Interview mit dem Bundestagsabgeordneten Michael Brand (CDU)

Der osthessische CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Brand (links) am Mittwochnachmittag beim Gespräch mit „Fulda aktuell“-Redaktionsleiter Bertram Lenz. 
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Der osthessische CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Brand (links) am Mittwochnachmittag beim Gespräch mit „Fulda aktuell“-Redaktionsleiter Bertram Lenz. 

Seit 2005 sitzt Michael Brand für die CDU im Bundestag und vertritt den Wahlkreis 174 (Fulda/Lauterbach) in Berlin. Auch am vergangenen Sonntag ist der 47-Jährige erneut direkt in das Parlament gewählt worden. Nach 45,2 Prozent in 2017 holte er diesmal 38,1 Prozent der Erststimmen. Auf Anfrage von „Fulda aktuell“ fand sich Brand gerne dazu bereit, verschiedene Fragen rund um die Wahlentscheidung vom Sonntag zu beantworten.

Fulda. FULDA AKTUELL: Wie ist die aktuelle Stimmungslage bei Ihrer Partei in Berlin?

BRAND: Naja, es geht ja nicht nur um Berlin, es geht auch um die Stimmung insgesamt. Und die ist natürlich nach einer solchen deftigen Klatsche überhaupt nicht gut. Allerdings: Wir sind schon gerade dabei, die Scherben zusammenzukehren. Und natürlich müssen wir klug analysieren, damit wir uns das verlorene Vertrauen wieder zurück erarbeiten.

FULDA AKTUELL: Wohin steuert die CDU?

BRAND: Das ist im Moment noch nicht klar, dazu ist in der Woche eins nach dem Wahlergebnis zu viel im Fluss. Das gilt sowohl innerparteilich wie im Verhältnis zur CSU. Das gilt aber natürlich auch für die Frage, ob es tatsächlich zu einer Ampel-Koalition kommen wird.

Denn wir müssen ja sehen, dass es nicht um Überschriften und mehr oder weniger schöne Farbkombinationen geht, sondern um wichtige politische Inhalte und die Richtung unseres Landes. Und da ist zwischen der FDP und Teilen von SPD und Grünen so viel Trennendes, dass noch nicht klar ist, ob sie zusammenkommen. Und natürlich spielt dann eine Rolle, was als nächstes kommt, ob die Union dann doch noch als möglicher, und dann sogar führender, Koalitionspartner gefragt ist. Aber es ist richtig, sich jetzt in Bescheidenheit zu üben.

FULDA AKTUELL: Wäre das Wahlergebnis mit einem anderen Kanzlerkandidaten anders ausgefallen?

BRAND: Hätte, hätte, Fahrradkette. Hätten wir nicht eine so desaströse Kür des Kanzlerkandidaten gehabt, damals waren wir unter 20 Prozent gefallen, hätten wir einzelne Fehler des Kandidaten nicht gehabt, hätten wir die Querschüsse bis in die letzte Woche aus den eigenen Reihen nicht gehabt. Hätten wir also einen vergleichsweise normalen und disziplinierten Wahlkampf geführt, wie die SPD es uns vorgeführt hat, auch die Grünen, dann hätten wir natürlich Platz eins erreicht und wären vielleicht sogar an oder über die 30 Prozent gekommen. Das ist aber alles jetzt Schnee von gestern. Es geht ja nicht darum, eine Selbsthilfegruppe aufzumachen, sondern – auf Deutsch gesagt – unsere Pflicht fürs Land zu tun. Und immerhin haben uns mehr Menschen gewählt als FDP, Grüne, AfD oder andere. Um diese Leute geht es, und nicht um mediales Wundenlecken. Menschen haben uns nämlich nicht gewählt, damit wir uns nur mit uns selbst beschäftigen, sondern damit wir dieses Land voranbringen.

FULDA AKTUELL: Welche Fehler sind Ihrer Ansicht nach im Wahlkampf von der CDU gemacht worden?

BRAND: Da verweise ich mal ganz einfach und schnell auf die vorherige Frage.

FULDA AKTUELL: Sie selbst haben in Ihrem Wahlkreis 174 (Fulda/Vogelsberg) sieben Prozent eingebüßt. Wie bewerten Sie das Ergebnis, und ist Fulda dennoch eine CDU-Hochburg?

BRAND: Natürlich ist man eine Hochburg, wenn man selbst bei einem solchen Absturz noch um die 40 Prozent erreicht. In ganz wenigen Wahlkreisen in Deutschland haben Union oder auch andere solche Dimensionen. Das nennt man eine Hochburg. Außerdem ist anderen aufgefallen, dass mein persönliches Ergebnis deutlich gegen den Trend besser ausgefallen ist, und die 11.000 Stimmen Vorsprung findet man nirgendwo in Hessen und auch sehr selten im Bund.

FULDA AKTUELL: Wie geht es Ihrer Meinung nach im Bund weiter, wohin steuert die Bundesrepublik?

BRAND: Wenn ich das genau wüsste, dann wäre ich wohl die gefragteste Person nicht nur in Berlin. Ganz ehrlich: Eine solche Situation gab es in Deutschland noch nie. Wir müssen uns darauf einstellen, dass vieles von dem, worauf wir uns in der Vergangenheit immer verlassen haben, so einfach für die Zukunft nicht gilt. Das gilt nicht nur für politische Wahlergebnisse. Das gilt noch mehr, und darüber haben wir gar zu Recht im Wahlkampf gesprochen, für die Frage, wie Deutschland seine Position international behalten kann, wie wir Klima und Arbeitsplätze schützen und vieles mehr. Wir haben also viel Gesprächsbedarf, und wir werden in den kommenden Wochen und Monaten sehen, ob eine neue Koalition, ob Ampel oder Jamaika, manche reden sogar von großer Koalition, das hinkriegt. Es bleibt unsicher, und Leute wie ich versuchen, mit ehrlicher und zielgerichteter Analyse dazu beizutragen, dass wir möglichst bald wieder einen stabilen Kurs finden.

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