Jeremias Rockel ist Aufnahmeleiter beim "Tatort"

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Ganz nah am "Dreh": 23-jähriger aus Lauterbach organisiert für den Hessischen Rundfunk "Tukur-Tatorte" in der ARD-Krimi-Serie. Jugendtraum wurde wahr.

Lauterbach/Frankfurt. Die Entfernung von Lauterbach nach Frankfurt ist – kilometertechnisch betrachtet –  ­ nicht allzu weit.  Emotional und arbeitstechnisch ist es vom beschaulichen Vogelsberg in die Mainmetropole und die große weite Welt von Film und Fernsehen ein ungleich größerer Schritt. Doch diesen Step ging – wenn man so will mit Siebenmeilenstiefeln und beharrlich Jahr für Jahr – Jeremias Rockel. Der 23-Jährige ist freier Aufnahmeleiter beim "Hessischen  Rundfunk" (hr) und für den organisatorischen Ablauf des aktuellen Wiesbadener "Tatort" verantwortlich.

Schon immer bestand bei Jeremias der Berufswunsch – man kann es einen großen Traum nennen – Aufnahmeleiter werden zu wollen.  "Ich bin ein Organisationtalent, das habe ich schon früh gemerkt." Schon während der Schulzeit am "Alexander-von-Humboldt-Gymnasium" wurde der junge Rockel in der Region bekannt. "Plötzlich Engel" hieß ein Film, den er als 16-Jähriger völlig eigenständig drehte und der in den Kinos von Fulda, Lauterbach und Alsfeld lief. "Ein kleines Liebesdrama", wie Jeremias sein Erstlingswerk selbst beschreibt, basierend auf einem Buch, das er mit 14 gemeinsam mit einer Freundin schrieb. "Damals habe ich noch mehr meine künstlerische Ader bedient, später erkannte ich, dass mir die Organisation mehr Spaß macht."

Es folgte 2010 ein Praktikum beim "hr" – schon seinerzeit  in der Aufnahmeleitung. Anschließend absolvierte der gebürtige Lauterbacher bei "tegut-Bankett" eine Ausbildung zum Verlagskaufmann – eine wesentliche Basis für die Karriere als Aufnahmeleiter. Schon hier lernte Rockel das Organisieren, Vorbereiten und Rechnen – Grundvoraussetzungen, dass auch beim Fernseh-Dreh alles im Zeit- und Kostenrahmen bleibt.

Während des Praktikums wirkte er am "hr"-Mittwochs-Spielfilm "Ein guter Sommer" mit, seine eigentliche Ausbildung zum Aufnahmeleitermachte Jeremias bei der "Ausbildungsgemeinschaft für Medienberufe" (AGM), deren Federführung beim "NDR" liegt.  Dabei durchlief er drei Stationen: beim "SWR" in Baden-Baden, beim "WDR" in Köln und beim "hr" in Frankfurt/Main. "Wieder zu meinem Heimatsender zurückzukehren, das war wie nach Hause kommen", beschreibt Rockel seine Gefühlslage.

Unterdessen hat der 23-Jährige dort zwei abendfüllende Spielfilme als Set-Aufnahmeleiter organisiert. Zum einen den im Dezember 2014 abgedrehten Wiesbadener  "Tatort" mit Ulrich Tukur. "Der läuft am 27. Dezember 2015,  am Sonntagabend um 20.15 Uhr zur besten Sendezeit",  sieht Rockel dem Termin schon mit großer Vorfreude entgegen, zumal er dabei nicht nur zum ersten Mal als Aufnahmeleiter agiert, sondern zudem sich selbst in seinem Job spielt. Dieser Tukur-Tatort heißt "Wer bin ich" und spielt unter anderem an einem Filmset.

Aktuell hat Rockel an einem weiteren "Tatort" mit Ulrich Tukur gearbeitet,  Titel: "Es lebe der Tod".  Nach 26 Drehtagen war am gestrigen Freitag Drehende, gesendet wird dieser "Tatort", "in dem es um Leben und  Tod geht – so viel darf ich verraten" (Rockel),  voraussichtlich im Juni/Juli 2016. Die Wiesbadener Tatorte seien "ganz spezielle, nicht im klassischen Sinne. Das sind immer ein wenig abgedrehte Geschichten. Da traut sich der ,hr’ etwas, und es freut mich besonders, dass ich dabei mitwirken darf."

Was macht eigentlich ein Aufnahmeleiter? "Im Moment bin ich noch Set-Aufnahmeleiter und koordiniere den reibungslosen Ablauf am Filmset. In der Vorbereitung unterstütze ich hier aber auch den ersten Aufnahmeleiter Roland Lindner. Beide Aufgaben erfordern viel Organisations- und Improvisations-Talent sowie eine große Flexibilität", sagt Rockel.

In der Regel braucht ein 90-Minutenfilm drei Wochen Vorbereitungszeit. Die Drehorte und Motive werden von den Szenenbildnern oder Motiv-Scouts ausgesucht. Für jeden Drehtag ist ein Fuhrpark von zirka 30 Fahrzeugen zum/am Drehort zu bewegen – Schauspieler-Wohnwagen, Catering, mobile Unterkünfte für Maske- und Kostüm, die Beleuchtung, die Bühne und Kamera. "Das sind jeweils logistische Meisterleistungen, bis alles vor Ort auf- und abgebaut ist. Rund 40  Teammitglieder umfasst das Drehteam und bis zu sechs Schauspieler sind am Drehort. Straßen beim Ordnungsamt sperren lassen. Am Tag vor dem Dreh Parkplätze für besondere Kameraeinstellungen und Set-Fahrzeuge belegen. Auch kommen schon ‘mal 30 unterschiedliche Motive für einen Film zusammen – das ist nicht immer ganz einfach."

Aber gerade dies macht Rockels Job so abwechslungsreich, spannend, reizvoll und herausfordernd. Jede Location, jeder Drehtag, jeder Dreh-Ort  ist anders, fordert eine unterschiedliche Logistik-Planung.  "Zur Vorbereitung  bin ich auch ‘mal drei Wochen im Büro, aber danach freue ich mich immer wieder auf draußen. Das ist zwar anstrengender, aber voller Action."

Am Schluss, wenn sozusagen jede Szene im Kasten und der Film fertig ist, sitzt man mit allen beim Abschlussfest zusammen. Auch mit den Schauspielern. "Wir sind ein Team, wie eine kleine Familie. Der Dreh schweißt alle zusammen. Die Schauspieler sind überhaupt  nicht abgehoben und zeigen keine Starallüren", sagt Rockel. Ganz egal, ob es sich um Ulrich Tukur, Jürgen Vogel, Wolfram Koch, Margarita Broich, Eva Matthes oder Sebastian Bezzel handelt – alles Protagonisten und Hauptakteure der Bodensee-, Ludwigshafener, Wiesbadener und Frankfurter "Tatorte". Und wenn man dann im Fernsehen im Abspann seinen Namen liest und in einem  "Tatort" mitspielen kann? "Ja, dann ist man sehr zufrieden und weiß, dass man eine Leidenschaft zu seinem Beruf gemacht und sich ein Kreis geschlossen hat", sagt Jeremias Rockel.

Von den filmischen Anfängen mit 16 in Lauterbach und einem gar nicht mal so großen Schritt hin zu den "Tatorten" in Konstanz, Wiesbaden und Frankfurt  als 23-jähriger Aufnahmeleiter.

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