Bürgermeister Schwenk: "Möchte die sechs Jahre nicht missen"

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Das große "Fulda aktuell"-Interview mit dem scheidenden Hünfelder Verwaltungschef

Hünfeld - Ende Juli 2019 setzte es einen kommunalpolitischen Paukenschlag aus Hünfeld: Stefan Schwenk (CDU) erklärte, für keine zweite Amtsperiode als Bürgermeisterkandidat antreten zu wollen. Hintergrund sei der Rat seiner Ärzte, künftig deutlich kürzer treten zu müssen. Die Hünfelder CDU hatte den 59-jährigen damals bereits mit einer Zustimmung von 100 Prozent nominiert. Am 31. März diesen Jahres endet für Schwenk das Kapitel „Bürgermeisteramt“, ab 1. April wird Benjamin Tschesnok die Verwaltung leiten.

Eigentlich hatte „Fulda aktuell“ ein Redaktionsgespräch geplant, das aber den Corona-Umständen zum Opfer gefallen ist. Dennoch stand der 59-Jährige der Redaktion für unsere Fragen zur Verfügung.

Fulda aktuell: Wie geht es Ihnen gesundheitlich?

Stefan Schwenk: Offen gestanden habe ich darüber in den letzten Tagen und Wochen nicht nachgedacht, weil derzeit naturgemäß andere Dinge im Fokus stehen und mein Blick stets nach vorn gerichtet ist. Ich habe die Entscheidung im vergangenen Jahr schweren Herzens getroffen, nachdem mir klargeworden war, dass ich eine zweite Amtszeit als Bürgermeister möglicherweise nicht gesund zu Ende gebracht hätte, wenn ich nicht auf die Signale meines Körpers höre. Während der letzten Tage wurde mir angesichts der Krise richtig bewusst, dass es sich eine Stadt wie Hünfeld nicht leisten kann oder sollte, wenn ein Bürgermeister über einen längeren Zeitraum ausfällt.

FA: Wie lange hat das Abwägen des Für und Wider einer Kandidatur gedauert?

Schwenk: Es waren im Sommer vergangenen Jahres zweieinhalb Monate, in denen ich mit dieser Entscheidung gerungen habe. Ich habe Gespräche mit Ärzten, meiner Familie, aber auch mit Parteifreunden und Kollegen im Magistrat geführt. Ich sage ganz offen, ich hätte mich mit dieser Entscheidung sicher noch viel schwerer getan, wenn ich nicht das Gefühl gehabt hätte, dass mit Benjamin Tschesnok ein geeigneter Nachfolger zur Verfügung stand.

FA: Was nehmen Sie an Positivem, was an Negativem aus Ihrer Amtszeit mit?

Schwenk: Ich bin stolz darauf, Bürgermeister dieser schönen und attraktiven Stadt zu sein und ich werde bis zum letzten Tag meiner Amtszeit alles in meinen Kräften Stehende tun, um dieser Verantwortung gerecht zu werden. Ich habe vieles in Gang setzen können und auch einiges vollenden dürfen. Dazu gehört ganz sicher die neue Stadtbibliothek und so manche andere Großbaustelle. Wir bauen gerade einen völlig neuen Kindergarten und haben die Entscheidung getroffen, für den Kindergarten St. Jakobus einen Ersatzneubau auf den Weg zu bringen. Wir haben in den letzten Jahren weit mehr als eine halbe Million Euro ausgegeben, um attraktive Kinderspielplätze neu zu bauen und bestehende zu erneuern. Es wurde der Mehrgenerationenspielplatz im Park geschaffen, der auch von Älteren sehr gut angenommen wird. Es wurden erfolgreich einige Großbaustellen im Straßenbereich abgeschlossen wie die Ortsdurchfahrt von Nüst und Roßbach, derzeit ist die Nüster Straße in Mackenzell auf der Zielgeraden. Wir haben in dieser Zeit fast alle Dorfgemeinschafts- und Vereinshäuser modernisiert und barrierefrei gestaltet. Wir haben uns ausgehend von den Überschwemmungen in Dammersbach dem Thema präventivem Hochwasserschutz intensiv angenommen und schon einiges beispielsweise in Roßbach und Großenbach umgesetzt oder zumindest begonnen. Wir haben einige Dorfplätze neugestaltet oder aufgewertet, beispielsweise in Oberrombach und Nüst, in Oberfeld, Rudolphshan und Dammersbach werden wir bald beginnen Die größte Herausforderung ist und bleibt die Sanierung unseres historischen Rathauses. Da haben wir manche kostenträchtige Überraschung erlebt, die im Vorfeld nicht absehbar war. Aber nun sind wir auch da soweit, dass wir nach vorn blicken können. Bis zum Jahresende sollte diese Baustelle auch abgeschlossen werden können. Ich freue mich, dass wir bei den Betriebsansiedlungen sehr große Schritte vorangekommen sind. Zwar hatte uns die Betriebsschließung von „Coty“ ins Kontor geschlagen, ich bin sehr zuversichtlich, dass noch in diesem Jahr neues Leben in die ehemaligen Liegenschaften Einzug hält. Weiterhin fällt in diesem Jahr der Startschuss zu der größten Hochbauinvestition, die Osthessen je gesehen hat, zum neuen Logistikzentrum von „Tegut“. Das tut nicht nur Hünfeld, sondern der ganzen Region gut, denn die Alternative wäre gewesen, dass „Tegut“ mit seiner Lagerhaltung und Logistik aus der Region abzieht. Ein weiterer Schritt ist die Ansiedlung der Firma „Datafox“ in Hünfeld mit dem Bau eines Campus für Startups. Das stimmt insgesamt sehr optimistisch. Froh bin mich auch darüber, dass wir jungen Familien und Neubürgern geholfen haben, den Traum vom Eigenheim zu erfüllen. Wir haben das „Neubaugebiet Stadtpanorama“ entwickelt und vermarktet, das „Baugebiet Dachshöhe“ in Michelsrombach geschaffen und gerade erst grünes Licht für ein schönes Baugebiet in Sargenzell gegeben. Viele Sportanlagen wurden modernisiert vom Schützenhaus Mackenzell bis zum Kunstrasenplatz in der „Rhönkampfbahn“. Die Feuerwehren haben wir ausrüstungstechnisch auf einem hohen Standard gebracht, damit sie ihre wichtige Arbeit leisten können. Wir haben uns an die Seite der Bürger gestellt bei den Themen Stromtrassen und als erste in der Region die Straßenbeiträge abgeschafft. Ich könnte die Liste noch lange fortsetzen.

