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Hirtenwort des Bischofs: Michaelskirche als Ort und Thema

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Hirtenwort zur Fastenzeit aus der Krypta der Michaelskirche
Hirtenwort zur Fastenzeit aus der Krypta der Michaelskirche © Bistum Fulda

1200 Jahre sind ihre Ursprünge alt: Die Michaelskirche in unmittelbarer Nähe des Fuldaer Doms gilt als ältester Nachbau der Grabeskirche in Deutschland.

Fulda Die Krypta in ihrem Untergeschoss hat alle Zerstörungen der vergangenen zwölf Jahrhunderte überstanden. In Bischof Dr. Michael Gerbers aktuellem Hirtenwort steht sie für Hoffnung und prägende Erfahrungen mit dem Glauben.

Das Hirtenwort 2022 wird traditionell am ersten Fastensonntag, 6. März), in allen Gottesdiensten im Bistum Fulda verlesen. Bischof Gerber selbst hat es dabei direkt über der berühmten Krypta vorgetragen: Während der Vorabendmesse am Samstag in der Michaelskirche in Fulda – und dank einer Online-Übertragung auch live im Internet. 

Gebet für Frieden und Freiheit

Die Kirchen sind aktuell aber auch und gerade Orte für das Gebet um Frieden und Freiheit: Der Krieg in der Ukraine, der Überfall Russlands auf sein Nachbarland, markiert eine Zeitenwende und kommt somit auch gleich zu Beginn des Hirtenwortes zur Sprache.

„Wir erleben eine existenzielle Bedrohung von Frieden und Freiheit auf unserem Kontinent und darüber hinaus“, betont Bischof Gerber. Nun komme es auf die Klugheit der politischen Verantwortungsträger ebenso an wie auf unser aller Bereitschaft, „um der Freiheit und des Friedens willen auch manche Einschränkung in Kauf zu nehmen.“

Zustand der Kirche

In seinem Hirtenwort nutzt Bischof Gerber die bewegte Geschichte und die besondere Architektur der Michaelskirche vor allem als Bild für die Situation der Kirche heute. Damit meint er wohl auch die Institution, zuallererst aber die Seelen der Menschen in der Kirche.

Wie Umbauten und vor allem Zerstörungen der Vergangenheit das Angesicht der Michaelskirche immer wieder geändert haben, so erschüttert der Zustand der Institution gerade einige Menschen, die viel Zeit und Energie in ihre Kirche investiert haben, berichtet Gerber: „Die Schilderung von sexualisierter Gewalt und der Rolle von Verantwortungsträgern führt viele in eine innere Zerreißprobe.“

Staub und Dreck

Im Bild des Kirchenbaus ausgedrückt: Wenn einige ihrer Mauern einstürzen, dann legt sich Staub und Dreck über alle anderen Gebäudeteile und dringt auch in die letzten Ritzen ein. Es zerbricht etwas in den Seelen vieler Menschen und einige kehren ihrer Kirche den Rücken.

Was bleibt? Was gibt Hoffnung in diesen Tagen? Anregungen dazu findet Bischof Gerber wiederum in Architektur und Geschichte der kleinen Kirche, die direkt an das Bischofshaus grenzt und von dort durch verschiedene Türen zugänglich ist.

Eine dieser Türen, eine schwere Doppeltür in der dicken Mauer, führt direkt von seinem Büro im ersten Stock des Bischofshauses in den oberen Teil der Michaelskirche. Anschaulich beschreibt Gerber, wie er durch diese verschlossene Tür trotz baulichem Schallschutz an seinem Schreibtisch von Zeit zu Zeit – ganz leise, kaum vernehmbar – Töne aus der Michaelskirche wahrnimmt: Das rhythmische Beten des Rosenkranzes etwa, das Klingeln bei der Wandlung oder den Vers eines Taizé-Liedes.

Das entscheidende Bild findet Bischof Gerber aber zwei Stockwerke tiefer – in der Krypta mit der tragenden Säule im Untergeschoss: „Tief steht sie in der Erde“, veranschaulicht Gerber. „Sie ist inmitten der Zerstörungen erhalten geblieben über alle zwölf Jahrhunderte hinweg.“

Umfangreiches Angebot zur Vertiefung

Zur Begleitung und Vertiefung des Hirtenwortes bietet das Bistum Fulda auf seiner Homepage über den Original-Text hinaus auch einen emotionalen Video-Film sowie eine von Bischof Gerber eingelesene Audio-Aufnahme und eine digitale Erzählung mit Textauszügen auf großflächigen Fotos. Gelegenheit, sich ausgehend vom Hirtenwort und der Architektur der Michaelskirche mit existentiellen Fragen des persönlichen Glaubens auseinanderzusetzen, bieten zudem drei Abende mit digitalen Fastengesprächen. Alle Angebote und weitere Infos unter: fastenzeit.bistum-fulda.de

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