Ein neues Blatt, "vom Wind der Zeit verweht"   

"Fulda aktuell"-Redaktionsleiter Bertram Lenz blickt auf das Jahr zurück und wagt einen kleinen Ausblick

Journalisten fällt es mitunter schwer, den richtigen Einstieg in einen Text zu finden, um den Leser sofort zu fesseln. Ähnlich erging es mir mit diesen Zeilen zum Jahresschluss. Bis mir ein Titel in den Sinn kam, der vor Kurzem beim „Licht ins Dunkel“-Konzert in der Klosterkirche Frauenberg mit sehr viel Inbrunst von den vielen Zuhörern gesungen worden war: das „Kalenderlied“ von Franz Grothe.

Ältere mögen sich an so manche „Blaue Bock“-Sendung erinnern, in der das Lied vorgetragen wurde. Eine der vielen Interpreten war Renate Holm, die früh verstorbene Schlagersängerin der 60er und 70er- Jahre, die übrigens aus der Rhönstadt Tann gebürtig war.

Wie also heißt es dort so überaus treffend?

„Doch jeden Tag wird dann ein neues Blatt vom Wind der Zeit verweht,
 bis im Dezember das Jahr zu Ende geht“.

Es liegt in der menschlichen Natur, dass ein Jahresausklang oftmals mit Sentimentalitäten verbunden ist. Demgegenüber steht das Mut machende und oft zitierte Wort von Hermann Hesse, wonach jedem Anfang ein Zauber inne wohnt (aus „Stufen“).

Ein wenig nostalgisch verklärt muss aber jede Rückschau sein; insbesondere dann, wenn man sich das zu Ende gehende Jahr aus Sicht des Jubilars „Stadt Fulda“ vor Augen hält. Denn mit Fug und Recht darf gesagt werden, dass die Feiern zum 1.275-jährigen Bestehen die Erwartungen weit übertroffen haben. Die Atmosphäre über viele Wochen war einzigartig und brachte die Menschen aus nah und fern dazu, gemeinsam zu feiern.

Ein Dankeschön und ein Chapeau zugleich an die Organisatoren und die vielen fleißigen Helfer, die im Vorder- und Hintergrund Hervorragendes geleistet haben. Fakt ist, dass das Jubiläumsjahr Beispiel gebend sein sollte für die beiden folgenden Großereignisse „Hessentag“ (2021) und „Landesgartenschau“ (2023). Die politisch Verantwortlichen jedenfalls sind gemeinsam mit städtischen Beschäftigten, aber auch mit Behörden, Vereinen und Verbänden schon jetzt tatkräftig dabei, dem Leitmotiv ihres Handelns auch für 2021 und 2023 Leben einzuhauchen: „Die Stadt Fulda als öffentlichen Raum erlebbar zu machen und mit Augenmaß voranzubringen“ (Bürgermeister Dag Wehner).

Noch liegen die zwölf Monate des neuen Jahres wie ein „weites Feld“ (Günter Grass) vor uns. Mit vielen unbekannten Größen, aber auch mit einigen Tatsachen, mit denen wir 2020 mit Sicherheit konfrontiert werden: Dazu zählen unter anderem die Bürgermeister, die in Hünfeld, Eichenzell und Dipperz neu an die Verwaltungsspitze treten werden. Wobei in der Konrad-Zuse-Stadt mit Benjamin Tschesnok der Nachfolger von Stefan Schwenk ja bereits feststeht und in Lauterbach mit Amtsinhaber Rainer-Hans Vollmöller bislang erst ein Kandidat seine Bereitschaft bekundet hat.

Und noch etwas erwartet uns ab Januar: Sollte es keine politische Kehrtwende geben (wonach es nicht aussieht), bekommen wir für jedes Brötchen, jedes Würstchen oder jeden Kaffee einen Kassenbon.

Bürokratische Aussichten, von denen wir uns 2020 aber nicht vermiesen lassen sollten.

In diesem Sinne: „Ein guter Beschluss“. Mit Allem, was dazu gehört.

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