Klartext-Kommentar

Die K-Antwort: Martin Schulz soll's richten

Früher als gedacht – aber nun ist es raus: Der Europaparlamentarier und ehemalige EU-Präsident Martin Schulz wird als SPD-Kanzlerkandidat gegen Angela Merkel antreten. Dafür machte der im Volk nicht unbedingt geliebte Sigmar Gabriel den Weg frei. Wobei – dieser Weg wird kein leichter sein (Das ist alles nur geklaut...).

Aber Scherz beiseite: Um die SPD aus ihrem Umfragetief von derzeit etwa 21 Prozent auf Kanzlerkurs zu bringen, muss noch etwas mehr her als ein charismatischer Kanzlerkandidat. Je nachdem, welche Koalition nach dem 24. September die Regierung stellen wird: Den oder die Kanzler/-in stellt üblicherweise die stärkste Partei. Die CDU liegt laut Umfragen noch rund 15 Prozent über den Sozialdemokraten. Es mag zwar sein, dass Schulz laut Demoskopen mit 41 Prozent bei den Deutschen Wählern genauso hoch in der Gunst steht wie Merkel, aber eine Kanzlerwahl ist nunmal keine Direktwahl der Bürgerinnen und Bürger.

Durch zwei Entscheidungen rollt das Personalkarussell nun bereits rund neun Monate zu früh: Bundesaußenminister Steinmeier tritt als gemeinsamer Kandidat der Großen Koalition zur Bundespräsidentenwahl an, Bundeswirtschaftsminister Gabriel wird sein Nachfolger. Und dessen Ministerium übernimmt die ehemalige Justizministerin Brigitte Zypries. Schulz soll zudem noch zum Parteivorsitzenden der SPD gewählt werden.

Für die Sozialdemokratie in Deutschland kann man nur hoffen, dass durch die Wechsel der Personalien und vor allem durch die – zumindest in der Fernsehberichterstattung – sympathische Art des Martin Schulz das Tal der Tränen durchschritten ist. Schulz ist in der deutschen Politik ein neues Gesicht, dass den bisherigen immer gleichen sozialdemokratischen Figuren im Kabinettspoker ein neues Profil geben kann. Ohne Verstrickungen in die Große Koalition und mit bodenständigen Wurzeln – er war mal Buchhändler – könnte Schulz der Mann sein, der den Jammerkurs der Genossen beendet – oder zumindest aufhält.

Für Merkel ist Schulz auf jeden Fall ein stärkerer Widersacher als es Gabriel gewesen wäre. Und das hat dieser wohl eingesehen. Dennoch zolle ich ihm meinen Respekt für den Rückzug – denn Ex-Kanzler Gerhard Schröder hätte dabei mit Sicherheit sein Ego im Weg gestanden.

Ich bin gespannt, wie sich die politische Situation bis zur Bundestagswahl – und vor allem danach – in unserem Land darstellen wird. Für mich bleibt die Hoffnung, dass sich vielleicht bis zum September noch die Anhänger der Partei, die ich hier gar nicht namentlich erwähnen will, von Holocaust-Leugnern und Fremdenfeinden abwenden und statt populistischer Parolen an politische Werte zu glauben lernen. Schulz oder Merkel – jetzt sind die Parteien am Zug. Ich bin gespannt.

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