Keine Stromtrasse durch Fulda!

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Über 300 Bürger kamen zur Informationsversammlung nach Kämmerzell

Kämmerzell. Die Ortsvorsteher von Gläserzell, Kämmerzell, Lüdermünd, Maberzell und Trätzhof hatten für den 7. November gemeinsam zu einer Informationsveranstaltung zur geplanten Stromtrasse durch die westlichen Stadtteile in das Bürgerhaus in Kämmerzell eingeladen. Als gastgebende Ortsvorsteherin begrüßte Rita Wehner – auch im Namen von Thomas Schmitt aus Lüdermünd und Dieter Klüh für Maberzell/Trätzhof - unter den über 300 Teilnehmern besonders auch die Stadtverordnete Patricia Fehrmann (CDU), die im Laufe des Abends Informationen über die aktuellen Beschlüsse und Vorhaben der städtischen Gremien zugesagt hatte, sowie die Vertreter der erst vor drei Wochen gegründeten Bürgerinitiative Fuldatal. Nach einer einführenden Information des Mittelroder Ortsvorstehers Erich Dörr über die Genese der Stromtrassenplanung seit dem Atomausstieg im Jahr 2011 und der detaillierten Darstellung der alternativen Trassenverläufe in den westlichen Stadtteilen kamen die Vertreter der Bürgerinitiative zu Wort.

Seitens der BI Fuldatal e.V. kritisierte deren Vorsitzender Johannes Lange zunächst die diffuse und unzureichende Informationspolitik des Netzbetreibers TenneT mit der unguten Folge, dass man die einzelnen Kommunen gegeneinander ausspiele. Sodann gab er Informationen zu möglichen Gesundheitsgefährdungen: durch die Gleichstromtechnik kommt es bei 500.000 Volt zur Ionisierung der Luft mit Entstehen von Ozonen und Stickoxiden, die eingeatmet werden. Lange Informierte weiter, dass es inzwischen über 100 Bürgerinitiativen gegen die Südlinktrasse gebe, die man in Kürze zu einem großen Konvent nach Fulda einladen wolle, um Kompetenzen und Wirksamkeit zu bündeln. Am 22./23. November würden Vertreter aller bestehenden Bürgerinitiativen zu einem Vorgespräch in Fulda erwartet. Guntram Ziepel, stv. Vorsitzender der BI Fuldatal e.V., ging als Ingenieur für Elektrotechnik der Frage nach: "Energiewende und Südlinktrasse = alternativlos?" An Beispielen von Audi in Ingolstadt und Mainova in Frankfurt erläuterte er erfolgreiche Projekte der Umwandlung von Strom in Gas "Power to Gas". So könnten Stromtrassen überhaupt vermieden werden. Auf Rückfrage aus dem Teilnehmerkreis stellte er zudem die Vorzüge einer Erdverkabelung gegenüber den geplanten Freiluftleitungen dar: weniger Gesundheitsgefährdung, besser für Flora und Fauna und entgegen bislang bekannten Informationen auch noch 30 % billiger! Hier gehe es auch um Steuergelder.

Patricia Fehrmann informierte die Versammlung über bisherige Aktivitäten der städtischen Gremien: nachdem sich die CDU-Fraktion schon am vergangenen Wochenende einstimmig gegen die geplante Trassenalternative ausgesprochen habe, habe sie inzwischen auch beantragt, für den Haushalt 2015 den Betrag von 40.000 € für mögliche Rechts- und Fachberatung etwa für Gutachten vorzusehen. Seit dem heutigen 7. November liege ferner dem Magistrat für seine Sitzung am kommenden Montag eine Vorlage zur Entscheidung vor, in welchem die vorgesehene Trasse abgelehnt werde und die Bundes- wie die Landesregierung aufgefordert würden, die Notwendigkeit der Trassenführung dem Grunde nach und der Art nach zu überprüfen. Sie forderte die Anwesenden dazu auf, dass Bürgerinitiativen und Politik in dieser Frage zusammengehen müssten, und bat alle Bürger, die Ortsbeiräte in ihrem Stadtteil bei der vereinbarten Abfassung von Stellungnahmen gegen die Trasse zu unterstützen. Dazu sagten auch die Vertreter der BI ihre Unterstützung zu.In der anschließenden Diskussion ging es in Fragen um mögliche erforderliche Schritte: "Wir müssen auf die Straßen, um gesehen zu werden!" forderte eine Teilnehmerin aus Kämmerzell auf Grund eigener Erfahrungen bei mehreren Demos mit erfolgreichen Ergebnissen. "Wir brauchen einen Schulterschluss aller Engagierten in der Region, Politiker und Bürger/Initiativen, so wie wir es in Bayern erleben." so ein anderer Teilnehmer. OV Schmitt aus Lüdermünd: " Wir wollen die Energiewende, aber sie darf keine Opfer haben." "Wir müssen darauf hinwirken, dass das Bundeswirtschaftsministerium seine Direktive an die Bundesnetzagentur und an die Übertragungsnetzbetreiber aus dem Jahr 2011 überprüft und dem Stand der heutigen Technik anpasst sowie dass der Gesetzgeber eine Modernitätsklausel in das Energieausbau-Beschleunigungsgesetz ergänzt." – so eine gemeinsame Forderung in der Versammlung. Freileitungen seien nicht die zukunftsträchtige Form, die Energiewende sei hier nicht zu Ende gedacht.Unter der Moderation von Hubert Schulte schloss sich die Versammlung sodann einstimmig der schon vor einer Woche in Oberrode verabschiedeten Resolution an: "Keine Hochspannungs-Gleichstromtrasse mit über 70 Meter hohen Masten und keine Trasse ohne unbedingten Nachweis von deren Notwendigkeit. Bei bestehender Notwendigkeit zwingend Suche nach alternativen für Mensch und Natur verträglicheren Lösungen!"

Abschließend dankt Dieter Klüh auch im Namen von Rita Wehner, Thomas Schmitt und Hubert Schulte (stv. OV aus Gläserzell) allen Teilnehmern für ihr Kommen und dadurch bekundetes Interesse, fordert sie zum Mitmachen auf und bittet um Unterstützung der Ortsbeiräte, welche die ortsspezifischen Gegebenheiten bezüglich der geplanten Trasse erarbeiten sollen. Dieser Bitte schließen sich die Vertreter der BI Fuldatal e.V. uneingeschränkt an. Rita Wehner appelliert zum Schluss: "Bleiben Sie aufmerksam!"

Das für Öffentlichkeitsarbeit zuständige BI-Mitglied Hubert Schulte weist auf die nächste Bürgerversammlung schon jetzt hin: Donnerstag, 13. November um 19.30 Uhr im Bürgerhaus Johannesberg besonders für die Stadtteile Harmerz, Istergiesel, Johannesberg, Sickels, Zell und Zirkenbach.Mehr Infos: www.facebook.com/BIFuldatal

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