Nach Nordrhein-Westfalen: Fragen an SPD-Bundestagsabgeordnete Kömpel 

Wo steht die SPD nach der äußerst schmerzlichen Niederlage in Nordrhein-Westfalen? -Bundestagsabgeordnete Birgit Kömpel nimmt Stellung 

Fulda - Die SPD hat bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen vor einer Woche eine schmerzliche Niederlage erlitten. Auch Parteivorsitzender und Kanzlerkandidat Martin Schulz ist in den Abwärtsstrudel geraten. Grund genug für die „Fulda aktuell“-Redaktion, der SPD-Bundestagsabgeordneten Birgit Kömpel Fragen zu stellen.

Wie sehr schmerzt diese Niederlage die SPD und auch Sie persönlich? 

Birgit Kömpel: Natürlich bin ich nicht glücklich über das Ergebnis der NRW-Wahl. Ich persönlich ziehe den Hut vor Hannelore Kraft. Sie hat die Konsequenz aus der Niederlage sofort und unverzüglich gezogen. Wir werden sie als starke Stimme im Parteivorstand sehr vermissen.

FA: Wie konnte es zu einem solchen Debakel kommen?

 Kömpel: Es steht mir nicht zu, die Genossinnen und Genossen in NRW zu belehren. Die CDU konnte trotz eines schwachen Kandidaten punkten, weil wir mit unseren bundespolitischen Themen aus Rücksicht und auf Wunsch von Hannelore Kraft nicht an die Öffentlichkeit gegangen sind. Das war falsch, aber so auch nicht absehbar.

FA: Mit welchen Gefühlen sehen Sie nach Nordrhein-Westfalen dem 24. September entgegen?

 Kömpel: Ich gehe mit sehr positiven Gefühlen dem 24. September entgegen. Die NRW-Wahl war ein Weckruf und jetzt heißt es, Ärmel hoch und alles dafür tun, dass Deutschland eine neue Regierung bekommt mit einem neuen Bundeskanzler: Martin Schulz.

FA: Wurde Martin Schulz möglicherweise zu früh mit Lobeshymnen überschüttet?

Kömpel: Die Lobeshymnen über Martin Schulz haben ja zu einem großen Teil die Medien selbst verbreitet. Ich schätze an Martin Schulz seine menschliche, natürliche Art und bewundere ihn für seinen beruflichen Erfolg, den er auch ohne akademischen Hintergrund geschafft hat. Ich selbst weiß nur zu gut, wie es ist, wenn man von den Medien dafür kritisiert wird.

FA: Ist Martin Schulz noch der Heilsbringer für die SPD? 

Kömpel: Auch hier gilt wieder: Den Titel „Heilsbringer“ hat nicht die SPD, sondern den haben verschiedene Medien vergeben. Ich glaube, dass wir mit dem Menschen Martin Schulz und seinen Plänen für die Zukunft unseres Landes, insbesondere auch was Europa betrifft, einen sehr guten Kandidaten haben. Ich werde jedenfalls um jede Stimme kämpfen, denn unser Land braucht kein „Weiter so“. Deutschland braucht eine Zukunftsvision, damit es uns auch in 10 bis 20 Jahren und darüber hinaus noch so gut geht wie heute. Das sind wir unseren Kindern und Enkelkindern einfach schuldig.

FA: Mit welcher programmatischer Taktik sollte die SPD jetzt in den Bundestagswahlkampf ziehen?

Kömpel: Mit eben keiner Taktik, sondern mit einer klaren Vorstellung, wie unser Land in Zukunft gerechter gestaltet werden soll. Dazu zählen die Abschaffung der Zwei-Klassen-Medizin, die Unterstützung unserer Familien durch steuerliche Vergünstigungen, beitragsfreie KiTas, mehr Ganztags-Betreuungsangebote und eine Familienarbeitszeit. Auch der Bereich Bildung bereitet vielen Eltern Kopfzerbrechen. Hier muss sich der Bund viel mehr einmischen und Wege finden, die Länder finanziell zu unterstützen. Wir dürfen die Eltern, Kinder und das Lehrpersonal nicht von einer Reform in die andere jagen. Im Bereich Steuern und Rente geht es uns ebenfalls um Gerechtigkeit. Wir möchten die Schwachen stärken und die Reichen mehr in die Verantwortung nehmen.

FA: Ist Rot-Rot-Grün gerade bei den schwächelnden Grünen überhaupt eine Option?

Kömpel: Ich finde es sehr arrogant, über mögliche Koalitionen zu sprechen. Immerhin ist das die Entscheidung der Wählerinnen und Wähler, und die haben weder Politiker noch Medien vorweg zu nehmen.

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