Hilfe zur Selbsthilfe: Frauenhaus – Ausweg aus gewaltsamen Beziehungen

Das Frauenhaus Fulda gibt Frauen und Kindern Schutz, die unter häuslicher Gewalt leiden.

Fulda -Wärme, Zuneigung und Schutz sind Attribute für eine glückliche Beziehung, die sich wohl jeder wünscht. In einer Partnerschaft spielt das Wort Vertrauen eine große Rolle. Dabei geht es nicht um die Treue, sondern um das Vertrauen darauf, dass der Partner liebe- und respektvoll mit einem umgeht. Wer kennt sie nicht, die rosa Wolken, die zu Beginn einer Beziehung auftauchen. Die alles Schlechte plötzlich für nichtig erklären. Keine Beziehung ist immer rosarot; wenn der Alltag eingekehrt, zeigt sich, ob die Liebe Bestand hat. Doch für manche Frauen entwickelt sich der rosarote Traum zum Albtraum – mit letztem Ausweg Frauenhaus.

Rund 37 Frauen nutzen jährlich das Angebot des Frauenhauses in Fulda. Eine Institution, die vom „Sozialdienst katholischer Frauen“ (SkF) betrieben und gefördert wird. Ganz wichtig: Die Adresse der Unterkunft ist nicht allgemein bekannt. „Wir bitten unsere Frauen immer, dass sie nicht erzählen, wo wir uns befinden“, erzählt Diplom Sozialpädagogin Kerstin Franke, Betreuerin im Frauenhaus. Drei Sozialpädagoginnen und eine Erzieherin kümmern sich hauptamtlich um die Frauen, die in der Unterkunft Schutz vor häuslicher Gewalt suchen. „Zu uns kommen die unterschiedlichsten Frauen, aus verschiedenen Schichten. Gewalt ist kein Problem der unteren Schicht, nur haben besser situierte Frauen häufiger die Möglichkeit, anderweitig unterzukommen“, erklärt Franke. Die Frauen kommen häufig nicht nur mit offensichtlichen Spuren von Gewalt in das Haus, auch der psychische Druck spiele eine Rolle. „Sie fühlen sich wertlos“, erzählt Ewald Vogel, „SkF“-Geschäftsführer.

Das Frauenhaus hält 16 Plätze für Frauen und Kinder bereit. Verteilt auf sieben Zimmer, können die Opfer von Gewalt zunächst einmal die schlimmen Erlebnisse sacken lassen. Ein engmaschiges Betreuungssystem nimmt den Frauen erstmal viele Sorgen ab. „Wir gehen mit zu Behörden, erledigen Papierkram für die Frauen und helfen bei schwierigen Fragen“, fasst Franke zusammen. Von 8 bis 16 Uhr ist immer eine hauptamtliche Mitarbeiterin im Haus. Doch die Frauen können sich auf eine 24-Stunden-Betreuung verlassen. 13 ehrenamtliche Betreuerinnen sind zusätzlich da. „Ohne unsere Ehrenamtlichen geht es nicht, wir sind ihnen sehr dankbar“, sagt Vogel und fügt an: „Die Ehrenamtlichen sind von uns geschult und ausgebildet. Sie arbeiten sehr gewissenhaft und sind immer für die Frauen da.“

Rund 40 Tage verbringen die Frauen und ihre Kinder im Frauenhaus. „Das Schöne ist, man sieht meistens schon nach einer Woche, wie sich die Frauen und Kinder verändern“, berichtet Franke von Erfolgen. Ganz groß wird auch die Eigenverantwortung geschrieben. Die Frauen werden Stück für Stück an ein selbstständiges und selbst bestimmtes Leben herangeführt. „Wenn das ,Ich schaffe das’-Gefühl eintritt, dann wird deutlich, wie stark diese Frauen schon immer waren“, so die Sozialpädagogin, die seit 16 Jahren im Frauenhaus arbeitet. Eine Arbeit, die nicht an der Einrichtungstür endet, denn die Schicksale der Frauen beschäftigen Haupt- und Ehrenamtliche gleichermaßen. „Dafür gibt es immer wieder Interventionen mit allen Mitarbeitern, und natürlich tauschen sich die Kolleginnen untereinander aus – das ist extrem wichtig, um das Erlebte auch zu verarbeiten“, erklärt Vogel.

