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"Zufall Fulda" weiter auf Wachstumskurs, aber dennoch Sorgenfalten

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Von: Bertram Lenz

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Gastgeber bei der traditionellen Jahrespressekonferenz der Fuldaer "Zufall logistics Group": Niederlassungsleiter Christoph Göbel (rechts) und stellvertretender Niederlassungsleiter Michael Hamperl. © Lenz

Jahrespressegespräch: Überfüllte Lagerhallen, fehlende Flächen sowie Fahrer- und Fachkräftemangel

Fulda - Von einer angespannten, ja fast dramatischen Situation der Transportbranche, war am Freitagvormittag des Öfteren die Rede beim traditionellen Jahrespressegespräch der "Zufall logistics Group Fulda". Man sei mitunter froh, gerade einmal das Bestandsgeschäft abbilden zu können, betonten Niederlassungsleiter Christoph Göbel und stellvertretender Niederlassungsleiter Michael Hamperl. Beide brachten die Probleme auf folgenden Nenner: Es fehlen nicht zuletzt wegen des demographischen Wandels Fahrer und Fachkräfte, die Transportnetzwerke sind chronisch überlastet, und zudem dauert es viel zu lange, bis Behörden die dringend notwendigen Flächen genehmigen. Daher seien die vorhandenen Lager teilweise überfüllt.

Doch zunächst zur Bilanz: Im Jahr 2017 sind die konsolidierten Umsatzerlöse der "Zufall logistics Group" erneut gestiegen – und zwar um 3,8 Prozent auf 316,4 Millionen Euro, wobei die Niederlassung Fulda mit ihren acht Standorten 131,5 Millionen Euro erzielte. In der gesamten Gruppe sind 2.080 Mitarbeiter beschäftigt, in Fulda 969, darunter 47 Auszubildende. Um den Fahrerberuf attraktiv zu machen und für ihn zu werben, plane man unter anderem, gemeinsam  mit Partnerunternehmen eine regionale Ausbildungsfirma unter Regie von "Zufall" ins Leben zu rufen.

Göbel: "Im Geschäftsbereich der Kontraktlogistik sind wir weiterhin auf Wachstumskurs.Die Umsatzerlöse stiegen um 4,4 Prozent von 50 Millionen Euro im Jahr 2016 auf 52,2 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Derzeit bewirtschaftet ,Zufall' an 34 Standorten eine Logistikfläche von insgesamt 350.000 Quadratmetern – Tendenz steigend". 

 „Das Geschäftsjahr 2017 hat unsere Erwartungen übertroffen und wir sind mit der Umsatzentwicklung zufrieden“, bilanzierten Göbel und Hamperl. Letzterer ergänzte: „Die positive Entwicklung unserer internationalen Geschäftsbereiche wie Luft- und Seefracht sowie der europäischen Landverkehre belegt, dass wir für unsere Kunden ein leistungsfähiger Partner mit einem stabilen Netzwerk sind.“

Weichenstellungen

Damit das Familienunternehmen zukunftsfähig bleibt, habe die Geschäftsführung in den letzten Monaten verschiedene Weichenstellungen vorgenommen: So wird in unmittelbarer Nachbarschaft zum "Zufall"-Hauptsitz in Göttingen demnächst ein so genannter „Wissens-Hub“ seinen Betrieb aufnehmen. Darin wird ab dem zweiten Halbjahr an der Zukunft der Logistik getüftelt. Auf dem 10.000 Quadratmeter großen Areal wird ein kreativer Ort des Experimentierens und Lernens entstehen.  In den nächsten Monaten fließen Investitionen in Höhe von 1,5 Millionen Euro in das Projekt. Auf den Lager-, Umschlag- und Büroflächen würden zudem Mitarbeiter-Schulungen durchgeführt, autonome Flurförderzeuge und Kommissioniertechniken getestet und Prozess-Ideen entwickelt und ausprobiert.

Auch die Einführung eines neuen Transportmanagement-Systems komme planmäßig voran. Die ersten Niederlassungen seien bereits aufgeschaltet, der Betrieb sei gut gestartet. „Die Lösung der Firma ,Anaxco' wurde an unsere Anforderungen angepasst. Damit schaffen wir beispielsweise eine größere Transparenz für unsere Kunden, Mitarbeiter und Partner. Die Anbindung Dritter funktioniert unkompliziert und schnell und die Arbeitsabläufe werden insgesamt einfacher. Zudem stellen wir unseren Kunden Informationen proaktiv und schneller zur Verfügung“, begründete  Hamperl die Investitionen in Höhe von 4,5 Millionen Euro und ergänzte: „Durch die Steigerung unserer Effizienz schaffen wir zudem Kapazitäten für weiteres Wachstum.“ Die Umstellung der Fuldaer Niederlassung ist zum Jahreswechsel 2018/2019 geplant.

