Historische Krise auf dem Milchmarkt

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Interview mit Oswald Henkel, regionaler Sprecher des "Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter".

Fulda aktuell (FA): Wie ist  die Lage auf dem Milchmarkt?

Oswald Henkel, regionaler Sprecher des "Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter" (BDM):  Der Milchmarkt befindet sich in einer historischen Krise. Auch in Hessen bekommen die Erzeuger  bereits weniger als 25 Cent für den Liter Rohmilch bezahlt. Für Mai hat die "Hochwald"-Molkerei gar nur 21 Cent angekündigt. Ein Preis, der für die Erzeuger nicht kostendeckend ist und somit die Existenz von vielen Milchviehbetrieben gefährdet.

FA: Wie sehen Sie die Ursache für diese Lage?

Henkel: Das Problem ist offensichtlich: Es ist global zu viel Milch auf dem Markt und die EU hat daran entscheidenden Anteil. In den vergangenen zwei Jahren steigerte die EU ihre Milchproduktion um zirka zehn Millionen Tonnen; eine Menge, die trotz guter Exportaussichten nicht zu kostendeckenden Preisen am Markt abgesetzt werden kann. Somit greifen marktwirtschaftliche Gesetze, wonach ein zu hohes Angebot zu sinkenden Preisen führt. Eine Preiserholung kann nur bei steigendem Verbrauch (in Europa und auf dem Weltmarkt zur Zeit nicht erkennbar) oder bei einem sinkenden Angebot herbeigeführt werden.FA: Welche Lösungsmöglichkeiten sehen Sie?

Henkel: Das ist eigentlich ganz einfach: Wenn eine Badewanne überläuft und der Abfluss zu klein ist, dann gibt es nur eine effektive Möglichkeit – den Wasserhahn zurückdrehen. Die Erzeuger kämpfen für eine solche Regelung. Um mehr für die Pflege des eigenen Marktes tun zu können und Preisabstürze, wie den jetzigen, verhindern zu können, muss der Milchmarkt stärker beobachtet werden. Notfalls muss die EU die Milcherzeuger in der eigenen Marktpflege unterstützen und die Milchanlieferungen in Krisenzeiten zeitlich befristet deckeln. Dazu wurde vom "BDM" und dem "EMB" (European Milkboard) schon vor zwei Jahren, vor Auslaufen der Milchquote, ein konkretes Konzept ausgearbeitet, das sogenannte Milchmarkt-Krisenmanagement.

FA: Was muss aus Ihrer Sicht jetzt getan werden, um die Lage zu verbessern?

Henkel: Dieses Konzept muss schnellstens umgesetzt werden. Eine Lösung kann nur durch europaweite Regelungen erreicht werden. Es gibt unzählige und auch oft überflüssige EU-Verordnungen. Beim Milchmarkt wurde durch Abschaffung der Milchquote ein Regulierungsinstrument ohne Not aufgegeben – mit Versprechungen, dass jetzt endlich die Bauern frei seien und  produzieren können, soviel sie wollen. Genau das Gegenteil ist eingetreten: Durch die katastrophale Lage auf dem Milchmarkt, die sich logischerweise dann auch auf den Fleischsektor ausweitet, sind die Bauernhöfe massiv in ihrer Existenz bedroht oder geraten in neue Abhängigkeiten von Banken und Konzernen.

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Weißer FitmacherInternationaler Tag der Milch am 1. Juni

Fulda/Bad Hersfeld. Eine  neue  Milchkönigin,  Frühstücksaktionen  und Projekttage  in  Kindergärten  und  Schulen,  Vorträge  für Verbraucher  sowie  diverse  Veranstaltungen  auf  den Partnerbetrieben der Hessischen Milch- und Käsestraße – so sieht  der  "Internationale  Tag  der  Milch"  in  diesem  Jahr  in Hessen  aus.

Die  Idee,  einen  Tag  im  Jahr  dem  weißen Fitmacher zu widmen, stammt aus den 1950er Jahren. Seit 1961 wird er Jahr für Jahr weltweit als "Internationaler Tag der  Milch"  begangen,  seit  2001  auf  Initiative  der "Welternährungsorganisation" und des "Internationalen Milchwirtschaftsverbandes" immer  am  1.  Juni  eines Jahres.