Manche Frauen gehen nach dem Aufenthalt im Frauenhaus zu ihren Männern zurück. Und auch dann steht das Team des Frauenhauses ihnen zur Seite. „Wir sprechen mit den Frauen, wie der Wiedereinzug laufen kann. Wenn Kinder involviert sind, informieren wir das Jugendamt über den Rückzug“, erklärt Franke. Manchmal funktioniert der Neubeginn der Paare, aber häufig kommen die Frauen in die Einrichtung zurück. Auch dann werden die Frauen herzlich wieder aufgenommen. „Unsere Arbeit wird durch die vielen Erfolgsgeschichten schön, diese motivieren uns immer weiterzumachen“, so Franke. Sie berichtet von einer jungen schwangeren Frau, die mit einem Kind in die Einrichtung kam. Franke und die Frau haben heute noch ein enges Verhältnis. „Sie hat mittlerweile einen Führerschein, eine eigene Wohnung und lebt ein selbstbestimmtes Leben“, so Franke stolz.

Das Frauenhaus ist rund um die Uhr unter Telefon 0661/9529529 erreichbar. Auch eine Aufnahme ist 24 Stunden täglich möglich. „Frauen, die Hilfe suchen, können uns auch eine E-Mail schreiben“, sagt Vogel. Unter frauenhaus@skf-fulda.de ist das Frauenhaus per E-Mail zu erreichen. Weiter sucht die Einrichtung immer nach engagierten Helfern.

Wer sich für die ehrenamtliche Arbeit in der Einrichtung interessiert kann, sich unter Telefon 0661/839455 oder 0661/839410 oder per E-Mail an info@skf-fulda.de melden.

Zwischenruf: Wichtige Arbeit

Es ist der Albtraum jeder Frau: der Mensch, den man am meisten liebt, wird zur Gefahr. Wie schlimm muss es für eine Frau sein, festzustellen, dass der Partner den man liebt, dem man vertraut, bei dem man sich geschützt und wohlbehütet fühlt, ein ganz anderes Gesicht hat – ein gefährliches, gewalttätiges Gesicht. Natürlich benehmen sich viele am Anfang einer Beziehung anders, als wenn der Alltag eingekehrt ist. Dennoch muss es schrecklich sein zu erfahren, zu was ein Mensch, mit dem man Tisch und Bett teilt, den man vielleicht schon Jahre kennt, fähig ist. Ich bewundere die Frauen, die den Mut haben, sich für sich und ihre Kinder einzusetzen. Die dem Schläger mit einer Trennung zeigen, dass sein Verhalten nicht geht und Konsequenzen trägt. Viele Frauen haben bis zu dieser Entscheidung bereits vieles erlebt. Wurden häufig nicht nur körperlich misshandelt, sondern durch Demütigung und vieles mehr psychisch stark geschädigt. Der Schritt zur Trennung ist sicherlich dennoch kein leichter, denn man hat sich ja auch mal geliebt. Umso wichtiger ist die Arbeit der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen des Frauenhauses in Fulda. Sie unterstützen die Frauen in dieser schweren Zeit. Nehmen Anteil an ihrem Leiden und verhelfen zu einem selbstbestimmtem Leben. Wo sonst sollten diese Frauen Hilfe finden, wenn es nicht solche Stellen geben würde, wie das Frauenhaus. Im Gespräch mit Ewald Vogel und Kerstin Franke konnte ich einige Eindrücke über die Arbeit im Frauenhaus gewinnen. Mich hat dieses Gespräch nachdenklich gemacht, denn in einem Haus, in dem Menschen leben, denen Schlimmes widerfahren ist, ist eines immer präsent: Zuversicht.

Danke, an die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen des Frauenhauses, die ihre äußerst wichtige Arbeit mit viel Liebe, Zuversicht und Erfahrung ausfüllen. Und somit das Leben vieler Frauen und Kinder besser und friedlicher gemacht haben.

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