Hunger nach Gerechtigkeit

Von H.-P. EHRENSBERGERDie lteren unter Ihnen werden sich vielleicht noch an jene Bilder erinnern, die sich mir als Jugendlicher seinerzeit unaus

Von H.-P. EHRENSBERGER

Die lteren unter Ihnen werden sich vielleicht noch an jene Bilder erinnern, die sich mir als Jugendlicher seinerzeit unauslschlich und synonym fr den Begriff Hungersnot ins Gedchtnis eingeprgt haben: Vom Biafra-Konflikt in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als spindeldrre Kinder mit aufgeblhten Buchen, dem Tod geweihte Gestalten, nur noch aus Haut und Knochen bestehend, mit zerbrechlichen Fingern und leerem Blick buchstblich jedes einzelne Reiskorn vom staubigen afrikanischen Boden auflasen. Hunger ein Begriff, den man lngst berwunden und ausgemerzt glaubte, steht auf der Agenda wieder ganz oben. Weltbank und Internationaler Whrungsfonds warnen vor einer Katastrophe unermesslichen Ausmaes, prognostizieren ein Massensterben in den Entwick-lungslndern, sagen eine globale Lebensmittelknappheit voraus und befrchten sogar Kriege um Reis und Brot.

Weltweit leiden sage und schreibe 850 Millionen (!) Menschen an schlimmer Unterernhrung, leben sozusagen von der Hand in den Mund wenn man das Problem verharmlosend beschreiben will. Drckt man es gleichermaen real wie dramatisch aus, dann kmpfen nicht nur in den bekannten Krisenregionen in Schwarzafrika, Lateinamerika und Sd-Ost-Asien, sondern auch schon in den einigermaen stabilen westlichen Industrielndern Menschen ums nackte berleben. Wie immer trifft es zuerst die rmsten der Armen, Kleinst-Bauern und Lohnarbeiter etwa in Brasilien, Mexiko und Haiti, deren lokale und regionale Landwirtschaft platt gemacht wird, die Palml anbauen und dafr den Regenwald abholzen mssen, die bestimmte Agrarprodukte pflanzen, damit die reichen Amis und Europer Biobenzin tanken knnen. Die Flchen fr Reis und Mais, Soja und Weizen werden dadurch immer kleiner, bis sich letztendlich die bedauernswerten Campesinos keine Tortillas mehr leisten knnen. In diesen Teufelskreislauf flieen noch weitere wesentliche Parameter mit ein wie eine stetig wachsende Weltbevlkerung, die zunehmend mehr Fleisch konsumierenden Chinesen und Inder (um ein Kilo Fleisch zu erzeugen, sind sieben Kilo Getreide ntig), Ernteausflle wegen Drre aufgrund des Klimawandels und nicht zuletzt auch skrupellose Spekulanten an den internationalen Rohstoff-Brsen.

Doch was die westlichen Wohlstandsgesellschaften nur aufsthnen lsst (weltweit sind die Verbraucherpreise fr Grundnahrungsmittel seit einem Jahr bis zu 88 Prozent nach oben geschossen), knnte sich in der Dritten Welt zu einem verzweifelten Kampf ums berleben, zu einer sozialen Bombe mit verheerender internationaler Sprengkraft entwickeln. Fast eine Milliarde Menschen hungern nach Gerechtigkeit!

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