Auf 522 Kilometern: Wenn Cola, Kaffee und Chips zum Festmahl werden

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Nach dem Zieleinlauf fielen sich Sascha Gramm und Andrea Löw in die Arme. Die Zeltnachbarn hatten die letzte Etappe von „The Track“ gemeinsam gemeistert.
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Nach dem Zieleinlauf fielen sich Sascha Gramm und Andrea Löw in die Arme. Die Zeltnachbarn hatten die letzte Etappe von „The Track“ gemeinsam gemeistert.

Der Hainzeller Läufer Sascha Gramm lief jetzt den Ultramarathon  The Track in Australien. Er bezwang 522 Kilometer über Berge und Steine.

Fulda - Selten hatte die Redaktion von „Fulda aktuell“ einen Besucher, der sich so sehr über einen heißen Kaffee gefreut hat, wie der 40-jährige Sascha Gramm. Grund seines Besuches war die Teilnahme des Läufers am Ultramarathon „The Track“ im australisches Outback. In zehn Tagen legte er 522 Kilometer zu Fuß zurück. Kletterte auf steinigen Wegen über Berge und bezwang ausgetrocknete Flussbetten. „Die Strecke war häufig kaum laufbar“, erzählt Gramm. „Am Anfang mussten wir einen Berg hinauf, dass ging nur auf allen Vieren.“ Gestartet waren 44 Läufer in Alice Springs, knapp 48 Prozent beendeten den Lauf im Uluru am Ayres Rock. Auch für Gramm war dieser Lauf eine Extremerfahrung für den Körper, aber auch für den Geist.

In 2018 absolvierte der Sportler den „Gobi March“ in der Mongolei, dieses Erlebnis steigerte er nun mit „The Track“. Wieder hieß es nicht nur fit für das Laufen zu sein, sondern auch eine ausgeklügelte Taktik entwickeln, um den mitgeführten Rucksack so effizient wie möglich zu packen. Denn auf dem „Track“ (der Strecke) war Selbstversorgung angesagt. „Freiwillige Helfer haben für uns Zelte aufgebaut und auf der Strecke waren immer wieder Posten mit Wasser, aber sonst mussten wir uns in den zehn Tagen selbst versorgen“, berichtet Gramm. „Dabei ist ein gute Planung und taktisches Denken erforderlich. Nach der Hälfte der Strecke hat man einen neuen Versorgungsbeutel erhalten, den man zuvor gepackt hatte. Da habe ich mir ein Motivation eingepackt: eine Dose Cola“, schwärmt Gramm. Dieser Tag fiel zufällig auf den 40. Geburtstag des Sportlers. Nicht nur die Cola war sein Geburtstagsgeschenk, sondern auch eine Dusche mit zwei Litern Wasser. „Durch mehrere Ausfälle war Wasser übrig, so durften die verbleibenden Teilnehmer zwei zusätzliche Liter Wasser nutzen und duschen – es ist unglaublich, was man alles mit zwei Litern Wasser anfangen kann. Ich kann das Gefühl kaum beschreiben, als das Wasser über meinen Körper floss“, erinnert er sich.

Luxus wie eine Toilette oder richtige Duschen gibt es im Outback nicht. Die Dusche war ein Beutel Wasser mit einem Eimer darunter und die Toilette ein Loch im Boden. „Man lernt unseren alltäglichen Hygienestandard wirklich mehr zu schätzen“, sagt der Sportler.

Doch besonders eines bleibt dem 40-Jährigen in Erinnerung: „Das großartige Team und der Zusammenhalt. Kein Konkurrenzdenken, jeder ist für jeden da. Und wer ausgeschieden ist, der hilft denen, die noch dabei sind.“ Einer der Gänsehautmomente war der Etappenzieleinlauf an Gramms Geburtstag: „Alle sangen ,Happy Birthday’ für mich. Es war so berührend, denn bereits an diesem Etappentag war ich sichtlich von den Anstrengungen gezeichnet.“

Brüche und Entzündungen

Mehrere Teilnehmer überstanden das Rennen nicht ohne Knochenbrüche. Gramm litt unter entzündeten Sehnen in den Sprunggelenken, bei der letzten Etappe, die mit 137 Kilometer zu Buche geschlagen hatte, sah er seine Knöchel nicht mehr, da diese so sehr angeschwollen waren. Gemeinsam mit seiner Zeltnachbarin Andrea Löw schaffte er diese Herausforderung jedoch. Die beiden Sportler liefen die ganze Nacht durch das australische Outback, am Highway entlang. „Irgendwo in der Ferne sahen wir eine Tankstelle, an der wir einen Halt einlegten. Ich lud Andrea und noch einen Teilnehmer auf eine Cola ein, gönnte mir noch eine kleine Dose Chips und einen Schokoriegel. Wir fühlten uns mit diesem ,Festmahl’ wie Könige“, sagt Gramm. Danach hieß es: „Durchbeißen bis zum Schluss“, denn die Körper beider Läufer schmerzten. „Wir liefen Hand in Hand durchs Ziel, diese Nacht war eine besondere“, so Gramm. Normalerweise sei man bei einem solchen Extremlauf eher alleine unterwegs und treffe nur kurz andere Teilnehmer. Dass er und Löw die letzte Etappe gemeinsam liefen, war eine Ausnahme. „Aber eine gute und glückliche, denn gemeinsam liefen wir von Check Point zu Check Point und motivierten uns gegenseitig, weiterzumachen.“

Die deutsche Zelt-WG beendete das Rennen und nicht nur das: Gramm landete auf dem zehnten Platz und wurde damit bester Deutscher.

„Zwölf Tage im australischen Outback waren unglaublich eindrucksvoll. Ich machte Grenzerfahrungen, lachte, hatte Schmerzen, überwindete Tiefs, schloss dieses unglaubliche Rennen erfolgreich ab und sammelte Erfahrungen für neue Abenteuer“, fasst Gramm dieses außergewöhnliche Rennen zusammen, trinkt einen Schluck seines Kaffees und erklärt: „Im Outback brühten Andrea und ich uns immer Instant-Kaffee, der war aber fast immer nur lauwarm und schmeckte nicht.“

Ein deutsches Medienteam begleitete den Sportler bei seiner Reise. Am 14. Juli um 17.10 Uhr wird Sascha Gramm in der „ZDF“-Reportage zu sehen sein.

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