Immer mehr Müll in unserem Wald: "Faulheit, Trägheit und Geiz"

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Kurz vor dem Termin bei "Fulda aktuell" machte Forstamtsleiter Florian Wildhusen diese Entdeckung im Wald - leider passend zum Thema.      
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Redaktionsgespräch bei "Fulda aktuell": Forstamtsleiter Florian Wildhusen (Mitte) im Gespräch mit Verlagsleiter Michael Schwabe (rechts) und Redaktionsleiter Bertram Lenz.

"Fulda aktuell"-Gespräch mit dem Leiter des "Forstamtes Hofbieber", Florian Wilshusen

Region - Ob mitten im Wald, am Rand von Waldpark­plätzen oder an den Einfahrten zu den Forst­wegen – Müll im Wald ist ein Ärgernis, das leider immer häufiger zu beobachten ist. Vielen Menschen wird dadurch ein Spaziergang vergällt. Zumal die Liste der Hinterlassenschaften im Wald vielfältig ist: Die Palette reicht von Kühlschränken und Fernsehern über Reifen, Hausmüll und Gartenabfälle bis hin zu Sonder­müll. Was nicht nachvollziehbar ist, gibt es für alle Abfälle doch ordnungsgemäße Entsorgungswege, die in vielen Fällen sogar kostenlos sind.

„Fulda aktuell“ hat sich dieser Problematik gewidmet. Zu Gast in unserer Redaktion war Florian Wilshusen, Leiter des „Forstamtes Hofbieber“. „Im Wald liegt alles herum“, so der 37-Jährige, der seit 2016 dem Forstamt Hofbieber und damit 28 Mitarbeitern vorsteht. Hoheitlich zuständig ist man für rund 18.000 Hektar Wald, „wo vom Zigarettenstummel, der weggeworfen wurde, bis hin zu entsorgten Autos und Asbestplatten alles zu finden ist“. Betroffen seien aber auch die Parkplätze in Waldnähe, der Waldrand sowie generell Straßengräben.

Er unterscheide zwischen denjenigen, die Unrat mutwillig in der Natur zurücklassen, und jenen, die es achtlos tun und nennt aus seiner Sicht klipp und klar folgende Motive: „Faulheit, Trägheit und Geiz. Viele machen sich auch gar keine Gedanken, erachten ihr Vorgehen als Kavaliersdelikt“.

Ganz schlimm sei generell, dass bei vielen Menschen keinerlei Unrechtsbewusstsein vorherrsche: „Für die sind beispielsweise Zigarettenstummel kein Müll“. Er habe, so Wilshusen, für jedweden Müll, der im Wald oder in der Landschaft abgelagert werde, kein Verständnis: „Es gibt doch andere Möglichkeiten der zumeist kostenlosen Entsorgung. So wie Wertstoffhöfe der Städte und Gemeinden oder auch die Sperrmüllabfuhr“. Was möglicherweise nicht jeder weiß; Auch das Ablagern von Gartenabfällen im Wald ist verboten. Dadurch könnten sich Pflanzen ausbreiten, die gar nicht in diese Umgebung gehören. Als Beispiel nennt Wilshusen das japanische Springkraut, das sich unter anderem zwischen Hofbieber und Morles extrem vermehre. Dadurch entstünden auch Gefahren für Tiere wie Eidechsen und Kreuzottern, da sich diese nicht mehr in Bodennähe bewegen könnten.

Der 37-Jährige findet es ganz wichtig, dass Aufklärungsarbeit geleistet wird – und dass jene, die den Müll in der Natur ablagern, zur Rechenschaft gezogen werden. Die Bußgeldbescheide des „Regierungspräsidium Darmstadt“ reichten da von „35 Euro bis open end“. Wenn Unrat in einem Landeswald entdeckt werde, dann müsse ihn das Forstamt auf eigene Kosten entsorgen, was letztlich zu Lasten des Bürgers gehe. Wilshusen: „Einer entlastet sich, andere müssen zahlen“. Im kommunalen Wald müsse die Stadt oder die Gemeinde dafür aufkommen.

Sehr lobend erwähnt der Leiter des "Forstamtes Hofbieber" verschiedene Initiativen wie die Osterputzaktion der „Schutzgemeinschaft Deutscher Wald“, bei der immer auch Kinder und Jugendliche mit dabei seien und so früh für die Problematik sensibilisiert würden. Gleiches gelte für die „Walderlebnistage“, die das Forstamt alljährlich für alle dritten Klassen veranstalte, und bei denen an einer Station Müll ausgelegt sei. „Viele Kinder fragen dann: Was ist denn hier los?“, so Wilshusen – ein Zeichen dafür, dass schon in jungen Jahren auch in dieser Beziehung Erziehungs- und Aufklärungsarbeit geleistet werden müsse.

Was also ist zu tun, wenn jemand im Wald gerade jemanden beobachtet, wie dieser Müll ablagert? Wilshusen zufolge muss man dies immer von der Situation abhängig machen, „und dann muss jeder selbst entscheiden, ob er die betreffende Person anspricht oder sich das Kennzeichen des Wagens merkt und es an Forstamt oder Polizei weitergibt“. Dann gebe es natürlich noch die Möglichkeit, den Unrat – sollte dieser überschaubar sein – mitzunehmen und zu Hause zu entsorgen.

Generell gelte es, so Wilshusen, den Wald, dieses natürliche Ökosystem, zu erhalten. Dazu könne jeder beitragen und sich an Vorgaben halten. Beispielsweise, wenn ausgewiesene Parkplätze genutzt und Rettungswege nicht zugeparkt würden. Und man sollte auf andere Rücksicht nehmen; unter anderem, was die Leinenpflicht für Hunde angehe.

Weitergehende Infos über die Entsorgung unter anderem bei Wertstoffhöfen gibt es unter www. abfallwirtschaft-landkreis-fulda.de .

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