FA: Was hätten Sie gerne noch angepackt?

Schwenk: Ich habe in den letzten sechs Jahren damit begonnen, die Modernisierung und Digitalisierung der Verwaltung entschieden voranzutreiben. Da sind wir gut vorangekommen, allerdings ist dies ein längerfristiger Prozess, der für die Verwaltung eine große Herausforderung darstellt. Wir müssen gleichzeitig die Digitalisierung stemmen, wir mussten den Umzug bewältigen wegen des Rathausumbaus und wir müssen uns personell neu aufstellen, weil einige unserer führenden Mitarbeiter auf absehbare Zeit die Altersgrenze erreichen werden. Ich hätte gern die Sanierung und den vollständigen Umbau des Rathauses noch vollendet. Allerdings hat uns all das, was wir vorgefunden haben, vor weitreichende Entscheidungen gestellt, viel tiefgreifender in die Substanz des Gebäudes einzugreifen, als wir das eigentlich vorhatten. Es hat sich aber umso mehr bestätigt, dass dieser Umbau unausweichlich und notwendig war.

FA: Wenn Sie einen Vergleich ziehen würden: Hünfeld vor sechs Jahren und heute...

Schwenk: Ich bin damals mit dem Slogan angetreten, „Gutes erhalten – Neues gestalten“. Da gab es viel Gutes, dass es zu erhalten galt, beispielsweise die finanzielle Solidität Hünfelds, die moderne Infrastruktur und vieles andere mehr. Ich habe die zurückliegenden sechs Jahre dazu genutzt, neue Akzente hinzuzufügen und konnte dabei auf einem grundsoliden Fundament aufbauen. Ich denke, ich kann insgesamt zufrieden auf sechs arbeitsreiche Jahre zurückblicken.

FA: Welche Dinge geben Sie Ihrem Nachfolger Benjamin Tschesnok mit auf den Weg? War er Ihr Wunschkandidat gewesen? 

Schwenk: Dass Benjamin Tschesnok mein Wunschkandidat war, daraus habe ich nie einen Hehl gemacht. Deshalb ist mir auch die Entscheidung etwas leichter gefallen, statt der zwölf Jahre, die meiner Lebensplanung entsprachen, nach sechs Jahren mein befristetes Wahlamt zu beenden. Ich habe ihn als fleißigen, als versierten, dynamischen und den Menschen zugewandten Vollblutpolitiker und Juristen kennen und schätzen gelernt. Er wird seinen eigenen Weg gehen und braucht dazu sicherlich keine klugen Ratschläge. Er tritt sein Amt an mitten in einer schweren Krise, die von außen auf uns hereingebrochen ist. Allerdings bin ich zuversichtlich, dass er das mit seiner Tatkraft und seinem Optimismus gut meistern wird. Er wird seinen Weg machen, denn Bürgermeister von Hünfeld zu sein, das ist seine Herzensangelegenheit.

FA: Wie geht es jetzt beruflich für Sie weiter?

Schwenk: Ich werde zunächst erst einmal etwas durchschnaufen. Ab dem 1. Juni beginne ich eine anwaltliche Tätigkeit bei der Kanzlei Muth & Partner in Fulda mit dem Schwerpunkt auf Zivilrecht und auf öffentlichem Wirtschaftsrecht. Das Zivilrecht hat mich über 20 Jahre als Richter stets begleitet, das öffentliche Wirtschaftsrecht ist eine Rechtsmaterie, die mir auch im Amt des Bürgermeisters immer wieder begegnet ist. Das Amt eines Bürgermeisters fordert einen sieben Tage in der Woche und oft mehr als 60 oder 70 Stunden. Meine neue Aufgabe wird mir Gelegenheit geben, ein wenig mehr auf mich und meine Familie zu achten. Das ist in den zurückliegenden sechs Jahren leider oft zu kurz gekommen. Dennoch möchte ich diese sechs Jahre nicht missen. Sie haben mich ausgefüllt, sie haben mir Spaß gemacht und ich habe das Gefühl, einiges in der Stadt, die mir Heimat geworden ist, bewegt zu haben.

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