´Idylle zerstört´

VON HANS-PETER EHRENSBERGERNsttal-Hofaschenbach. Bei uns ist das StimmungsBarometer in den Keller gefallen, nachdem wir gehrt

VON HANS-PETER EHRENSBERGER

Nsttal-Hofaschenbach. Bei uns ist das StimmungsBarometer in den Keller gefallen, nachdem wir gehrt hatten, dass die GbR Beier/Gatterdam im Ortskern von Hofaschenbach sdlich des Friedhofs eine Methangasanlage bauen will." Yvonne Vogel bringt die Gefhle der Anwohner auf den Punkt, die von solchen Plnen der Gesellschaft brgerlichen Rechts (GbR) alles andere als begeistert sind - ja, sich sogar vehement dagegen wehren wollen.

Fr einige von uns ist eine Welt zusammengebrochen, als wir durch Recherchen im Internet dann genau erfahren haben, was das fr uns und die Gemeinde eigentlich bedeutet", sagen Klaus Vogel und Ruthild Mihm, die Sprecher der unmittelbaren Anlieger. Unsere Immobilien, die bei den meisten als Altersvorsoge geplant waren, knnten zwischen 30 und 70 Prozent an Wert verlieren. Viele Immobilien laufen noch auf Finanzierung und mssten mit dem Bau der Biogasanlage mit Risikozuschlgen rechnen. Und bei Neufinanzierungen sind hhere Zinsen zu erwarten."

Die Anlieger-Sprecher bringen weitere Aspekte zur Sprache: Erst im Mai 2008 wurde in den benachbarten Spielplatz investiert, dieser grunderneuert. Und wegen des Durchgangsverkehrs beim Zuliefer- und Abtransport fr die Methangasanlage knnten die Kinder dort nicht mehr sicher spielen, befrchten sie.

Leider gbe es auch keine Brgersteige, auf die sich die Fugnger flchten knnen, wenn Schwertransporte durchrauschen." Besonders fr Senioren, die auf dem Weg zu Friedhof seien, wrde das eine groe Gefahr darstellen, da die Strae viel zu eng sei. Zudem mssten die Anlieger fr die durch die Schwertransporte entstehenden Straenschden aufkommen. Auch eine hohe Lrm- und Geruchsbelstigung kme auf die Anwohner zu. Junge Leute wollen aus diesen Grnden wegziehen. Wir befrchten ein Dorfsterben", so Vogel und Mihm.

Auch seitens der Jger und Imker werden Bedenken gegen die geplante Methangasanlage geuert. Durch den hierfr angebauten Mais wrde eine Monokultur entstehen - mit der mglichen Folge einer Wildschweinplage, was hhere, mitunter nicht mehr bezahlbare Jagdschden nach sich zge. Dann wrde kein Pchter mehr kommen. Auch die Imker stehen dem groflchigen Maisanbau kritisch gegenber. Beizmittel, die die Maispflanzen schtzen sollen, knnten Bienen schdigen.

Dr. Hubert und Justus Beier sowie Michael Gatterdam denken, dass sie in zehn Jahren ihre Hfe nicht mehr bewirtschaften knnen, wenn die Biogasanlage nicht gebaut wird. Wir wissen nicht einmal, wie es in einem Jahr um unsere Arbeitspltze steht. In der freien Marktwirtschaft knnen wir nicht mit Subventionen vom Staat rechnen. Wir als Privatleute knnen sehen, wo wir bleiben", sagt Yvonne Vogel.

Die Anwohner fordern, die Biogasanlage an einem geeigneten Standort auerhalb des Ortes zu bauen. Das wre nur gerecht, da auch der Betreiber auerhalb des Ortes auf einem idyllischen Aussiedlerhof wohnt", sagt Ruthild Mihm. Ich kann nicht verstehen, dass uns Anwohner so etwas vor die Nase gesetzt werden soll, wo es doch sinnvollere Alternativstandorte gbe." Die Brger fhlten sich schon hintergangen, ich hatte den Eindruck, dass wir nicht alles mitbekommen sollten", sagt die 52-Jhrige. In Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen seien solche Anlagen lngst Auslaufmodelle, nur in Hessen sezte man noch auf diese Methode. Die Hausfrau hat sich kundig gemacht, die Anlage produziere 80 Prozent Abfall und nur 20 Prozent Gewinn" in Form von Wrme und Strom. Dieser wrde ber 20 Jahre garantiert von einem Strom unternehmer abgenommen, auerdem gebe es fr diesen Zeitraum Boni fr Glle und nachwachsende Rohstoffe. Danach und schon jetzt mchte ich nicht an die Zukunft fr uns Anlieger denken", sagt Mihm.