Auch in der Systemkooperation „Night Star Express“, für die der Gründungsgesellschafter "Zufall" in Michelsrombach den Hauptumschlagbetrieb führt, steht die Optimierung und weitere Digitalisierung der Prozesse auf der Tagesordnung: Ende letzten Jahres habe die Kooperation eine cloudbasierte IT-Lösung eingeführt. Zur Abwicklung und Dokumentation von Prozessen würden seither verschiedene Apps eingesetzt, die unter anderem eine einfachere Tourenplanung per „Drag & Drop“ ermöglichten. „Für die Fahrer ist das Leben deutlich leichter geworden, weil sie mit ihrem mobilen Endgerät jederzeit auf alle Empfängerinformationen zugreifen können und alle Daten in Echtzeit übermittelt werden“, hob Hamperl den Nutzen der neuen Technologie hervor.

Für viele Experten werde der speditionelle Nahverkehr der Zukunft mit elektrisch betriebenen Verteilerfahrzeugen gestaltet. Deshalb habe sich "Zufall" an dem Feldversuch „EMOLSE“ beteiligt und ein 18-Tonnen-Fahrzeug des Schweizer Herstellers "E-Force" im Alltagsbetrieb auf Herz und Nieren geprüft. Die Hochschule Fulda habe das Projekt wissenschaftlich begleitet. Es habe unter anderem gezeigt, dass besonders in topografisch anspruchsvollen Regionen wie der Rhön die Reichweite noch zu gering ist. „Aktuell ist der Elektro-Lkw als Verteilerfahrzeug für uns noch keine wirtschaftliche Alternative. Wir werden weiter testen, um Erfahrungen zu sammeln“, so Göbel. Der Pkw-Fuhrpark werde sukzessive auf umweltfreundliche Antriebstechnologien umgestellt. Dabei strebe "Zufall" innerhalb der nächsten fünf Jahre eine Quote von mindestens 20 Prozent an.

Neues Logistic-Center in Flieden

Auch das Jahr 2018 ist von deutlichen Zuwächsen in den Flächen für die Kontraktlogistik geprägt, die zu einem elementar wichtigen Geschäftsfeld unter anderem mit Kunden wie "Milupa" und einem großen koreanischen Reifenhersteller geworden sei. „Wir wollen weiter wachsen und schaffen gerade Raum dafür“, begründete Hamperl die Investitionen. Neben den aktuellen Bauplanungen des neuen Logistik Centers in Flieden mit einer Fläche von gut 37.000 Quadratmetern (das mit einer Verzögerung von gut einem halben Jahr Mitte 2019 seinen Betrieb aufnehmen soll), sucht die "Zufall logistics Group" bereits nach neuen Flächen in der Region: Alle Reifen-Kunden der Fuldaer Niederlassung sollen zukünftig zusammengeführt werden. „Wir wollen die Nutzung unserer Flächen weiter optimieren, konsolidieren und Raum für Neugeschäft schaffen. Auch ein weiteres Logistik Center in Michelsrombach ist unsererseits nicht auszuschließen, sofern uns hier die benötigten Flächen zur Verfügung stehen“, so Hamperl. Die Standortsuche gehe für den Logistikdienstleister somit weiter.

Um zum Anfang zurückzukommen: „Die Volatilität der Märkte, der zunehmende Fahrer- und Fachkräftemangel sowie die chronische Überlastung der Transportnetzwerke stellen uns vor große Herausforderungen, für die wir neue Lösungen entwickeln müssen“, machte Göbel klar. Eine weitere Herausforderung stehe schon im Juli bevor, denn dann werde die Lkw-Maut auf alle Bundesstraßen ausgeweitet. Mit der Hinzunahme von rund 41.000 Kilometern Bundestraßen zu dem rund 13.000 Kilometer zählenden Autobahnnetz in Deutschland würden die Logistikbranche und ihre Kunden mit neuen zusätzlichen Kosten belastet.  Hamperl blickte voraus: „Mehr denn je müssen wir flexibel auf die vielen Veränderungen reagieren. In Zukunft wird unsere wirtschaftliche Entwicklung noch stärker von unserer Anpassungsfähigkeit abhängen.“

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