„Keine Anerkennung“: Tierschützer Oliver Reiling zieht Konsequenzen

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Der erste Vorsitzende des „Tierschutzvereins Fliedetal“ mit seiner Tochter Lara, Labradorhündin Shila und dem Rottweilerrüden Rocky.

Dem ersten Vorsitzendem des Tierschutz Fliedetal Oliver Reiling reicht es. Er will im nächsten Jahr nicht mehr für das Amt antreten.

Flieden - „Der Kampf mit der Gemeinde Flieden ist sehr Kräfte raubent“, erklärt Oliver Reiling, erster Vorsitzender des „Tierschutzvereins Fliedetal“. Seit 2011 hat er den Posten des ersten Vorsitzenden inne und geht den insgesamt 160 Mitgliedern als engagiertes Beispiel voran, darunter rund 40 aktive Mitglieder zählt der Verein. „Ich bin in diesem Jahr bis jetzt über 30.000 Kilometer mit meinem Privatauto für den Verein gefahren“, erzählt Reiling. Dabei stehe immer das Wohl der Tiere im Vordergrund. „Alle Arbeiten werden bei uns ehrenamtlich getätigt. Dass wir gebraucht werden, zeigen uns die Bürger in der Region“, so der Tierschützer.

Dabei ist der Verein auf Spenden angewiesen. Nun ist es nach Jahren der Verhandlungen gelungen, finanzielle Unterstützung durch eine Fundtierkostenerstattung der Gemeinden Kalbach und Neuhof zu erzielen. „Neuhofs Bürgermeister Heiko Stock kam ins Amt und sicherte uns sofort Unterstützung zu“, so Reiling erfreut. „Ganz anders in unserer Heimatgemeinde Flieden.“ Ende Juni sei eine Vereinbarung zur Wahrnehmung kommunaler Aufgaben bei der Fundtierversorgung und eine jährliche finanzielle Förderung der Arbeit des Vereins in einer Gemeindevertretersitzung beschlossen worden. Dies teilte Fliedens Bürgermeister Christian Henkel laut Reiling,am Abend des 29. Juni schriftlich per E-Mail mit. „Bis heute wurde die Vereinbarung nicht eingelöst“, so Reiling. Anerkennung und Wertschätzung der Arbeit des Vereins würde in Flieden nicht praktiziert. „Wenn wir gebraucht werden sind wir gut. Wenn wir Hilfe brauchen, ist unsere Arbeit nicht notwenig“, fasst der Tierschützer seine Eindruck zusammen. Die Gemeinde Flieden sei nicht auf die Annahme von Fundtieren ausgelegt.

Vor einiger Zeit habe Reiling zwei Fundhunde an die Gemeinde gebracht. „Wir wollten zeigen, dass unsere Arbeit nötig ist.“ Eine Unterbringungsmöglichkeit hatte die Gemeinde nicht, auch kein Fahrzeug, um die Tiere in das „Tierheim Fulda-Hünfeld“ zu bringen. „Die waren völlig überfordert. Am Ende habe ich die beiden Hunde wieder mitgenommen“, so Reiling. „Flieden brauche unsere Arbeit nicht, denn Flieden habe keine Tierprobleme“, schildert Reiling Gespräche mit dem Bürgermeister. Dass das anders ist zeigen zahlreiche Kartentransaktionen des Vereins, um der Flut von Katzenbabys in den Hochzeiten zu entkommen. Rund 50 Katzenbabys müssten dann versorgt werden.

Konsequenzen ziehen

Reiling zieht nun Konsequenzen. In der nächsten Jahreshauptversammlung Anfang nächsten Jahres möchte er sich nicht mehr zur Wahl des ersten Vorsitzenden stellen. „Es ist so ermüdend“, so Reiling.

Die Vereinsmitglieder sind geschockt. Viele versuchen, den Tierschützer zum Weitermachen zu bewegen. Ob das gelingt, steht in den Sternen. „Ich erwarte Wertschätzung und Anerkennung für unsere Arbeit, denn wir haben noch so vieles vor“, erklärt er. Der Bau eines Tierschutzhauses sei geplant, denn derzeit könne der Verein nur mit privaten Pflegestellen arbeiten. „Auch da sind wir auf die Hilfe der Gemeinde angewiesen“, so Reiling.

Bislang habe sich Bürgermeister Henkel nicht persönlich bei Reiling zu seiner Entscheidung gemeldet.

Auf Anfrage von „Fulda aktuell“ sagt Henkel: „Der Gemeindevorstand schätzt die umfangreiche Tätigkeit des Tierschutzvereins. Bereits seit vielen Jahren – sehr viel länger als andere Kommunen – unterstützt die Gemeinde Flieden den Verein deshalb bereits im Rahmen ihrer Vereinsförderung.“

Für die Erstattung von Aufwänden habe sich der Verein und der Gemeindevorstand im Juni 2017 über eine pauschale Aufwandsentschädigung geeinigt. Die vereinbarte Summe sei jedoch für das laufende Jahr noch nicht ausgezahlt worden, da noch keine schriftliche Vereinbarung zwischen der Gemeinde und dem Verein vorliege. „Der Entwurf dieser Vereinbarung ist verwaltungsseitig jedoch noch nicht erfolgt, deshalb wurde die Aufwandsentschädigung noch nicht ausgezahlt“, so Henkel und verspricht weiter: „Um möglichst weitere Irritationen zu vermeiden, wird die Gemeinde nunmehr zeitnah die eine Auszahlung veranlassen und auch eine entsprechende Vereinbarung vorlegen.“

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