"Gerche und Gerusche bei der Wohnbebauung nicht zu erwarten"Statement der Beier-Gatterdam GbR

Nsttal. Hier die Informationen der Beier-Gatterdam GbR zum geplanten Bau einer landwirtschaftlichen Biogasanlage in Hofaschenbach

Eine sichere Energieversorgung ist wesentliche Grundlage unseres Wohlstands. Auch wenn die Bundesregierung den endgltigen Ausstieg aus der Kernenergie um 10 Jahre verschieben will, so ist die zgige Umstellung auf erneuerbare Energien ein wichtiges politisches Ziel und Hessen will bis 2020 20 Prozent des Energieverbrauches durch regenerative Energien abdecken. Neben dem Ausbau aller Bereiche der erneuerbaren Energien bedeutet dieses auch die Notwendigkeit mehr Energie aus Biogasanlagen zu erzeugen. Eine Studie zeigt, dass im Landkreis Fulda hierfr noch ca. 20 Biogasanlagen in Grenordnung um 250 KW elektrische Leistung bentigt werden.

Gleichzeitig ist es fr uns als Betriebsleiter eines landwirtschaftlichen Betriebes notwendig, die zuknftige Entwicklung des Betriebes zu planen. Nach den Erfahrungen der niedrigen Milchpreise in den Jahren 2008/2009 wollen wir deshalb nicht in eine Erweiterung der Milchproduktion sondern in den Bau einer Biogasanlage investieren, um den Betrieb langfristig auf eine breitere wirtschaftliche Basis zu stellen.

Der landwirtschaftliche Betrieb bewirtschaftet z.Zt. knapp 100 ha landwirtschaftliche Nutzflche und hlt ca. 130 Stck Rindvieh. Geplant ist eine Biogasanlage mit einer Leistung von 250 KW elektrischer Leistung die etwa 300 bis 400 Haushalte mit Strom versorgen kann, auch die anfallende Wrme soll einer sinnvollen Nutzung zugefhrt werden.

Es handelt sich hierbei um eine relativ kleine Biogasanlage, die ideal zu dem landwirtschaftlichen Betrieb passt. Die zustzlich bentigten Grsubstrate (Mais und Getreide) sollen auf der Basis von Liefervertrgen durch in Nsttal ansssige Landwirte auf kurzen Wegen (maximale Entfernung 6 km) geliefert werden.

Der Standort der Anlage befindet sich ca. 200 m stlich der Ortslage und ist so ausgewhlt, dass der zum einen die nach Baurecht erforderliche Anbindung an den landwirtschaftlichen Betrieb hat und ein wirtschaftliches Wrmenutzungskonzept mglich ist. Andererseits sind Geruchs- und Geruschimmissionen im Bereich der Wohnbebauung nicht zu erwarten.

Die Anlage spart im Vergleich zur herkmmlichen Stromerzeugung unter Bercksichtigung aller Produktionsfaktoren ca. 1.400 t CO / Jahr ein und trgt damit entscheidend zu einer klimafreundlichen und dezentralen Energieversorgung bei."

