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Kirche für andere!

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VOGELSBERGKREIS. Kirche muss immer auch Kirche fr andere sein. Dies ist einer der Leitstze, die der sdindische Bischof

VOGELSBERGKREIS. Kirche muss immer auch Kirche fr andere sein. Dies ist einer der Leitstze, die der sdindische Bischof Dr. K.George Daniel am vergangenen Freitag dem Dekanatssynodalvorstand (DSV) des Evangelischen Dekanats Alsfeld vorstellte. East Kerala ist der Name der sdindischen Dizese, die seit vielen Jahren mit den Evangelischen Dekanaten Alsfeld, Vogelsberg (Lauterbach), Bdingen und Nidda in einer Kirchenpartnerschaft steht. Die Teilnahme an einer Konferenz der anglikanischen Kirche in Grobritannien ermglichte dem sdindischen Kirchenoberhaupt mit seiner Frau einen anschlieenden Kurzbesuch bei den Partnern im Vogelsberg. Weite Teile seiner Dizese, so stellte Daniel dem DSV dar, bestehen aus Tribal Areas. Hierbei handelt es sich um Siedlungen von indischen Ureinwohnern, die noch kaum ber eine Grundversorgung verfgen. Wenn Kirche immer auch Kirche fr andere ist, betonte Daniel, dann msse seine Dizese sich gerade in diesen Regionen engagieren. Dies sei umso wichtiger, da die Regierung von Kerala ihre Aufgaben hier gerade nicht erflle. So wrden zum Beispiel Ortschaften durch kirchliches Engagement mit Straen erschlossen. Dabei gehe die Dizese in zwei Schritten vor: ber unsere Kirchengemeinden richten wir einfache, befahrbarer Feldwege ein, erluterte Daniel. Ein Straenausbau sei durch seine Dizese nicht zu leisten. Doch ist der Feldweg erst einmal geschaffen, versuchen wir, die Regierung unter Druck zu setzen, diese Ortschaften mit ordentlichen Straen zu erschlieen. Gro ist das kirchliche Engagement auch im Schulwesen. Mit den 18 Schulen werden vor allem Kinder aus den niedrigsten indischen Kasten erreicht. Auch unterhlt die Dizese mit dem Henry Baker College in Melukavu die einzige weiterfhrende Schule fr Schlerinnen und Schler aus den Kasten der so genannten Dalits, der gebrochenen Menschen. Gerade im Schulbereich, so berichtete Daniel weiter, seien durch den Regierungswechsel in Kerala groe Probleme entstanden. Die neue kommunistische Regierung versuche, den Marxismus in die Schullehrplne zu integrieren. Sie spreche sich gegen jedes religise Bekenntnis aus und versuche zum Teil auch mit Gewalt, Menschen von Gottesdiensten fernzuhalten. Hindus, Muslime und die kleine Minderheit der Christen gingen gemeinsam gegen diese Politik der Regierung an. In der Folge des Regierungswechsels sei es der Kirche auch nicht mehr mglich, weitere Schulen einzurichten. Da aber auch die Regierung die Kinder der Kastenlosen und der indischen Ureinwohner vernachlssige, htten diese kaum Mglichkeiten fr eine schulische Ausbildung. Der einzige Ausweg besteht darin, an unseren bestehenden Schulen Internate einzurichten. Dorthin knnen dann auch Kinder aus Regionen kommen, die von der Regierung schulisch nicht versorgt werden und von der Kirche schulisch nicht versorgt werden drfen, klagt Bischof Daniel. In ihrem gesellschaftlichen Engagement arbeiteten Hindus, Moslems und Christen in der Region gut zusammen, antwortete Daniel auf die Frage nach dem Zusammenleben der Religionen. Da Hindus und Moslems jedoch wesentlich schlechter organisiert seien als die christliche Kirche, gingen die Impulse meist von seiner Dizese aus. Dass Kirche immer auch Kirche fr andere ist, verdeutlichte Daniel abschlieend an zwei Beispielen: Selbstverstndlich wird nicht nach der Religionszugehrigkeit der Menschen in den Siedlungen gefragt, die von der Dizese durch einfache Straen erschlossen werden. Ebenso selbstverstndlich stehen die Schulen der Dizese allen Kindern offen, unabhngig von deren Religion.

Und obwohl die Dizese East ber wenig Finanzmittel verfgt, bis in das Frhjahr 2008 hinein sogar hoch verschuldet war, ist sie auch in noch rmeren Gegenden auerhalb ihrer eigenen Region aktiv, so unter anderem in den Slum von Delhi. Wir haben mit den steigenden Lebensmittelpreisen zwar genug Probleme vor Ort, doch als Kirche gehrt Mission, das Engagement fr die noch rmeren, zu unseren wichtigsten Aufgaben.

Vertiefung der Partnerschaft

Bei weiteren Begegnungen mit Bischof Dr. Daniel und seiner Frau, der Kinderrztin Dr. Elizabeth Anne, wurden Projekte abgesprochen, die der Vertiefung und Erweiterung der Partnerschaft dienen: So werden die Kindergottesdienste Deckenbach/Schadenbach sowie Alsfeld jeweils eine Partnerschaft mit einer Sunday School, dem indischen Gegenstck zu den Kindergottesdiensten, in der sdindischen Partnerdizese aufnehmen. Nach Atzenhain/Bernsfeld wird es somit knftig drei Kindergottesdienst-Partnerschaften im Dekanat Alsfeld geben. Einen etwa achtwchigen Aufenthalt in Chelachuvadu plant ein Ehepaar aus dem Lauterbacher Raum. Bischof Daniel freut sich ber die zeitweilige Untersttzung durch die gelernte Krankenschwester in dem kleinen Krankenhaus der Dizese.

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