In  Deutschland  werden  seit  vielen  Jahren verschiedenste Aktionen rund um den Tag der Milch in den Bundesländern  von  den  "Milchwirtschaftlichen Landesvereinigungen"   organisiert,  um  das  positive  Image der  Milch  und  die  gesellschaftliche  Akzeptanz  für  die Milchproduktion auszubauen. Neben der Krönung der neuen "Hessischen Milchkönigin" auf dem "Hessischen  Bauerntag"  am 1. Juni (Beginn gegen 9 Uhr, Krönung der Milchkönigin ab 12 Uhr) in  der Bad  Hersfelder "Schildehalle"  finden  in  Hessen zahlreiche Aktivitäten rund um den Ehrentag der Milch statt.

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Projekttag "Das ist Milch!"

Viele Kinder wissen nicht, wo die Milch herkommt. So erfahren am 1.  Juni  die  Schulkinder  in  Grebenstein  bei  einem Projekttag,  wo die Milch herkommt, wie Käse, Joghurt oder Butter hergestellt  werden  und  warum  Milch  so  wertvoll  ist.  Es  gibt Versuche  rund  um  die  Milch,  es  wird  Käse  und  Butter  selbst gemacht und natürlich auch alles probiert.

Am  3.  Juni  veranstaltet  der  "Antonius-Hof"  in  Fulda-Haimbach, Partner  der  Etappe  "Rhön  und  Vogelsberg",  einen  Tag  des "Offenen Hofes" mit Stallbesichtigungen, Planwagenfahrten durch die Öko-Kulturen und Hofführungen.

Nähere Hinweise zu allen Veranstaltungen und Aktivitäten gibt es auf der Homepage www.milchhessen.de/termine .

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Milchkönigin

In Hessen gibt es neben Apfelwein-, Kartoffel-, Rapsblüten-, Rosenkönigin und vielen weiteren Hoheiten auch eine Milchkönigin. Das  Amt  der  "Hessischen  Milchkönigin"  wurde im Jahr 2000 von der "Landesvereinigung Milch Hessen"  ins  Leben  gerufen,  um  die  hessische Milchwirtschaft bei verschiedensten Veranstaltungen  zu  repräsentieren  und  den  Verbrauchern  das  Lebensmittel  Milch  mit  seiner abwechslungsreichen  Produktpalette  näher  zu bringen und den hohen Stellenwert von Milch und  Milchprodukten  in  unserer  täglichen Ernährung  zu  vermitteln.Die  "Hessische Milchkönigin"  steht  daher  sowohl  den Molkereien  als  auch  den  Erzeugern  als Repräsentantin zur Verfügung. Feste  Termine  sind  der  "Hessentag",  das "Frankfurter  Erntefest",  die  "Internationale  Grüne Woche"  in  Berlin,  der  "Internationale  Tag  der Milch"  am  1.  Juni  und  viele  Hoffeste  in  ganz Hessen.  In  der  Vergangenheit  hat  die "Hessische  Milchkönigin"  zwischen  70  und  90 Einsätze  im  Zeichen  der  Milch  pro  Jahr wahrgenommen.

Svenja Löw heißt die aktuelle hessische Milchkönigin. Am 1. Juni wird im Rahmen des Hessischen Bauerntages in Bad Hersfeld  ihre Nachfolgerin für die Amtszeit 2016 bis 2018 gewählt.Foto: Landesvereinigung Milch Hessen

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Die Landesvereinigung Milch Hessen

Die  "Landesvereinigung  Milch  Hessen"  ist ein vom Land Hessen anerkannter Zusammenschluss  von  Verbänden,  die  sich  mit  dem Thema  Milch  von  deren  Erzeugung,  der Verarbeitung  bis  hin  zu  ihrer  Verwendung  im Haushalt befassen.Aufgabe  der  Landesvereinigung  ist  es,  die milchwirtschaftlichen Belange zu koordinieren sowie  den  Informationsaustausch  und Wissenstransfer  zu  unterstützen.  Die  Qualität und  die  Leistung  der  hessischen  Milchwirtschaft zu fördern, bekannt zu machen und ins  Gespräch  zu  bringen,  ist  ihr Auftrag. Daher  informiert  die  Landesvereinigung hessenweit  mit  dem  Innovationsteam  Milch und dem Team Ernährung rund um das Thema Milch und Milcherzeugung.

Detaillierte  Informationen  und  aktuelle Termine  gibt es   auf  www.milchhessen.de .