"Abwgungsverfahren"Brgermeister Hermann Trabert uert sich

Nsttal. Brgermeister Hermann Trabert war gerne bereit, den derzeitigen Verfahrensstand zum Bau der Biogas-Anlage der GbR Beier / Gatterdam in Hofaschenbach Fulda aktuell" nher zu erlutern und ein weiteres Thema - den DSL-Ausbau in Nsttal - kurz zu schildern. Hier sein Statement: In der Gemeinde Nsttal bereichern derzeit zwei interessante Themen das Tagesgeschft im kommunalen Bereich:

Zum einen geht es in den Ortsteilen von Haselstein, Rimmels und Silges um eine mglichst baldige Anbindung der Haushalte an das schnelle Internet; die Aschenbachdrfer wurden bereits in 2008 mit Glasfaserleitungen durch die Deutsche Telekom versorgt. Noch in diesem Jahr soll fr Haselstein per Richtfunk durch wiDSL das schnelle INTERNET Platz greifen. Fr die Drfer Rimmels und Silges wird zurzeit ein Interessenbekundungsverfahren durchgefhrt und hierbei geprft, ob und unter welchen Bedingungen und Voraussetzung auch hier eine Lsung zur Einfhrung der modernen Technik (schnelles Internet) gefunden werden kann.

Zum anderen bestimmt seit Neuestem der beabsichtigte Bau der Biogas-Anlage der GbR Beier / Gatterdam das Ortsgeschehen. Noch bevor die Planungen in Auftrag gegeben wurden, hat der potentielle Betreiber rein vorsorglich Verbindung zu den angrenzenden Nachbarn und dem Ortsbeirat von Hofaschenbach aufgenommen. Bereits Mitte Oktober fhrte der Ortsbeirat von Hofaschenbach eine Informationsveranstaltung zu der Thematik Biogasanlage durch, bei der der Initiator sowie sachkundige Referenten als auch betroffene Nachbarn und Dorfbewohner gehrt wurden. Beim Diskussions- und Meinungsaustausch hatten die anwesenden Brgerinnen und Brger ausreichend Gelegenheit, sich zu informieren und Fragen an die Diskussionsrunde zu stellen. Hiervon wurde reichlich Gebrauch gemacht. Erneute Aufmerksamkeit und erhhte Brisanz erlangte das Thema Biogasanlage" in der letzten Sitzung der Gemeindevertretung am 04.11.2010 in der Gaststtte Aha in Silges. Zunchst reichte die CWE- und SPD-Fraktion einen gemeinsamen Antrag zur Prfung der Auswirkungen des geplanten Baus einer Biosgasanlage der GbR Beier / Gatterdam ein, der zum Inhalt hatte, die Betreiber und betroffenen Anlieger in das Verfahren mit einzubeziehen und zielgerichtet eine Minimierung von Belastungen durch Lrm, Geruch und Verkehr herbeizufhren. Dieser Antrag passierte einstimmig das Gemeindeparlament. Dies wiederum stellt m. E. ein gutes Omen dafr dar, in weitere Gesprche einzusteigen und gestellte Forderungen zielgerichtet aufzugreifen und abzuarbeiten. Nunmehr mchte die Gemeinde am 09. Dezember 2010 im Rahmen einer Brgerversammlung zunchst den Betreiber/Architekten, den Vertreter der Genehmigungsbehrde beim Regierungsprsidium Kassel und die betroffenen Brgerinnen und Brger zu Wort kommen lassen. In sachlicher Diskussionsrunde soll dann Gelegenheit sein, gegenseitige Argumente auszutauschen, um nach Mglichkeit eine Konsensfhigkeit fr den weiteren Verfahrensweg zu erwirken. Im Genehmigungsverfahren selbst, das Regierungsprsidium ist Genehmigungsbehrde, obliegt es den gemeindlichen Gremien, das Einvernehmen zu erteilen oder dies zu verweigern. Faktisch kme also eine entsprechende Genehmigung ohne das Einvernehmen der Gemeinde nicht zustande. Dies kann nicht die Zielsetzung eines geordneten Verfahrensablaufs und eines mglichen Genehmigungsweges sein. Deshalb ist zum weiteren Ablauf folgendes auszufhren: Im offiziellen Verfahren, zurzeit findet nur ein Vorverfahren / Abklopfen statt, wird zunchst der Bauausschuss und der Ausschuss fr Umwelt, Fremdenverkehr, Landwirtschaft und Forsten eingebunden werden und vor der Beratung im Gemeindeparlament entsprechende Beschlussempfehlungen abgegeben. Die Beratung und Beschlussfassung im Gemeindeparlament wird voraussichtlich am 27.1.2011 stattfinden. Schlielich wird der Gemeindevorstand der Gemeinde Nsttal auf der Grundlage dieser Beschlussfassung das Votum zum" Einvernehmen der Gemeinde" erteilen und der Genehmigungsbehrde bermitteln. Im gegebenen Fall wrde das Regierungsprsidium Kassel die Genehmigung zum Bau der Biogasanlage unter entsprechenden Auflagen und Bedingungen aussprechen. Als Brgermeister der Gemeinde Nsttal werde ich mich dafr einsetzen, dass die gegenseitigen Interessen so weit wie mglich gewahrt und im Abwgungsverfahren Bercksichtigung finden."

