinikum Fulda ist vorbereitet

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.