Hilflose Wildtiere: Nicht angeleinte Hunde bergen große Gefahr

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Jäger Jakob Frohnapfel mit seiner fünfjährigen Tiroler Bracke „Birka“.

Nicht angeleinte Hunde bergen für Wildtiere eine große Gefahr. Auch am Haunestausee kam es zu wildernden Hunden.

Petersberg. Die ersten Sonnenstrahlen locken viele Bürger nach draußen. Bei schönem Wetter macht der Spaziergang mit einem Vierbeiner gleich viel mehr Spaß und fällt dann auch mal etwas größer aus. Und die Fellnase wird dann auch mal von der Leine gelassen. Aber nicht nur wir erfreuen uns an dem schönem Wetter, auch die Wildtiere nutzen den Frühling. Bereits jetzt sind die ersten Junghasen auf die Welt gekommen. „Besonders zur Brut- und Setzzeit brauchen die Tiere viel Ruhe und vor allem Rückzugsräume“, weiß Jäger Jakob Frohnapfel aus Marbach. Der Student der Forstwissenschaften und Waldökologie nennt das Revier in Marbach sein Zuhause. Gerade der Haunestausee ist für viele Bürger ein schönes Laufziel, doch auf den Wegen des Sees herrscht eine Anleinpflicht für Hunde.

„Die Hundebesitzer leinen ihre Hunde trotz der Leinenpflicht ab und lassen die Tiere dann auch auf Wiese und in Gebüsche laufen, dass kann fatale Folgen haben“, ärgert sich Frohnapfel. Denn auf den Wiesen legt die Häsin ihre Jungtiere ab. Die Hunde schnuppern an den Tieren und die Mutter nimmt sie dann nicht mehr an. Die Folge: die Kleinen sterben, weil sie verhungern und verdursten. „Diesen Vorgang bekommen die Hundebesitzer häufig gar nicht mit“, erklärt der Jäger.

Aber nicht nur das Schnuppern an Wildtieren ist gefährlich. „In den vergangenen Monaten haben wir häufig gerissene Rehe gefunden“, so Frohnapfel. Die Tiere werden von Hunden gerissen und dann liegen gelassen. „Die Hunde machen das ja nicht, weil sie Hunger haben. Das sind Lustmorde, weil es ihnen einfach gefällt“, erklärt der 31-Jährige völlig entsetzt. Den Tieren wird häufig in den Hals gebissen, um sie zu töten, jedoch fressen die Hunde ihre Beute nicht, sondern lassen sie liegen. Frohnapfel fordert mehr Rücksichtnahme auf die Natur. Und natürlich sollten Hundebesitzer beim Spaziergang auf ihren Hund achten. „Man sollte sich auch während des Gassigehens mit seinem Hund beschäftigen und nicht nur stupide nebeneinander her laufen“, so das Herrchen von einer fünfjährigen Tiroler Bracke. „Der Polizei ist derzeit noch kein Vorfall von gerissenem Wild bekannt“, sagt Christian Stahl, Pressesprecher des Polizeipräsidium Osthessen. Bei der Nichteinhaltung der Leinenpflicht droht Hundebesitzern sogar ein Bußgeld in der Höhe von mindestens 50 Euro.

Zwischenruf von Antonia Schmidt

Ja, ich gebe es offen zu, auch meine Hündin läuft ohne Leine. Auch am Haunestausee haben ich sie nicht angeleint laufen lassen. Natürlich bin ich mir über die Anleinpflicht an manchen Orten bewusst, jedoch sollte ich dazu sagen, dass meine Hündin eine absolut faule Socke ist. Da kann fünf Meter vor ihr eine Katze die Straße überqueren und sie denkt sich: „Ach, das ist viel zu anstrengend da jetzt hinterher zu rennen.“ Das Motto: Wie der Herr so das Gescherr. Trifft bei uns beiden einfach vollkommen zu. Doch stimme ich Jakob Frohnapfel in Sachen Rücksichtnahme auf die Natur völlig zu. Durch meine Arbeit im Tierschutz hatte ich vor einem Jahr ein Exemplar an der Leine, das das Jagen liebt. Dieser Schatz ist nie von der Leine genommen worden. Ich wusste ist er schneller als das Wild, überlebt es nicht. Und ich denke, alle Hundebesitzer sollten in der Lage sein, ihr Tier einschätzen zu können. Natürlich gibt es auch mal Unfälle, dass der Hund aus der Leine oder Halsband schlüpft. Auch mir ist bisweilen die Leine aus der Hand gerutscht. Aber man sollte in der Lage sein, seinen Hund zu regeln. „Einflussnahme auch auf Distanzen“ heißt das Trainingsziel. Auch wenn der Hund mal startet, sollte der Besitzer in der Lage sein, sein Tier zurückzurufen. Ansonsten heißt es: Hund an die Schleppleinen, um ihm einen größeren Laufradius zu gönnen. Und vor allem aufmerksameres und gemeinsames Gassigehen. Der gemeinsame Spaziergang sollte ein Highlight für alle Beteiligten sein und nicht ein stumpfes Nebeneinander her laufen. Auch die gegenseitige Rücksichtnahme ist bei Hundehaltern immer wieder ein Punkt. Wenn mir Passanten entgegen kommen oder andere Hundehalter mit Hund, habe ich meinen Hund zu mir zu rufen und an meine Seite zu nehmen. Wer weiß, wer einem begegnet? Ich hasse es, wenn rücksichtslose Hundebesitzer ihre Hunde einfach auf mich und meine Hündin zu laufen lassen. Jedes Mal frage ich mich: Muss das sein? Und kann dann die Spaziergänger verstehen, die sich von Hundebesitzern gestört fühlen. Doch wir sind nicht alle so. ;-)

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