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Milchgipfel bei der Kanzlerin

Wiesbaden/Berlin. "Die Krise am Milchmarkt dauert schon zu lange an. Es ist nicht davon auszugehen, dass sich die Situation von selbst verbessert. Darum haben sich die Bundesländer im April bei der ,Agrarministerkonferenz’ (AMK) mit dem Thema befasst und den Bund aufgefordert, verschiedene Maßnahmen in die Wege zu leiten. Bereits unter hessischem Vorsitz im vergangenen Jahr hatte die ,AMK’ eine Lösung der Milchkrise gefordert", sagte Hessens Landwirtschaftsministerin Priska Hinz. Sie ist eine der Unterzeichnerinnen und Unterzeichner eines gemeinsamen Briefs an Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Darin fordern die Landwirtschaftsminister der Länder Hessen, Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt die Kanzlerin auf, die Beschlüsse der "AMK" umzusetzen. So sollen die von der Bundesregierung in Aussicht gestellten Bundesmittel von 100 Millionen Euro für ein gezieltes Programm zur Mengenreduzierung eingesetzt werden.

"Wir begrüßen das Programm ausdrücklich. Aber eines ist dabei entscheidend: Es müssen Anreize geschaffen werden, um die Marktteilnehmer zu einem Umdenken in der Preisgestaltung zu bewegen. Wir kommen um eine deutliche Mengenreduzierung nicht herum", betonte Hinz. "Zugleich sind hier alle Wirtschaftsbeteiligten aufgefordert, Verantwortung zu übernehmen: Die Landwirte können die Last eines in Schieflage geraten Marktes nicht alleine tragen. Auch ihre Rolle in der Wertschöpfungskette muss sich verbessern", sagte sie.

Der angekündigte Milchgipfel der Bundesregierung am 30. Mai wird in dem gemeinsamen Brief an die Bundeskanzlerin gelobt.

"Wir bitten allerdings darum, auch uns, die Fachminister, zu dem ,Milchgipfel’ einzuladen. Hier müssen alle, die zu einer langfristigen Lösung beitragen können, an einen Tisch", sagte Hinz. In Hessen wird Anfang Juni zu einem "Runden Tisch Milch" eingeladen. "Ich hoffe, dass unser Brief auch der Kanzlerin verdeutlicht, dass ihr Bundesminister die Vorschläge aus den Ländern ernst nehmen sollte. Wir brauchen eine Lösung für die Milchkrise."

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Milchbauern-Proteste: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg

Fulda/Berlin. Milchbauern protestierten unlängst bei der "Milupa"-Werkseröffnung im Industriegebiet Fulda-West, zu der auch Bundesagrarminister Christian Schmidt als Gastredner geladen war – um ihn in die Pflicht zu nehmen, schnellstmöglich die Beschlüsse der "Agrarministerkonferenz" (AMK) zur Reduktion der Übermengen auf dem Milchmarkt umzusetzen.

Bei der Konferenz in Göhren-Lebbin (Mecklenburg-Vorpommern)  hatten die Länderminister in ihren Beschlüssen angedeutet, dass sie angesichts der massiven Folgen der Milchmarktkrise die dringende Notwendigkeit erkannt hätten, dass die Milchmenge jetzt schnell reduziert werden müsse.

Auch wenn bei der "Agrarministerkonferenz" grundsätzlich alle Beschlüsse nur einstimmig zustande kommen können, hatten die Bundesländer Sachsen und Sachsen-Anhalt mit Protokoll-Erklärungen signalisiert, dass sie diese zum Teil nur widerwillig mitgetragen hätten. Beide Länder lehnten eine Verknüpfung der Gewährung von Liquiditätshilfen mit Mengenreduzierungen ab. Auch Schmidt hatte durchklingen lassen, dass er in der Sache nicht überzeugt sei, auch wenn er zusagte, die Entscheidung der "AMK" pflichtgemäß ausführen zu wollen.

"Schmidt kommt nun eine Schlüsselrolle zu, wie schnell diese für eine zügige Markterholung eingesetzt werden könne", erklärt der Vorsitzende des "Bundesverband Deutscher Milchviehhalter" (BDM),  Romuald Schaber. "Wir fordern den Minister auf, sein Ministerium dazu anzuhalten, sich ohne Wenn und Aber im Sinne dieser demokratischen Beschlüsse einzusetzen und diese nicht dadurch auszuhebeln, dass mit fadenscheinigen Diskussionen auf Zeit gespielt wird, bis sich der Markt durch die Aufgabe zahlreicher Milchviehbetriebe quasi von selbst bereinigt."

Oswald Henkel, Sprecher der hiesigen Bauern, in einem Statement: "Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg."

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