Kirche im Umbruch: Gespräch mit der neuen EKKW-Bischöfin Dr. Beate Hofmann

EKKW-Bischöfin Dr. Beate Hofmann im Gespräch mit der FULDA AKTUELL-Redaktion.
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EKKW-Bischöfin Dr. Beate Hofmann im Gespräch mit der FULDA AKTUELL-Redaktion.

Dr. Beate Hofmann ist Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und Repräsentantin von mehr als 800.000 evangelischen Christen. Wir trafen sie zu einem Redaktionsgespräch über aktuelle Themen.

Fulda - Der 9. Mai 2019 war der Beginn eines neuen Kapitels für die Professorin Dr. Beate Hofmann. Denn an diesem Tag wählte sie die Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) zur neuen Bischöfin und Nachfolgerin von Bischof Dr. Martin Hein. Sie hatte sich dabei gegen ihre Mitbewerberin Annegret Puttkammer aus Herborn durchgesetzt („Fulda aktuell berichtete).

Im Redaktionsgespräch mit unserer Zeitung sprach Dr. Beate Hofmann über Kirche, Gläubige, Ökumene und vieles weitere. „Ich wollte Kirche in Zeiten des Umbruchs begleiten und mein theoretisches Wissen in der Praxis erproben“, so die Bischöfin über ihre Beweggründe, zur Wahl anzutreten. Sie sei im Urlaub von einem Bekannten mit der Frage überrascht worden, ob dieser sie als Kandidatin vorschlagen dürfe. Ein paar Tage des Nachdenkens nahm die damalige Professorin für Diakoniewissenschaft und Diakoniemanagement an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel sich Zeit. „Das Nachdenken hat ganz neue Energien freigesetzt“, sagt sie, ehe ihr Entschluss feststand.

Vorstellung in den Kirchenkreisen

Doch vor der Wahl standen viele Etappen der Vorstellung im Gebiet der „EKKW“, das von Hanau über Fulda, die Landkreise Hersfeld-Rotenburg, Schwalm-Eder, Werra-Meißner und Marburg bis nach Kassel reicht. Auch Schmalkalden in Thüringen gehört dazu. „Ich dachte zunächst, dass es bei der ,EKKW‘ infrage gestellt würde, dass zwei Frauen von außen sich um dieses Amt bewarben. Dem war aber nicht so“, erzählt die Bischöfin. Als „Wahlschwestern“ bezeichneten Hofmann und Puttkammer sich selbst. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass die Wahl durch die Landessynode so schnell und eindeutig entschieden würde.“

Seit ihrem Amtsantritt macht sich Hofmann mit „ihrer“ Kirche vertraut, lernt die Gremien kennen, die die Landeskirche leiten, und hat inzwischen die meisten Antrittsbesuche absolviert – unter anderem beim Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier und bei ihrem katholischen Amtsbruder Dr. Michael Gerber in Fulda (wir berichteten). „Ich sammele beim Erkunden des Gebietes Eindrücke und innere Bilder, lerne viele Menschen kennen und mein Besuch wird in den Gemeinden als Chance begriffen“, so Hofmann. Ihr aktuelles Projekt nennt sich „Ein Tag in jedem Kirchenkreis“, bei dem sie von Februar bis Oktober jedem der 14 Kirchenkreise einen Tag lang für Gespräche zur Verfügung stehen möchte. Bisher habe sie in den Kirchengemeinden offene Türen vorgefunden und viel Respekt erfahren.

Keine "Alles-Bestimmerin"

„Es ist erstaunlich, wie wichtig eine Bischöfin eigentlich ist“, schmunzelt sie. Aber: „Eine Bischöfin ist keine Alles-Bestimmerin“, sagt Hofmann. Die 86 Mitglieder zählende Landessynode sei das wichtigste Gremium der „EKKW“, sie sei die Repräsentantin der rund 800.700 evangelischen Christen in der „EKKW“. Bereits vor ihrem Amtsantritt war von der Landessynode beschlossen worden, die bisher 28 Kirchenkreise auf 14 zu verringern. „Der Sinn dahinter ist, Dinge zusammenzuführen und Strukturen „zu verschlanken“. Auf die Gemeinden hat das erst einmal überhaupt keinen Einfluss“, versichert Hofmann. Grund für diesen Schritt sei der Schwund der Gläubigen. Die Fusionen böten neue Möglichkeiten, effizient zu arbeiten

