1. lokalo24
  2. Lokales
  3. Fulda

Zur Kasse, bitte!

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Osthessen. Aus Schaden wird man klug? Denkste! Immer wieder warnen die Medien vor mieser Abzocke im Internet und immer wieder geraten unbescho

Osthessen. Aus Schaden wird man klug? Denkste! Immer wieder warnen die Medien vor mieser Abzocke im Internet und immer wieder geraten unbescholtene Brger in die Fallstricke gnadenloser Winkeladvokaten.

In den Fngen der Juristen

Beispiel: Musiktauschbrse. Der Download von Musikdateien, mit denen gigabyteweise MP3-Player oder Handys gefttert werden, hat es besonders der Jugend angetan. Doch gerade hier ist allergrte Vorsicht geboten! Allzu schnell geraten Downloader mit dem Urheberschutzgesetz in Konflikt, denn Knstler und Labels wollen natrlich ihr geistiges Eigentum schtzen.

Nach Angaben der Musikindustrie werden in Deutschland jhrlich ber 300 Millionen unbefugt ins Internet eingestellte Musiktitel aus so genannten Online-Tauschbrsen (Filesharings) gezogen, wobei jeder Download natrlich den Umsatz der Musikkonzerne schmlert. Hier wittern Abmahnanwlte, vornehmlich aus Hamburg und Mnchen, das ganz groe Geschft. Sie verschicken ellenlange Abmahnungen, fordern zur Abgabe einer so genannten strafbewehrten Unterlassungserklrung auf, verklausulieren das Ganze in unverstndliches Juristendeutsch und drohen massiv mit Klagen. So wollen sie vermeintlich ertappte Musikdiebe festnageln und abkassieren.

Der Bad Hersfelder Rechtsanwalt Carsten Lenz aus der Kanzlei Scheurmann Schraad & Partner beschftigt sich seit lngerer Zeit mit diesem Phnomen. Die Leute sind erheblich eingeschchtert. Selbst wenn gar kein Versto vorliegt, reagieren viele ngstlich und unterschreiben smtliche Verpflichtungen. Neben der Erklrung, zuknftig keine Urheberrechtsverste mehr zu begehen, entsteht die Pflicht, die Kosten der Abmahnanwlte zu zahlen und fr jeden Fall der Zuwiderhandlung eine Vertragsstrafe von ber 5.000 (!) Euro anzuerkennen. Die Leute werden tatschlich abgezockt, wei Lenz. Schadensersatz werde einfach pauschal gefordert, Betrge in Hhe von 1.000 bis 10.000 Euro je Einzelfall seien keine Seltenheit. Bei monatlich ber 5.000 Abmahnungen allein aus der Hamburger Kanzlei wird also klar, warum sich solche Geschfte lohnen.

Eine Frage der Beweislast

Zwar hat das Landgericht Hamburg solchem Vorgehen im Mrz einen vorlufigen Riegel vorgeschoben. Die Richter hatten eine Klage der Sony BMG Music GmbH gegen eine angebliche Nutzerin einer Filesharing-Software abgewiesen. Doch ein Freibrief fr die Jugend, weiter ungehemmt Musikdateien aus Musiktauschbrsen zu saugen, ist dieses Urteil nicht. Zumindest die alte Praxis der Musikindustrie, der Abmahnanwlte und der umstrittenen proMedia GmbH deren Geschftsfhrer der Abmahnanwalt brigens selbst ist ist erst einmal gestoppt, erlutert der Bad Hersfelder Fachanwalt.

Er warnt: Es bleibt abzuwarten, ob die Ermittlungen nun anders gefhrt werden, um das Beweisproblem zu umgehen, denn sofern tatschlich Urheberrechtsverletzungen vorliegen, sind auch Teile der Forderungen berechtigt. Sein Rat: Wem solche Abmahnungen ins Haus flattern, der sollte keine vorschnellen Erklrungen abgeben oder Vordrucke unterschreiben. Wir haben zahlreiche Anknpfungspunkte, in denen unberechtigte Forderungen zurckgewiesen werden knnen.

Die Polizei, dein Freund und Download-Helfer

Osthessen. Dass die Musiktauschbrsen, die das System des Filesharings verwenden, keine legale Mglichkeit fr den Download der Lieblings-MP3-Dateien bieten, hat Anwalt Carsten Lenz deutlich klargestellt (Bericht oben). Trotzdem mssen Kids und Jugendliche nicht auf den geliebten Musikgenuss verzichten. Wie sie auf rechtmige Art an die aktuellen Chart-Hits rankommen, ohne die teuren Gebhren von Musicload oder i-Tunes blechen zu mssen? Das verrt ausgerechnet die Polizei.

Streamripper lautet die Lsung. Solche Programme machen sich eine rechtliche Finesse aus der guten alten Zeit der Kassettenrecorder zu nutze, als Mutti auf Plateusohlen abtanzte und Vati noch die Schlaghosen anhatte: Das Aufzeichnen von Radiosendungen ist erlaubt! Nichts anderes tun die Streamripper. Sie durchforsten tausende Internet-Radiostationen nach den gewnschten Songs und liefern mitunter in Sekundenschnelle recht passable Klangerlebnisse. Zwar entspricht dieser polizeiliche Tipp nicht ganz dem, was sich die Musikindustrie wnscht, aber er schtzt den Nachwuchs vor den Einschchterungsversuchen durch unlautere Abmahnanwlte; mehr noch: Winkeladvokaten werden mit ihren eigenen Waffen geschlagen.

Streamripper downloaden

Weitere Infos liefert die Broschre Im Netz der neuen Medien, die von der Polizeilichen Kriminalprvention der Lnder und des Bundes herausgegeben wird (www.polizei-beratung.de). Downloads fr gngige Streamripper-Programme (auch Freeware) bietet das Portal der Fachpresse www.chip.de. (gsk)

Auch interessant

Kommentare