Holländische "Turban-Truppen" auf Geheimübung

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Truppenübungen im Main-Kinzig-Kreis: Landrat Erich Pipa (SPD) kritisiert Kriegsszenarien und Informationspolitik des Bundesverteidigungsministeriums.

Main-Kinzig-Kreis. Landrat Erich Pipa hat sich mit einem Brief ans Verteidigungsministerium gewandt, um seine Kritik an einer mangelhaften Informationspolitik rund um Truppenübungen niederländischer Streitkräfte in Bad Soden-Salmünster zum Ausdruck zu bringen.

"Vor einigen Tagen campierten Soldaten der niederländischen Armee im Main-Kinzig-Kreis, um eine größere Übung vorzubereiten, die noch bis zum 28. Oktober dauern soll. Nicht alleine dieser Umstand ist merkwürdig, sondern auch die Tatsache, dass niemandem in den hiesigen Verwaltungen, weder im Landratsamt noch in den umliegenden Rathäusern und noch nicht mal den Verantwortlichen in Bad Soden-Salmünster, wo diese Übung stattfand, Informationen vorlagen", moniert Pipa in dem Schreiben, das er direkt an Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen adressiert hat.

Die Information über die Truppenübungen seien über den Sender HitRadio FFH an den Kreis herangetragen worden. Obendrein machten in dieser Übung Berichten zufolge bewaffnete Menschen mit Turbanen Jagd auf andere, schreibt Landrat Pipa, "wie kann man so etwas im Jahre 2015 veranstalten ohne zu glauben, Beobachter könnten sich dadurch in irgendeiner Weise beunruhigt fühlen?"

Pipa äußert sein Missfallen über diese Übungen, die schwerpunktmäßig in Mernes stattfinden. "Ich dulde keine Geheimübungen ausländischer Soldaten in meinem Kreis. Ich möchte auch über anstehende Übungen im Allgemeinen Bescheid wissen. Denn kein Bürger wird wohl auf die Idee kommen, in Berlin nachzufragen, wenn er derlei Manöver beobachtet, sondern er meldet sich bei den örtlichen Behörden", so Landrat Erich Pipa.

Gleichwohl nutzt Pipa die Gelegenheit, sich für den Einsatz der Bundeswehr-Soldaten rund um die Errichtung und den Betrieb der Notunterkunft zu bedanken. "Das sind Einsätze, bei denen Streitkräfte wertvolle Arbeit leisten können", heißt es in seinem Brief. "Kriegsszenarien ohne jede Vorwarnung an die Bevölkerung bitte ich künftig zu unterlassen. Diese Truppenübungen sollten vor allem auf das Land beschränkt bleiben, aus dem diese Streitkräfte stammen."

Nach mittlerweile vorliegenden Erkenntnissen haben die niederländischen Soldaten auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken Quartier bezogen und sich bei ihrer Übung wohl über die Marschroute Unterfranken und den Landkreis Fulda bis nach Mernes in den Spessart durchgeschlagen haben. Eine Passantin hatte ein Foto gemacht und an einen privaten Radiosender weitergegeben. Darauf ist ein zelt zu sehen mit zwie Männern in Kutten und Turbanen. "Was sie genau darstellen sollen, ist der Interpretation dre Beobachter überlassen", sagte Frank Walzer von der Pressestelle des Main-Kinzig-Kreises gegenüber "Fulda aktuell".

Walzer weiter: "Warum wir nicht informiert waren? Das ist eine gute Frage, die auch den Main-Kinzig-Kreis interessiert. Daher hat Landrat Erich Pipa einen Brief an das Verteidigungsministerium geschrieben und genau diese mangelhafte Informationspolitik kritisiert. Heute hat Landrat Pipa prompt eine Entschuldigung von einem General der Bundeswehr erhalten, der eine Informationspanne einräumte."

Wie können zukünftig solche "Geheimübungen" verhindert werden? "Die Entscheidung darüber trifft nicht der Main-Kinzig-Kreis. Problematisch ist aus unserer Sicht, wenn niemand der örtlichen Behörden über entsprechende Manöver informiert wird. Es ist doch klar, dass jede vergleichbare Aktion auch in Zukunft für Beunruhigung bei der Bevölkerung sorgen wird. Da kann es nicht sein, dass weder das Landratsamt noch die umliegenden Rathäuser Bescheid wissen", kritisiert Walzer.

Eine "Gefährdungslage" dürfte von den holländischen Mitlitäreinheiten, die Zuhause über keinen Truppenübungsplatz verfügen und oft in die Rhön nach Wildflecken und/oder Hammelburg kommen, indes nicht ausgegangen sein. "Nach unserem Erkenntnissstand wird wird bei der Übung, die noch bis zum  28. Oktober andauern soll, nicht mit echter Munitioln geschossen", so Walzer abschließend.

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