Kein Virus verhindert Weihnachten: EKKW-Bischöfin Hofmann zu Weihnachten in Corona-Zeiten

Bischöfin Dr. Beate Hofmann beim Redaktionsgesrpäch mit Christopher Göbel kurz nach ihrem Amtsantritt. Foto: Archiv/Schmitt

Dr. Beate Hofmann, Bischöfin der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck, spricht über das bevorstehende Weihnachtsfest und wie die Kirche das Fest trotz Covid19 gestalten möchte.

Region. Die Corona-Pandemie hat nun zu einem erneuten Lockdown in manchen Bereichen geführt. Diese Maßnahmen seien laut Bundeskanzlerin Angela Merkel notwendig, um die Eindämmung des Virus zu erreichen. Das Weihnachtsfest im Familienkreis zu feiern soll dadurch auch in der Pandemie möglich werden.

„Fulda aktuell“ befragte Dr. Beate Hofmann, die Bischöfin der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck EKKW), wie sie die Situation bewertet und wie Christen in diesem Jahr Weihnachten feiern könnten.

Fulda aktuell: Haben Sie innerhalb der EKKW bereits Ideen erarbeitet, wie unter Corona-Bedingungen Gottesdienste an den Weihnachtsfeiertagen gefeiert werden können?

Dr. Beate Hofmann: Schon seit Ende August laufen in den Gemeinden und auf Kirchenkreisebene die Planungen für Weihnachten. Da gibt es Ideen, Weihnachten draußen auf Plätzen, in Scheunen, verteilt auf viele kleinere Gottesdienste und eben auch digital zu feiern. Für die Menschen, die Kirche zu Hause feiern, gibt es unser „blick in die Kirche“-Magazin mit einem kleinen, feinen Gottesdienst für zu Hause. Wir haben ein Weihnachtwürfelspiel mit dem Namen „Mensch, fürchte dich nicht“ entwickelt, um auch mit wenigen zu Hause vor der Bescherung spielerisch in die Stimmung und die Botschaft der Heiligen Nacht einzukehren.

FA: Wie können vor allem ältere Gemeindemitglieder erreicht werden, die sich vielleicht nicht trauen, in öffentliche Weihnachts-Gottesdienste zu gehen?

Hofmann: Wir machen vielfältige Angebote: Neben den Fernseh- und Radiogottesdiensten wird es über ekkw.de und die Homepages vieler Gemeinden und Kirchenkreise digitale Gottesdienste geben, wir bieten aber auch Telefonandachten an und „Gottesdienste zum Mitnehmen“. Und es wird ein kleines Weihnachtshörspiel geben, in dem die Weihnachtsgeschichte mit Musik, Gebet und Segen zu hören sein wird.

FA: Wie können Abstands- und Hygienemaßnahmen bei größeren Gottesdiensten eingehalten und kontrolliert werden?

Hofmann: In den Kirchen gibt es inzwischen seit sechs Monaten erprobte Hygienekonzepte, die gut funktionieren und nachweislich Ansteckungen verhindert haben, obwohl infizierte Personen anwesend waren. An vielen Orten werden weniger große, dafür mehr kleinere Gottesdienste angeboten. Gottesdienste auf öffentlichen Plätzen werden nur stattfinden, wenn die Hygienekonzepte gut durchdacht sind. Aber damit haben wir inzwischen Übung!

FA: Müssen Kirchgänger damit rechnen, an der Kirchentür abgewiesen zu werden, wenn die Kapazitäten ausgeschöpft sind?

Hofmann: Ich rate den Menschen, die Gottesdienste besuchen wollen, sich vorher zu erkundigen, wie die Platzkapazitäten sind oder welche Ausweichmöglichkeiten es gibt. Wir tun alles, was möglich ist, um niemanden einfach nach Hause schicken zu müssen.

FA: Wie kann es gelingen, den Glauben an die Geburt Christi und die damit verbundenen Feiern trotz Corona gebührend zu feiern?

Hofmann: Seit 2000 Jahren feiern wir „alle Jahre wieder“ unter sehr unterschiedlichen Bedingungen Weihnachten: in Kriegen, in persönlichen Krisen und jetzt in einer Pandemie. Weihnachten hängt nicht an Weihnachtsmarkt oder Festbraten. Weihnachten wird es, weil Gott in unsere Welt gekommen ist. Diese Botschaft „gebührend“ zu feiern, das geschieht weltweit sehr unterschiedlich: bei den einen laut und bunt, bei den anderen sanft und leise. Für mich ist Weihnachten als Fest der leisen Töne eine Chance, neu auf die Botschaft zu hören.

FA: Welchen Gestaltungsspielraum haben Pfarrerinnen und Pfarrer bzw. die Gemeinden der EKKW bei der Gestaltung von Weihnachts-Gottesdiensten?

Hofmann: Den Formen kreativer Vergegenwärtigung der Weihnachtsbotschaft setzt dieses Jahr Corona einige Grenzen, aber nicht die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck. Wir sind seit März dabei, Gottesdienste kreativ und spielerisch zu gestalten. In Zeiten der Pandemie sind neue Formen, neue Arten von Gottesdienst entstanden: da hängen Predigten zum ersten Mal an der Wäscheleine und Pfarrerinnen und Pfarrer sind zum ersten Mal online. Wir gestalten gerne, vielfältig und kreativ.

FA: Wird es eine Richtlinie oder Vorschläge der EKKW an die Gemeinden geben, wie das diesjährige Weihnachtsfest unter Corona-Bedingungen gefeiert werden kann?

Hofmann: Richtlinien gibt es im Blick auf die Hygienebestimmungen. Auch regionale Regelungen werden eine Rolle spielen, je nach den politischen Vorgaben. Unser Gottesdienstreferat und die Öffentlichkeitsarbeit arbeiten auf Hochtouren, unser Magazin “blick in die Kirche” wird Gemeinden und Familien unterstützen, auf ekkw.de und über die Arbeitsstelle Gottesdienst sowie die Arbeitsstelle Kirche mit Kindern und Familie wird es Material geben. Es wird Weihnachten, ganz sicher - und Gott sei Dank wird kein Virus das verhindern.

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