104 Jahre: Frieda Stachetzki ist Fuldaer Zweitälteste

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Fulda. Oberbürgermeister Gerhard Möller gratuliert der Jubilarin zu einem "außergewöhnlichen" Geburtstag.

Fulda. Für Frieda Stachetzki ist das Alter weniger "Gnade" als vielmehr Schicksal. 104 Jahre alt ist die Jubilarin geworden, die am Aschenberg wohnt. Sie ist damit die zweitälteste Einwohnerin der Domstadt. Nur noch eine in Haimbach lebende 104-Jährige ist um einige wenige Monate älter als sie. Oberbürgermeister Gerhard Möller gratulierte Frieda Stachetzki nun nicht nur im Namen der städtischen Gremien, sondern auch stellvertretend für Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier zu einem "außergewöhnlichen und höchst seltenen Geburtstag".

Aufmerksam lauscht Möller dem Geburtstagskind, dessen wirkliches Alter ihm kaum anzumerken ist. Schick gekleidet, mit adretter Frisur und wachem Blick sitzt Frieda Stachetzki bequem im Sessel ihres Wohnzimmers im vierten Stock eines Mehrfamilienhauses ihrem Gast aus dem Stadtschloss gegenüber. Sonnenstrahlen verschönern den besonderen Tag.

Auch wenn die rüstige Seniorin ein wenig nachdenklich wirkt, schildert sie eloquent, wie sie sich fühlt. "Das Sehen und Hören lässt langsam nach", bedauert das aus dem brandenburgischen Kolonistendorf Friedrichswehrda - der Name geht auf die Ortsgründung durch Friedrich den Großen zurück - stammende Geburtstagskind. Dafür nimmt sie auch das allmorgendliche Treppensteigen hinab und wieder hinauf in den vierten Stock gerne in Kauf. "Solange ich das noch kann, weiß ich, dass ich lebe", sagt Frieda Stachetzki augenzwinkernd. Aber auch sonst ist die 104Jährige mitten im Leben. Regelmäßig schaut sie sich auf "Phoenix" TV-Dokumentationen an. "Am liebsten zu archäologischen, aber auch zu politischen Themen." Ihren Haushalt managt die Alleinstehende noch selbst. Lediglich zweimal in der Woche kommen ehemalige Nachbarn, um nach dem Rechten zu schauen und für die nach wie vor rüstige Seniorin Besorgungen zu erledigen.

Lange Lebensspanne

Frieda Stachetzki überblickt eine lange Lebensspanne. Zwei Weltkriege und vier Systeme – von der Kaiserzeit über die Weimaer Republik bis hin zur NS-Diktatur und die Demokratie der Nachkriegszeit – hat sie erleben können. Die Erinnerung an diese Zeit ist ungebrochen, geradezu perfekt. So weiß die Jubilarin noch sehr gut, wie Mutter Helene ihren Ehemann, einen Maurer, zum Einsatz an der Front verabschiedet hat. Oder wie die radfahrende Truppe Fahrradschläuche benötigt. Da die Mutter den Schlauch nicht vom familieneigenen Rad lösen kann, zerschneidet sie ihn kurzerhand.

Krieg fordert Tribut

In ihrem Leben hat es Frieda Stachetzki nicht immer einfach gehabt. Mit 15 muss sie in einer Textilfabrik arbeiten. Der Zweite Weltkrieg fordert seinen Tribut. Die alte Heimat geht verloren, weil das Dorf jenseits der Oder liegt und von der Roten Armee besetzt wird. Ihr Ehemann kommt schließlich schwer kriegsverletzt nach Hause zurück. Trotz aller Höhen und Tiefen hat sie ihren Lebensweg vorbildlich gemeistert – bis jetzt zu ihrem 104. Geburtstag. "Ihr Elan, Ihr Gottvertrauen und nicht zuletzt Ihr reiches Wissen aus der Erinnerung heraus sind bewundernswert", lobt ein beeindruckter Oberbürgermeister, der verspricht wie bei vorangegangenen Geburtstagen auch zum 105. wiederzukommen.

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