Hitzige Debatte: Möbler-Resolution im Fuldaer Kreistag

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Fulda. Zunächst soll es ein unabhängiges Gutachten geben. Erst danach will sich der Fuldaer Kreistag definitiv zur "Sommerlad"-Standortfrage äußern.

Fulda/Neuhof. Auf der Tagesordnung standen so wichtige Punkte wie die Genehmigung des Haushaltes, ein Dringlichkeitsantrag zur B 87n, die Strompreiserhöhung der "RhönEnergie" – doch kein Thema beschäftigte die Kreistagsabgeordneten auf der jüngsten Sitzung des Kreistages im Gemeindezentrum Neuhof so intensiv wie die Baupläne des Unternehmens Sommerlad für (s)einen neuen Möbelstandort.

Ein Resolutionsantrag der SPD-Kreistagsfraktion, vorgetragen vom Fraktionsvorsitzenden Günter Strelitz, wonach das "Möbelhaus Sommerlad auch zukünftig am Standort Fulda unternehmerisch wirken können" (soll), sorgte für Zündstoff und hitzige Diskussionen über alle Parteigrenzen hinweg,   führte zur Unterbrechung der Sitzung für zehn Minuten weil offenbar Beratungsbedarf seitens der CDU bestand und endete schließlich in einem Resolutionsentwurf der Mehrheit. Im Wortlaut hieß dieser von Dr. Norbert Herr (CDU) vorgetragene Kompromiss: "Der Kreistag befürwortet ein unabhängiges Gutachten zum Möbelstandort Fulda. Sobald das vorliegt, wird sich der Kreistag wieder damit befassen."

"Es geht großräumig um einen horizontalen Wettbewerb, der in seinem Einzugsgebiet mehr als 500.000 Einwohner erfasst, vertikal um den Wettbewerb von Buhl und Sommerlad. Vor allem aber sollte es nicht um kleinkariertes Denken gehen", begründete Strelitz die "Sommerlad"-Resolution seiner Partei. "Der Kreistag sollte ein klares Signal nach außen senden, eindeutig Position für den Standort Fulda beziehen, der beide großen Möbelanbieter verträgt." Laut Strelitz bestehe dringender Handlungsbedarf, um den Kaufkraftsog im Landkreis Fulda zu erhalten und Synergieeffekte gerade auch für die Fuldaer Innenstadt zu schaffen. "60 Prozent der gegenwärtigen Kaufkraft fließt schon heute von hier  ab", sagte Strelitz.  Seiner Auffassung nach werde die Fuldaer Innenstadt nicht durch einen neuen Möbelgroßsortimenter wie "Sommerlad" bedroht, "die City ist  über die ganzen Jahre hinweg durch die Einkaufszentren ,Kaiserwiesen’ und ,Emaillierwerk’ bedroht worden.  Und die eigentliche aktuelle Bedrohung für den Einzelhandel ist das Internet." Strelitz appellierte an die Regionalversammlung Kassel, Fuldas OB Gerhard Möller, die Bürgermeister des Interkommunalen Gewerbegebietes  die Mitglieder des Kreistages und alle übrigen Entscheidungsträger mit einer einheitlichen Stimme zu sprechen und zum Wohle der Verbraucher in der Region zu handeln.Der Fraktionsvorsitzende  der Kreistags-SPD zeigte sich überzeugt davon, "dass jetzt genau der richtige Zeitpunkt gekommen ist darüber zu reden, welche Wirtschafts- und Strukturpolitik wir betreiben sollten", hob jedoch hervor, dass es ihm und seiner Partei mit der Resolution nicht in erster Linie um eine Standortfestlegung  für die "Kaiserwiesen" oder die "A7" gehe. "Es geht darum, dass Fulda mit zwei großen Möbelhäusern gegen die starke Konkurrenz in Kassel, Erfurt, Schweinfurt/Würzburg, Gründau-Lieblos und Bad Vilbel bestehen und sich behaupten kann."

Bernd Woide "als der eigentliche Adressat der Resolution" (so der Landrat selbst), riet zu einer Versachlichung der sehr emotionalen Diskussion. Für ihn sei die wichtige Frage ("auf die bisher noch niemand eine seriöse Antwort gegeben hat"): Wieviel Quadratmeter Möbelfläche vertragen Fulda und die Region? Es gehe nicht um Buhl und/oder Sommerlad ("ich schätze Herrn Sommerlad sehr, er ist ein hervorragender Unternehmer"), es gehe um entsprechende Abweichungsanträge im Regionalplan, die nur die Regionalversammlung treffen könne. Woide: "Für mich hat nur ein unabhängiges Gutachten und die Entscheidung der regionalen Planungsversammlung Bindung. Erst dann können wir die baurechtlichen Entscheidungen treffen."

"Die Regionalplanung ist die eine Seite, der Kreistag die andere ", suchte Dr. Walter Arnold nach einer Kompromiss-Formulierung der "Sommerlad"-Resolution" – "um den Antrag der SPD nicht ablehnen zu müssen und nicht  neue Konfliktpotenziale  zu schaffen." "Arnold: Es geht um 250 Arbeitsplätze. Es geht um die Frage des Handelsstandortes Fulda. Es geht um die Fragen: Wo stehen wir heute? Und wie stellen wir uns für die Zukunft auf?"

Dr. Norbert Herr wollte/konnte "einer ganzen Reihe der hier gehörten Dinge zustimmen. Da ist sicher vieles richtig". Für ihn können die entscheidenden Fragen jedoch nur  durch ein von allen Seiten belastbares Gutachten geklärt werden. Darin müssten wesentliche Punkte wie Käuferverhalten, Einkommensentwicklung, Einzugsgebiet, Modeerscheinungen, Trends, innenstadtrelevante Sortimente, Standortfragen, Outlet-Center oder "Mall-Bänder" entlang von Autobahnen und ähnliches untersucht werden.

Dr. Herr abschließend: "Wir brauchen eine unabhängige Untersuchung. Der Kreistag sollte zum jetzigen Zeitpunkt vorsichtig sein, sich schon heute dafür auszusprechen, dass Sommerlad kommt."

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