Karneval in Fulda: Absage war alternativlos

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Im Gespräch mit dem FKG-Präsidenten Michael Hamperl über die abgesagte Karnevalskampagne 2020/2021 wegen der Corona-Pandemie.

Fulda. Wegen der Corona-Pandemie hat die „Fuldaer Karneval-Gesellschaft“ (FKG) die Kampagne 2020/2021 komplett abgesagt. In dieser Woche haben auch die Randstaaten gemeinsam beschlossen, auf die Karnevalssaison, die am 11.11. begonnen hätte, zu verzichten. „Fulda aktuell“ befragte den „FKG“-Vorsitzenden Michael Hamperl zu diesen Schritt.

„Selbstverständlich sind wir alle emotional berührt und traurig – und besonders leid tut es mir für die vielen Aktiven, die die Fastnacht jedes Jahr mit Herzblut leben“, so Hamperl. Die Entscheidung sei dem „FKG“-Vorstand „natürlich schwergefallen“.

„Wir sind es aber durch die wetterbedingten Rosenmontags-Absagen gewohnt, mit solchen Entscheidungen umzugehen und genau abzuwägen, wann eine akute Gefährdung besteht. Aber dennoch: Corona hat nochmals eine ganz andere Dimension“, sagt der „FKG“-Präsident. Selbst unter Einhaltung aller notwendigen Maßnahmen wie Maskenpflicht, Sicherheitsabständen und Begrenzung der Besucherzahl könne nicht sichergestellt werden, „dass im Laufe einer Veranstaltung stimmungs- und auch alkoholbedingt so etwas aus dem Ruder läuft“. „Und wer möchte für einen regionalen Corona-Hotspot mit Kranken und gegebenenfalls einem Lockdown in Fulda verantwortlich sein?“, fragt Hamperl. „Die Folgen wären kaum vorstellbar.“

Da die Kampagne ausfällt, wird es natürlich auch keine „FKG“-Prinzenmannschaft geben. „Der vorhergesehene Prinz wird dann die hoffentlich statt findende nächste Kampagne 2021/2022 anführen“, hofft der Präsident. Laut Hamperl hat die Absage keine finanziellen Auswirkungen auf den Verein: „Als gemeinnütziger Verein halten sich Einnahmen und Ausgaben in einer Kampagne die Waage. Laufende sonstige Kosten sind durch Mitgliedsbeiträge gedeckt.“

„Ich rate allen Karnevalsvereinen der Region zu einer Komplettabsage der Kampagne in der ursprünglichem Form. Es ist unabhängig von den nicht absehbaren Folgen auch eine Art Selbstschutz der Verantwortlichen – vor allen Dingen moralisch“, konstatiert Hamperl. Bis zur Absage in dieser Woche seien erst „ganz grobe Vorbereitungen gelaufen, aber nichts von größerer Tragweite“, so der Präsident.

 „Die Kampagne 2021/2022 wäre schon außergewöhnlich geworden“, so Hamperl aufgrund der tollen Resonanz bezüglich der letzten Kampagne und dem sehr ruhig verlaufenen gesellschaftlichem Jahr. „Aber klar– die Sehnsucht nimmt noch mehr zu“, sagt der Präsident, der die Absage als „nicht angenehm, aber alternativlos“ bezeichnet.

Eine Botschaft hat Hamperl noch: „Alle sollten sich strikt an die Corona-Regeln halten, bis hoffentlich bald ein Impfstoff vorbeugend wirkt, damit wir die nicht gänzlich zu verhindernden gesundheitlichen und wirtschaftlichen Einflüsse in Grenzen gehalten werden und wir dann wieder gestärkt ins normale Lebe“ zurückkehren können.“

Das sagt Fulda OB Dr. Heiko Wingenfeld

Fulda. In einem persönlichen Statement hat Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld auf die Ankündigung der Fuldaer Fastnachtsvereine reagiert, die Fastnachtssaison 2020/21 aufgrund der Risiken durch Corona-Pandemie abzusagen. Es sei eine „Entscheidung, die schmerzt, aber absolut richtig ist“, sagte der OB, der zugleich Schirmherr der Fuldaer Fastnacht ist.

„Als Schirmherr und begeisterter Anhänger der Fuldaer Fastnacht ist die Absage der Saison 2020/21 auch für mich persönlich eine Entscheidung, die schmerzt und die den Verantwortlichen sicher nicht leichtgefallen ist. Mein Dank und mein Respekt gilt all denen, die an dieser Stelle Verantwortung übernommen haben.

Es liegt auf der Hand: Zum jetzigen Zeitpunkt kann niemand das Infektionsgeschehen vorhersehen, und niemand kann das Risiko für eine Veranstaltung tragen, bei der womöglich ein einzelner Covid19-Infizierter einen neuen Corona-Hotspot in Fulda auslöst – mit allen Konsequenzen für das öffentliche Leben, die das schlimmstenfalls mit sich bringt. Dabei geht es ja längst nicht nur um den traditionsreichen Rosenmontagszug: Die Kampagne würde ja bereits am 11.11. mit diversen Saalveranstaltungen starten, für die im Vorfeld Proben und Vorbereitungen erforderlich sind.

Nein, die Entscheidung ist nachvollziehbar und absolut richtig. Dennoch leide ich mit allen Vereinen der Fuldaer Fastnacht - von den Tanzgruppen der Jüngsten, die nun keine Auftritte haben werden, bis hin zu den Büttenrednern, deren scharfzüngigen Kommentare zum lokalen und zum Weltgeschehen uns gerade in diesen Zeiten fehlen werden! Ganz zu schweigen von dem befreienden Lachen, das uns in der Fastnachtszeit manche Sorgen vergessen lässt.

Bei aller Trauer über die Absage bin ich aber zuversichtlich, dass es den kreativen Köpfen unter unseren Fastnachtern gelingen wird, das Beste aus dieser besonderen Lage zu machen. Jedenfalls wird sich die „Fulder Foaset“ von dem Virus nicht unterkriegen lassen! Und setze auf eine fulminante Kampagne 2021/22.“

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