Hoher Antikörperwert ist keine Garantie

Was bringen Antikörpertests?
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Was bringen Antikörpertests?

Corona-Antikörpertests zeigen beispielsweise an, ob man unbemerkt infiziert war.

Fulda In der Coronapandemie möchten viele Geimpfte wissen, ob die Antikörper-Konzentration im Körper nach mehreren Monaten noch ausreichend Schutz bietet.

Dazu gibt es Antikörper-Tests, die in Arztpraxen durchgeführt werden, aber auch solche, die man in Apotheken erwerben kann. FULDA AKTUELL fragte Dr. Bernd Schühle, Arzt für Laboratoriumsmedizin aus Fulda, wie die Tests funktionieren und was sie aussagen.

FULDA AKTUELL: Was sagen die bei Hausärzten und in einigen Apotheken angebotenen Antikörper-Tests (COVID-19) aus?

DR. BERND SCHÜHLE: Antikörper gegen SARS-CoV-2 werden vom Immunsystem der Person gebildet, die Kontakt mit dem Virus oder Teilen davon (Impfung) hatten. Werden Antikörper bei Nicht-Geimpften nachgewiesen, haben diese mit sehr großer Wahrscheinlichkeit eine Infektion durchgemacht, auch wenn keine Symptome aufgetreten sind.

FA: Wie wird ein solcher Test durchgeführt?

SCHÜHLE: In der Regel wird der Test an einer Blutprobe durchgeführt.

FA: Was sagt einer dieser Antikörpertests genau aus?

SCHÜHLE: Es gibt zwei Arten von Tests. Die einen bieten nur das Ergebnis „positiv“ oder „negativ“, sogenannte qualitative Tests. Die anderen liefern ein quantitatives Ergebnis, den „Antikörper-Titer“. Je höher das Ergebnis, desto besser ist der Schutz vor einer Infektion. Das Vorhandensein von Antikörpern schützt aber nicht vollkommen.

FA: Wie zuverlässig sind solche Antikörper-Tests im Hinblick auf die „gefühlte Sicherheit“ der Getesteten?

SCHÜHLE: „Gefühlte Sicherheit“ ist sehr subjektiv und wahrscheinlich um so höher, je weniger man über die Aussagefähigkeit des Testergebnisses weiß. Vorhandene Antikörper, besonders mit höherem Titer, reduzieren das Risiko einer Infektion, des Schweregrad einer Erkrankung und der Weitergabe an Kontaktpersonen. Das kann man mit den bisherigen Erkenntnissen sicher sagen, mehr aber auch nicht. Keinesfalls darf man deshalb die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen und Schutzmaßnahmen außer Acht lassen.

FA: Welche Antikörper können nachgewiesen werden und was hat es mit den T-Helferzellen auf sich, von denen man in diesem Zusammenhang hört?

SCHÜHLE: T-Helfer-Zellen erkennen fremde organische Strukturen, unter anderem Viren oder Viruspartikel, im Organismus und senden dann Botenstoffe (Zytokine) aus, wodurch andere Zellen der Immunabwehr aktiviert werden, beispielsweise zur Antikörper-Produktion. Bei Älteren und Menschen mit Grunderkrankungen ist diese Funktion oftmals eingeschränkt, was ein Grund für die oft schwereren Verläufe der Infektion sein kann.

FA: Welchen Gruppen (beispielsweise Alter, Beruf, Lebenssituation) würden Sie in welchen Abständen zu einem Antikörpertest raten?

SCHÜHLE: Unabhängig von den angesprochenen Gruppen ist es eine Frage des privaten Interesses jedes Einzelnen. Für mich ist es verständlich, wenn jemand wissen will, ob eine unbemerkte Infektion stattgefunden hat. Ebenso ist es interessant, ob man nach Impfung Antikörper gebildet hat und wie hoch der Titer ist.

Ein positives Ergebnis darf dabei keinesfalls zu Sorglosigkeit führen. Es handelt sich hierbei um eine individuelle Gesundheitsleistung.

FA: Werden diese Tests von Krankenkassen übernommen?

SCHÜHLE: Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen den Antikörpertest nur bei Verdacht auf Infektion mit Symptomatik und negativem PCR-Test.

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