Klartext: Ärztepfusch

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Unsere Redakteurin Jennifer Sippel hat sich mit Behandlungsfehlern bei Patienten beschäftigt.

Früher war alles besser. Das Leben war nicht so teuer, es gab keine genmanipulierten Lebensmittel und keine Zivilisationskrankheiten. Und: Ärzte waren allwissende Halbgötter in weiß, denen die Patienten ihr körperliches Heil bedenkenlos anvertrauten. Das sind sie heutzutage nicht mehr. Viele Patienten googlen schon bevor sie zum Arzt gehen, welche Krankheit sie haben könnten oder recherchieren die besten Behandlungsmethoden. Das Vertrauen der Patienten scheint also nicht rückhaltlos zu sein.

Und nun beschäftigt uns eine Zahl: 3.700. So viele Behandlungsfehler hat es im Jahr 2013 in Deutschland gegeben. Das scheint, wenn man bedenkt, dass jährlich rund 700 Millionen Mal Patienten behandelt werden, nicht viel zu sein. Wenn man allerdings die Einzelschicksale betrachtet, ist die Zahl um genau diese 3.700  Fälle zu hoch. Jeder Behandlungsfehler ist einer zu viel. 3.700 Mal sind Patienten geschädigt worden.

Wenn statt des linken Knies das rechte arthroskopiert wird, wenn bei einer Operation das Skalpell im Körper vergessen wird, wenn durch mangelnde Hygiene ein gefährlicher Keim in eine Wunde eindringt, oder vor einem schweren Eingriff übersehen wird, dass der Patient Medikamente nimmt, die Komplikationen auslösen können. Dann zeigt das, dass noch sehr viel in deutschen Krankenhäusern verbessert werden muss.

Ärzte sind natürlich auch nur Menschen und Menschen machen Fehler. Aber wenn Journalisten oder Handwerker Fehler machen, hängen da meist keine Menschenleben dran.Es gibt bereits Möglichkeiten, viele Fehler zu vermeiden.

Zum Beispiel gibt es Operations-Checklisten der "Weltgesundheitsorganisation" für die Patientensicherheit – ein einfacher Fragenkatalog, durch den Fehler rund um einen operativen Eingriff verhindert werden können.  Leider werden diese Checklisten jedoch nicht flächendeckend in Deutschland eingesetzt.

Ein erster Schritt wäre meiner Meinung nach, dass diese Checklisten Pflicht in sämtlichen Krankenhäusern werden. Statt eifrig Zahlen zu skandalisieren, sollten sich Ärzte, Kassen, Kliniken und Politik um solche Themen kümmern. Zu tun gibt es genug - egal wie viele Behandlungsfehler es gibt.

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