Wenn die Biogasanlage kme, wre es fr ltere Menschen schwierig, den Weg zum Friedhof zu Fu zu gehen, weil die Strae ohne Gehweg viel zu eng ist. Durch den Zufahrtsverkehr fr die Erntemaschinen wird es dann lebensgefhrlich. Und der Motorenlrm der Biogasanlage verhindert das andchtige Trauern um einen geliebten Menschen im Friedhof. Lrm und Gestank wird nun meinen Alltag bestimmen. So habe ich mir meinen Lebens-abend nicht vorgestellt.

Natrlich bin auch ich gegen diesen Standort. Meine grte Sorge ist jedoch, dass die ohnehin schon angespannte Verkehrssituation im Ort noch verschrft wrde. Zu den schweren Lkw, die das nahe Basaltwerk anfahren, kme in der Erntezeit noch eine unvorhersehbare Anzahl an riesigen Traktoren, die kaum noch Platz fr andere Verkehrsteilnehmer lassen. Fr Fugnger und Radfahrer, zu denen auch meine siebenjhrige Tochter auf ihrem Schulweg zhlt, ist das schlichtweg bedrohlich, da ihnen keinerlei ordentliche berquerungsmglichkeiten der Durchgangsstrae, wie Zebrastreifen oder Ampel, zur Verfgung stehen.

Dieser Standort fr die geplante Biogasanlage ist nicht gerade frderlich, dass sich junge Leute ansiedeln. Mich haben auch schon viele angesprochen, dass sie dann wegziehen. Was ist denn fr die Jungen hier noch lebenswert, wenn Lrm und Gestank unseren Alltag beherrschen? Dorf-Idylle - das war einmal! Dann brauchen wir uns auch nicht mehr fr Unser Dorf soll schner werden" bewerben. Auch werden viele Lkw hier durchfahren und die Umwelt zerstren. Und das alles nur deshalb, damit ein einziger neuer Arbeitsplatz entsteht?!

Durch die Monokulturen von riesigen Maisfeldern besteht eine groe Gefahr fr smtliche bestubende Insekten, vor allem die Honigbienen. Bei der intensiven Anbauart mit hohem Einsatz von Dnger und chemischen Pflanzenschutzmitteln wird die Pflanzenvielfalt an den Feldrndern negativ beeinflusst. Die Bienen leiden an Pollenmangel und werden anfllig gegenber Parasiten und Krankheiten. Sie stehen somit fr die notwendigen Bestubungsleistungen nicht mehr zur Verfgung. Die daraus resultierenden Folgen sind hinreichend bekannt: Stirbt die Biene, stirbt der Mensch!

Da die Anlage nur wenige Meter von den Wohnhusern entfernt gebaut werden soll, ensteht fr die Anwohner eine Lrm- und Geruchsbelstigung. Zustzlich verringern sich die Verkehrswerte der Huser stark. Ein anderer Standort auerhalb des Dorfes wre hier sicher die bessere Alternative.

Ich bin gegen den Standort, weil wir sowieso schon tglich durch den starken Lkw-Verkehr zum Steinbruch Suhl belastet werden. Das geht von frh morgens bis abends spt. Zustzlicher Verkehr durch die Biogasanlage, der komplett bei uns vorbeifhren wrde, finde ich unertrglich obwohl unser Ortsvorsteher, der nicht in der Nhe wohnt, meint, dies wre zumutbar. Bei einem anderen Standort knnten auch andere Verkehrswege genutzt werden, und wir wrden nicht noch mehr belastet. Wir schon viele Unterschriften gesammelt und freuen uns sehr, dass uns so viele Leute untersttzen.

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