Hitzige Diskussion: Umsiedlung der Firma „Weider“ spaltet eine Gemeinde

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Gestern kam es bei  der Informationsveranstaltung zum Thema Umsiedlung der Firma "Weider" zu einer hitzigen Diskussion.

Eichenzell.  Es ist eine Herzensangelegenheit, das merkte man den rund 400 Besuchern der Bürgerversammlung zum Thema Umsiedlung der Firma „Weider“ an. Geplant war eine Informationsveranstaltung für die Bürger von Eichenzell. Doch schon zu Beginn waren hitzige Diskussionen vorprogrammiert. Die Anwohner am geplanten neuen Standort „Im Oberfeld“ zwischen Löschenrod und Kerzell fürchten um ihre Gesundheit. Sehen eine Minderung ihrer Lebensqualität und einen Verlust des Immobilienwertes.

„Ich hätte meine Firma schon längst erweitern können, aber die Gemeinde ist mit dem Vorschlag einer Umsiedlung auf mich zugekommen“, berichtet Mike Weider, Inhaber der Firma „Weider-Erdarbeiten“. Der Input der neuen Anlage soll rund 100.000 Tonnen im Jahr betragen. Von denen rund 59.000 Tonnen gebrochen werden sollen. Davon sind rund 47.000 Tonnen Bauschutt und 12. 000 Tonnen Boden und Natursteine. „Ich werde keine Stoffe mit der Kennzeichnung Z2 bearbeiten, sondern nur lagern“, verspricht Weider. Thomas Falkenhahn, zuständig für die Planung der neuen Anlage, betrachtet sie als eine moderne flächenschonende und nachhaltige Anlage. Alexander Gensler vom Regierungspräsidium Kassel erklärte den Anwesenden den Ablauf eines Bauplanungsrechtlichen Verfahrens. Diplom-Ingenieurin Petra Herrmann vom „TÜV Hessen“ erstellte ein Gutachten zum Thema befürchteter Staub und stelle fest: „Schädliche Umwelteinwirkungen beziehungsweise erhebliche Nachteile in der Umgebung der Anlage durch Staub sind beim ordnungsgemäßen Betrieb im beantragten Umfang nicht zu erwarten.“ Reinhard Ziegelmeyer von „GSA Ziegelmeyer“ begutachtete den zu erwarteten Lärm und stellte fest, dass die erlaubten Grenzwerte mit 49 Dezibel gerade so eingehalten würden. Harald Friedrich, erster Vorsitzender der „IG kein Schredder“, begrüßte die Anwesenden zur „Werbeveranstaltung der Gemeinde“ und beklagte, dass die von der Interessengemeinschaft eingeladene Referentin wieder ausgeladen wurden. Grund dafür war die nicht zuvor eingereichten Gutachten der Refernten, die daher nicht auf Objektivität, geprüft werden konnten. „Für uns war es ein Schock“, so Friedrich. Der der Gemeindevertretung rund um Bürgermeister Dieter Kolb vorwarf, dass versucht wurde, die Anlage ganz heimlich zu bauen, ohne die Bürger zuvor passend zu informieren. „Wir kommen uns vor, wie Bürger zweiter Klasse“, feuerte Friedrich die Zuhörer an, die überwiegend gegen die Umsiedlung der Firma „Weider“ waren. Und warb für die Veranstaltung der Interessengemeinschaft am 9. Mai in der „Kulturscheune Eichenzell“. Fredrich übergab 2684 Unterschriften der Bürger von Eichenzell gegen den neuen Standort der Firma „Weider“.

Bürgermeister Kolb sieht sich ungerecht behandelt und möchte nicht als „Buhmann“ da stehen. „Wir brauchen noch Zeit“, sagte er. Es würden weitere Standorte geprüft, doch die Suche gestalte sich schwierig.

