Der Junge hat Benzin im Blut

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Fulda. Benjamin Scheller ist Deutscher Rallye-Meister.

Fulda. Dem jungen Mann wurde das Talent quasi mit in die Wiege gelegt. In seinen Adern fließt Benzin. Das Rennfahrer-Gen hat ihm sein Vater vererbt. Die Rede ist von Benjamin Scheller. Seit vergangenen Sonntag darf sich der 29-Jährige "Deutscher Rallyemeister in der 2WD-Wertung" (DRM) nennen.

Ein außergewöhnlicher Erfolg – für Benjamin Scheller persönlich, seinen Vater, die Mutter, die Freundin, sein Mechaniker-Team, die Sponsoren, das "Vier-Marken-Autohaus Scheller", für Peugeot und nicht zuletzt die Region Fulda. "Ich bin überwältigt. Das war eine Riesensensation, ein überraschender und so eigentlich nicht mehr für möglich gehaltener Erfolg", sagt Scheller. So richtig realisiert hat er das Ganze eigentlich immer noch nicht. "Das braucht noch eine gewisse Zeit, bis sich alles gesetzt hat."

Denn es fing gar nicht gut an zu Beginn der Rennsaison. Zwei megaschwere Rallyes auf Eis und Schnee, nicht wirklich das Lieblings-Terrain von Scheller und seinem Beifahrer Thomas Wölfel aus Würzburg. Dann die "größte Katastrophe" auf der Heimveranstaltung. Bei der "Vogelsberg-Rallye" fährt ihm einen Tag vor dem Start eine Zuschauerin auf seinen Rennboliden. "Das Auto war 40 Zentimeter kürzer. Ich hatte ein Schleudertrauma. An eine Teilnahme war aus Sicherheitsgründen nicht zu denken."

Scheller wechselt nach diesen drei Rückschlägen vor der nächsten Veranstaltung in Luxemburg von einer ("hauseigenen") Marke auf die andere, steigt von einem "Citroen C2" auf einen "Peugeot 208" um. Und ist prompt bestplaziertes DRM-Team in seiner Division. Bei der "ADAC Deutschland Rallye" rund um Trier, die auch als Teillauf für die Weltmeisterschaft gewertet wird, sind Scheller und Wölfel neben hochkarätigen Rennsportlern am Start. Trotz Problemen mit den Bremsen fährt der Fuldaer auf Rang drei.

Dann "mein Jahres-Highlight", wie es Benjamin selbst ausdrückt. Die Saarland-Rallye. Am Ende werden Scheller/Wölfel Fünfter im Gesamtklassement und landen auf den zweiten Platz in der 2WD-Wertung. "Spätestens da war mir klar: Wenn nicht jetzt, wann dann. Eine solch’ gute Chance auf die Deutsche Meisterschaft werde ich so schnell nicht wieder bekommen."

Mit seiner Schraubermannschaft Michael Kirschke, Christian Büttner, Marc Schäfer und Manuel Belz rüstet er in unzähligen Wochenend-, Feiertags- und Nachtstunden seinen Kundensport-Peugeot von Asphalt auf Schotter um. Mit einem komplett anderen Fahrwerk, einer neuen Bremsanlage und speziellen Schutzvorrichtungen geht es zur entscheidenden Lausitz-Rallye. Die "15. ADMV-Rallye" im dortigen Braunkohletageabbau-Revier gilt als extrem schwierig, "Wir haben sofort Gas gegeben, um Lars Mysliwietz, der in der leistungsstärkeren Division drei startete, unter Druck zu setzen." In Wertungsprüfung drei unterlief Mysliewitz bei zunächst 20 Sekunden Rückstand ein folgenschwerer Fehler, der ihm letzendlich siebeneinhalb Minuten Rückstand einbrachte.

"Ich habe die Nacht vor dem zweiten Tag kaum ein Auge zugemacht, habe versucht, den möglichen Erfolg auszublenden, mir immer wieder eingeredet: Konzentrier’ dich, mach’ bloß keinen Fehler, die Technik wird schon halten." Der "Peugeot 208 R2" hielt durch, vielleicht auch deshalb, weil Scheller ihn quasi auf den letzten Kilometern mit Samthandschuhen ins Ziel getragen hat. Mit achteinhalb Minuten Vorsprung vor Mysliwietz wurden er und Thomas Wölfel "Deutscher Rallyemeister in der 2WD-Wertung" – und zudem noch Dritter in der DRM.

"Ich hab’ dem Thomas vor Freude bei der Zieldurchfahrt den Arm blau geschlagen, das war pure Emotion, das musste einfach raus", beschreibt Benjamin Scheller seinen Gemütszustand kurz nach der erfolgreichen Zieldurchfahrt. "Da stand ich, in strömenden Regen vor der Zielrampe und dem Siegerpodest und wusste mit meinen Gefühlen nicht wohin." Alle im Familien- und Bekanntenkreis waren natürlich aus dem Häuschen, haben Benjamin diesen Sieg total gegönnt: Die Familie, die Sponsoren "Iwetec", "Eichholz", "HSW", "Berkel", "Toni" und "Peugeot Deutschland". Und natürlich besonders Vater Hans Den Senior hat der Junior jetzt überflügelt. Der war zwar auch sehr erfolgreich im Rallye-Sport, und Benni fing bei ihm als Beifahrer an, für einen solchenTitel hat es leider jedoch nicht ganz gereicht.

Wie’s weitergeht? "Das weiß ich heute noch nicht. Ich muss das alles erst realisieren und richtig einordnen. Im Moment genieße ich den Status quo", sagt Scheller. Der Rallye-Rennsport ist ein teures Hobby, immer wieder ist es eine große Aufgabe, das Budget für die neue Saison zusammenzustellen. Man braucht Leute, die mit großem Engagement zu Werke gehen, die bereit sind, Einschränkungen hinzunehmen. "Der Erfolg war phänomenal, geradezu genial, wie wir uns quasi als Underdog entwickelt und auf der Zielgeraden gesiegt haben."

Der Rallye-Sport genoss im Hause Scheller schon immer einen hohen Stellenwert. Nun ist darin noch ein Deutscher Meister beheimatet.

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