Kinoscout-Rezension: Plötzlich Familie

Christopher Göbel betätigt sich diesmal als Kinoscout und hat sich den Film "Plötzlich Familie" angeschaut.

„Plötzlich Familie“ – ich hatte eine vage Vorstellung, was mich bei diesem Filmtitel im Kino erwarten würde. Grundsätzlich war es dann auch genau das, was ich mir vorgestellt hatte – jedoch erheblich unterhaltsamer. Das Ehepaar Ellie und Pete beschließt, ein Kind zu adoptieren. Dass es dann plötzlich drei werden – von denen eines ein Teenager ist – ergibt sich dann vor allem dadurch, dass die beiden sich schnell von anderen beeinflussen lassen.

Der Regisseur Sean Anders hat laut Angaben seiner Filmfirma seine eigenen Erfahrungen in „Plötzlich Familie“ verarbeitet. Dass das Leben als Patchwork-Familie mit einer renitenten Teenagerin, einem tollpatschigen Jungen und einem nichts als Kartoffelchips essenden Kindergartenkind nicht adhoc eine funktionierendes System ergeben kann, ist klar. Wenn dann auch noch die inhaftierte, drogensüchtige leibliche Mutter ins Spiel kommt, wird es noch schwieriger.

Man könnte den Film als Drama, aber auch als Komödie einstufen. Das sehr ernste Thema der Kinderadoption wird überspitzt dargestellt, auch wenn es solche „Adoptions-Messen“ tatsächlich gibt. Nach dem Ansehen des Filmes habe ich im Internet nachgeschaut. Ich bin tatsächlich auf Seiten gestoßen, auf denen man anhand einer „Wunschliste“ eine Auswahl an Kindern präsentiert bekommt, die zur Adoption zur Verfügung stehen. Ich wollte nicht glauben, dass es solche „Kinderkataloge“ wie sie im Film geschildert wurden, tatsächlich gibt.

Das ernste Thema, bei dem zahlreiche Klippen zu umschiffen sind und aus einer „Zweckverbindung“ echte Liebe wird, hat Anders in ein unterhaltsames, teilweise anrührendes, aber auch sehr hollywood-typisches Werk verpackt, das Lachmuskeln (vor allem beim Eltern-Gesprächskreis) und Tränendrüsen gleichermaßen anregt. Brillant spielen Rose Byrne und Mark Wahlberg das hin- und hergerissene Paar. Die Adoptionsvermittlerinnen werden hervorragend von Octavia Spencer und Tig Notaro gespielt und auch der Jung-Schauspielerin Isabela Moner nimmt man die pubertäre Lizzy auf jeden Fall ab.

„Plötzlich Familie“ funktioniert wie die meisten Familienkomödien aus US-amerikanischer Produktion. Doch viele – teilweise nur am Rande erwähnte – Kleinigkeiten tragen dazu bei, den Film sehenswert zu machen. Patchwork-Eltern werden ähnliche Erfahrungen mit dem Nachwuchs gemacht haben. Mich haben einige Momente sehr zum Nachdenken angeregt, was meine eigene Patchwork-Familie angeht. Und einiges kam mir sehr bekannt vor. Der Film ist auf jeden Fall sehenswert und unterhaltsam, aber lässt Raum für die Problematik einer Adoption und der großen Verantwortung, die damit einhergeht.

Kinoscout-Bewertung

Regie:

Sean Anders

Darsteller:

Rose Byrne, Mark Wahlberg, Octavia Spencer, Tig Notaro

Bundesstart:

31. Januar 2019

FSK:

6 Jahre

Kino-Scout-Bewertung:

5 von 5 Sternen

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