Kirche in Bewegung

„Unsere Kirche ist in Bewegung und im Umbruch“, so Bischöfin Hofmann. „In unserer heutigen Zeit ist die Kirche der Fels in der Brandung, der in einer rasch verändernden Welt Halt gibt“. Manches müsse sich jedoch auch in der Kirche verändern. Die Kirche sei eine wichtige Säule vor allem in ländlichen Gebieten. Auch wenn Pfarrstellen gestrichen würden, dürften in der evangelischen Kirche auch Laien wie Lektoren und Prädikanten Gottesdienste abhalten. „Wenn ein Pfarrer geht, stirbt die Gemeinde nicht“, ist Hofmann überzeugt. Sie habe auch Gemeinden kennengelernt, die durch die Abwesenheit eines Pfarrer aufgeblüht seien.

Die Aufgabe der Kirche sei es, in Kontakt mit den Menschen zu kommen und zu bleiben. Hofmann nennt unter anderem kirchliche Bildungseinrichtungen oder Kliniken als Beispiele dafür, dass es kirchliche Angebote nicht nur in den Gemeinden gibt. Auch das Internet sei ein Ort, der heute zur Verbreitung des Evangeliums geeignet sei. „Eine Organisation, die auf die Vergangenheit fixiert ist, ist nicht zukunftsfähig“, so die Bischöfin.

Ökumene-Jahr 2021

Die Ökumene sieht Hofmann als Herausforderung. 2021 sei das Ökumene-Jahr mit dem „Ökumenischen Kirchentag“ in Frankfurt, und auch für den „Hessentag“ in Fulda gebe es bereits Überlegungen, wie sich die evangelische und die katholische Kirche gemeinsam präsentieren könnten. „Ich bin mit einem Katholiken verheiratet und war in meiner bayerischen Heimat auf einer katholischen Klosterschule. Meine Eltern waren beide evangelische Religionslehrer. Die Ökumene zieht sich durch mein ganzes Leben“, so Hofmann. „Ökumene ist die weltweite Kirche mit unterschiedlichen Prägungen. Es gibt aber auch ganz klare gemeinsame Anliegen. Und das sind soziale Belange“, konstatiert die Bischöfin. Auch in Momenten, die schwer zu fassen sind, suchen die Menschen laut Hofmann Halt in der Kirche. „Als die Anschläge in New York passierten, gab es beispielsweise einen spontanen Gottesdienst in München.“

„Kirche muss politisch sein“, ist die Bischöfin überzeugt. Gemeinsam mit vier Kollegen hat sie am Tag der Wahl von Thomas Kemmerich als Ministerpräsident von Thüringen ein Schreiben unterzeichnet: „Aus christlicher Sicht darf es keine Regierung unter Mitwirkung von Rechtsextremisten geben“, heißt es darin beispielsweise. Hofmann befürwortet Neuwahlen im Nachbarbundesland. „Bei solchen Themen machen wir uns als Kirche schuldig, wenn wir schweigen“, konstatiert sie. Das Taktieren und Austricksen gewisser Politiker in Thüringen habe die „politische Kultur beschädigt“.

Zeit, um Dinge zu verarbeiten

Heute sollten die Menschen trotz „social media“ und Internet nicht immer direkt reagieren, sondern sich die Zeit nehmen, Dinge zu verarbeiten und dann mit Bedacht aktiv werden. „Kirche gibt auch Orientierung gegenüber den Populisten“, sagt Bischöfin Hofmann. „Wir leben in Zeiten, in denen es keine einfachen Antworten gibt. Wir als Kirche haben die Aufgabe, mit Ambivalenzen umgehen zu können.“

Die Pläne der Bischöfin für die nächste Zeit sehen vor, einen Runden Tisch gegen Rechtsextremismus ins Leben zu rufen. „Denn auch in unseren Kirchen sind Menschen, die politisch rechts stehen.“ Damit möchte sie unter anderem diejenigen schützen, die eingeschüchtert werden.

Zudem möchte Bischöfin Hofmann „Sorgenetze“ gründen, damit sich Menschen um andere kümmern, die ansonsten alleine im Leben stehen. „Ich ,sammele‘ gerade Projekte, Menschen und Initiativen, um Wege zu finden, damit sich die Menschen nicht abgehängt fühlen. Ich möchte, dass wir gemeinsam auffangen können, was Familien heutzutage nicht mehr leisten können.“

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