Um jeden Preis: Tiervideos im Netz kennen keine Grenzen

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Auch der Hund von „Fulda aktuell“-Redakteurin Antonia Schmidt wird gelegentlich als Fotomodel genutzt.

Tiervideos sind der Garant für hohe Klickzahlen. Doch wie weit gehen Tierbesitzer für Ruhm im Netz?

Fulda - Sie sind der Garant für hohe Klickzahlen – Tiervideos. Umso süßer, umso mehr Klicks oder auch „Daumen hoch“ erhält das Video. Niemanden ist es zu verdenken, sein geliebtes Tier zu filmen und die Produkte mit seinen Freunden oder der ganzen Welt zu teilen. Doch es gibt klare Grenzen. Immer häufiger tauchen Videos auf, die für den Internetnutzer produziert werden. Tiere werden vorsätzlich erschreckt oder in unangenehme Situationen gebracht.

„Es liegt immer im Auge des Betrachters, was er lustig und gut findet. Aber Tiere zu quälen, um hohe Klickzahlen zu erreichen ist absolut verwerflich“, findet Herbert Heurich, erster Vorsitzender des „Tierheims Fulda-Hünfeld“, klare Worte für diese Produktionen. Auch die Besucher des Tierheims sind sich einig. Schöne und ungezwungene Tiervideos schauen sie sich gerne an, aber alles was unter Zwang passiert, ist nicht schön. „Das geht zu weit“, oder „Tiere zu erschrecken ist einfach nicht gut“, sind die Aussagen der Besucher.

Das Netz und die sozialen Netzwerke haben schon den einen oder anderen Tierstar geboren. Die berühmteste Katze der Welt, „Grumpy Cat“, zählt 2,4 Millionen Follower auf „Instagram“. Berühmt wurde die Katze durch ihren immer schlecht gelaunten Gesichtsausdruck.

Das Geschäft brummt für die Besitzer der Samtpfote. Denn unzählige Fanartikel werden mit dem Tier verkauft. Die Besitzer der Katze mit dem Namen „Tardar Sauce“ sollen laut der britischen Tageszeitung „Express“ rund hundert Millionen Dollar mit T-Shirts, Plüschtieren und anderen Artikeln verdient haben. Sogar einen eigenen Manager hat der Vierbeiner.

Diesem Beispiel wollen viele Tierbesitzer folgen. Hunderte Videos finden sich auf „Youtube“, „Facebook“, „Instagram“ und co. Dabei werden viele Tiere auch in Kostüme gesteckt, um die Klickzahlen zu erhöhen. „Für manche Tiere sind gewissen Kleidungsstücke angebracht, da sie beispielsweise bei Kälte nicht ausreichend durch ihr Fell geschützt sind. Aber nur aus Spaß seine Tiere zu verkleiden, finde ich nicht gut“, so Heurich. „Kurzfellige Hunde oder Tiere, die aus dem Süden, kommen sind jedoch mit gewisser Kleidung besser geschützt.“

Ob ein Tier gerade freiwillig unterhält oder die Situation provoziert wird lässt sich ganz einfach erkennen. Häufig greifen die „Produzenten“ in das Geschehen ein. Erschrecken beispielsweise Katzen, sodass sie in den Pool fallen oder schubsen Tiere von ihren Schlafplätzen

Der Tierschützer gibt weiter zu bedenken: „Wenn man filmt, wie eine Schlange einen Hund umschlingt und ihn dabei tötet, frage ich mich, warum da niemand einschreitet – das ist sehr verwerflich. Ein Leben für Klickzahlen zu opfern.“

Zwischenruf: Natürliche Bilder

Ich gebe es zu: Mein Smartphone ist voller Bilder meiner Hündin, ihren Freunden und Tieren, die in meinen Umfeld leben. Und ja, meine Hündin trägt im Winter und bei Regen einen Mantel. Wir haben sogar eine kleine Auswahl. Doch, und das betone ich immer wieder gerne, hat sie als Rhodesian Ridgeback auch keine Unterwolle beziehungsweise -fell, das sie bei Kälte schützt oder die Nässe abhält. Ich kenne keinen Ridgeback, der Regen oder Wasser leiden kann :-). Wie im Artikel zu sehen, modelt Basha auch gelegentlich für „Fulda aktuell“ oder für Internetseiten, die ich betreue. Grundsätzlich schaut sie immer besorgt, wirft ihre Stirn in Falten und sieht dann traurig aus. Dafür ist sie in meinem Umfeld mittlerweile bekannt und auch das ein oder andere Leckerli konnte durch diesen Blick schon erhascht werden. Dennoch kenne ich die Grenzen meines Hundes. Häufig entstehen Bilder in natürlichen Situation, mal abgesehen davon, dass ich kein Fan von gestellten Bildern bin. Die Videos, die die breite Masse unterhalten sollen, sind meistens nicht in einer natürlichen Situation entstanden. Erst in dieser Woche habe ich eines auf „Facebook“ entdeckt, wo einem Hund der Schlafplatz weggezogen wird, damit er in Panik gerät. Wie krank ist das denn!? Den Besitzer sollte man auch mal von einer Klippe baumeln lassen, denn kein anderes Gefühl vermittelt er seinem Tier. Bei jeder Foto- oder Videografie sollte eines immer im Vordergrund stehen: das Wohl des Tieres. Sie werden sicherlich noch das ein oder andere Bilder meiner Hündin sehen. Doch kein Bild wird unter Zwang geschossen, aber mit viel Liebe und Leckerli belohnt.

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