Kaufinteressent für Hünfelder "Wella"

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Der Bad Salzschlirfer Anwalt und Unternehmer Marc Martin erläutert seine Zielsetzung / Ablehnendes von "Coty"

Hünfeld - Gibt es Hoffnung für das von der Schließung bedrohte "Wella"-Werk in Hünfeld? Wie der Bad Salzschlirfer Anwalt und Unternehmer Marc Martin "Fulda aktuell" am Montagvormittag bestätigte, habe er dem US-Mutterkonzern "Coty" signalisiert, die "Wella" kaufen zu wollen. Seitens "Coty" sei das Ansinnen abgelehnt worden mit der Begründung, man verfolge aktuell andere Intentionen. Zu einem möglichen Kaufpreis wollte sich der 49-Jährige nicht weiter äußern.

 "Coty" hatte "Wella" 2015 von "Procter & Gamble" gekauft und Anfang August bekannt gegeben, das Hünfelder Werk im Laufe des Jahres 2018 schließen zu wollen. Damit würden 380 Arbeitsplätze wegfallen. Auch das Angebot des "Wella"-Betriebsrates mit seinem Vorsitzenden Norbert Herr, in Übereinstimmung mit der Belegschaft auf freiwilliger Basis 100 Arbeitsplätze abbauen zu wollen, ließ die "Coty"-Unternehmensleitung ungerührt.

Der 49-jährige Martin ist seit 20 Jahren als Anwalt tätig, hat eigener Aussage nach als Wirtschaftsprüfer gearbeitet und verschiedene Unternehmen aus der Auto-Zulieferer-Branche saniert. Seinen Vorstellungen zufolge würde er alle 380 Mitarbeiter "technisch" übernehmen, von denen allerdings 100 in eine Auffanggesellschaft wechseln würden.

Ihm schwebt vor, dass "Coty" diejenigen Aufträge, die jetzt in Hünfeld abgewickelt werden, noch fünf Jahre dort ließe. Martin: "Für ,Coty' ist der Verkauf der "Wella" doch wirtschaftlicher, als Abfindungen an die Beschäftigten  zu zahlen und obendrein im sächsischen Rothenkirchen neu zu bauen.

Stellungnahme Bürgermeister

Im Zusammenhang mit der beabsichtigten Schließung des Hünfelder "Wella"-Werks hat Bürgermeister Stefan Schwenk eine klare Erwartung an den US-Konzern, die Tür für seriöse Gespräche zur Übernahme des Produktionsstandortes durch andere Investoren zu öffnen. Dies sei das Unternehmen den 380 Beschäftigten, die ansonsten ihre Arbeit verlieren, ganz einfach schuldig, betont Schwenk in einer Stellungnahme zu den Plänen des Bad Salzschlirfer Unternehmers Martin, das Werk als „Lohnabfüller“ weiter betreiben zu wollen.

Nach seinem Gespräch mit Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier und dem Betriebsrat war die "Hessenagentur" eingeschaltet worden, um mögliche Investoren zu finden, die einen weiteren Betrieb sicherstellen können. Dazu sei es aber erforderlich, so der Bürgermeister, dass "Coty" die Absicht habe, den Standort zu veräußern.

Es sei ein Stück sozialer Verantwortung gegenüber den heutigen Beschäftigten und den Generationen, die "Wella" von Hünfeld aus groß gemacht hätten, solche Optionen ernsthaft zu überprüfen. Sollten Gespräche mit möglichen Investoren von vorne herein blockiert oder ausgeschlossen werden, dann nähre das den Verdacht, dass es nicht um eine möglicherweise mangelnde Wirtschaftlichkeit des Standorts gehe, sondern um konzernstrategische Entscheidungen auf dem Rücken der Beschäftigten.

Er stehe in engem Kontakt mit dem Betriebsratsvorsitzenden Herr, der ebenfalls die Forderung erhoben hatte, die Tür für ernsthafte Gespräche zur Übernahme des Werks zu öffnen.

Stellungnahme Brand

Der CDU-Wahlkreisabgeordnete Michael Brand: „Das wiederholt arrogante Vorgehen der Coty-Führung, ein Werk mit fast 400 Beschäftigten derart platt zu machen, ist nur noch abstoßend. Die erneute Ablehnung, das Taktieren und die Unaufrichtigkeit des Managements zeigen leider auch, dass die grundsätzlich formulierte Gesprächsbereitschaft offensichtlich nie wirklich ernst gemeint war. Nach den aktuellen Gesprächen mit dem Betriebsratsvorsitzenden teile ich seine Einschätzung, dass es jetzt stärker um einen Plan B gehen muss, um die noch bei ,Coty' Beschäftigten anderswo zu vermitteln. Hier werde ich weiter aktiv unterstützen, um das Beste für die Beschäftigten rauszuholen.“

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