Fragerunde

Nach den Vorträgen der Gutachter, des Bürgermeisters und der Interessengemeinschaft konnten die Besucher Fragen an die Referenten stellen. Schnell stellte sich heraus, dass die Anwesenden nicht nur Fragen los werden wollten. Auch, wenn die Gutachter die Fragen sachgerecht beantwortet hatten, ernteten sie Buhrufe oder lautes Gelächter. Statements wie, „Ich habe Angst um meine Gesundheit“ oder „Der Lärm und Staub beeinträchtigt unser Leben“, waren der Grundtenor. Eine sachliche Diskussion, war kaum möglich.

Eine Bürgerin appellierte an Bürgermeister Kolb und an den Gemeindevorsitzender Edwin Baltzer: „Denkt nicht nur an die Grenzwerte, sondern an das Wohlergehen eure Bürger.“ Baltzer entgegnete: „Die Gesundheit der Bürger liegt mir sehr am Herzen. Es wird eine schwere Entscheidung. Ich bedanke mich bei Ihnen für Ihr Kommen und für Ihr Interesse an der Gemeinde“.

 

 

Zwischenruf von Antonia Schmidt: Sachlich korrekt

Zunächst möchte ich klar stellen, dass ich weder für noch gegen die Umsiedlung der Firma „Weider“ bin. Ich saß am vergangenen Dienstag als neutraler Beobachter in dieser Veranstaltung und war geschockt. Ich bin Fan von sachlich korrekten Diskussionen. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich das Diskutieren liebe. Doch was am Dienstag im Bürgerhaus in Rothemann veranstaltet wurde, war keine Diskussion. Die meisten Bürger hatten sich ihre Meinung schon vorab gebildetet, sachliche Argumente der Gutachter wurden mit Buhrufen und Gelächter kommentiert. Verhalten sich so erwachsene Menschen, die eine Lösung für ein Problem finden möchten? Ich denke nicht. Auch der Auftritt von Harald Friedrich war für mich nicht mehr als eine Rede voller Anschuldigungen. Natürlich ist es legitim, dass der Veranstalter, in diesem Falle die Gemeinde Eichenzell, die Objektivität der Referenten prüft. Wenn ich mir sicher bin, dass meine Aussagen stimmen, habe ich damit doch kein Problem oder?

Ich verstehe die Ängste und Sorgen der Bürger. Doch das Spielen mit den Ängsten vor Krankheiten, die manche Bürger in die Runde geworfen haben, finde ich mehr als verwerflich. Zum Beispiel kann die Firma „Weider“ nicht allein an den angeblich 14 Krebserkankungen der Anwohner schuld sein. Ich habe mich lang genug mit dieser Krankheit beschäftigt und diese Aussage hat mich doch mehr als schockiert und wütend gemacht. Auch die Ärzte, die sich gegen die Umsiedlung ausgesprochen haben, hätte ich gerne gehört. Scheinbar war von diesen Medizinern keiner anwesend. Zumindest auch auf Nachfrage, war niemand bereit sich zu outen. Das Spiel mit der Angst ist ein scheußliches. Ich bewundere den Kampfgeist der „Schredder-Gegner“ und finde ihr politisches Engagement lobenswert. Doch bin ich der Meinung, dass man sich, auch wenn es sich um eine sehr emotionale Angelegenheit handelt, auf einer sachlichen Ebene treffen sollte. Ich finde es sehr schade, dass die Referenten der „Schredder-Gegner“ nicht sprechen konnten. Ich hätte sie gerne gehört. Doch denke ich nicht, dass persönliche und wirtschaftliche Entscheidungen von Bürgermeister Dieter Kolb und dem Unternehmer Mike Weider zum Thema beitragen.

Ein Urteil über die Umsiedlung möchte ich mir nicht anmaßen. Doch fordere ich zu einem sachlichen Austausch der beiden Meinungslager auf und hoffe, dass am Ende alle Beteiligten mit der Entscheidung glücklich sind. Liebe Bürger von Eichenzell, bleiben Sie interessiert und informiert. Bringen Sie sich in unsere Politik ein. Dafür steht das Wort Demokratie.

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