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Klartext: Alkohol und Jugend - Wahrheiten über das Trinken

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Alkoholsucht
Alkoholsucht © Pixabay

Klartxt darüber, ob Alkohol, wie es der Drogenbeauftragte der Bundesregierung Burkhard Blienert fordert, erst ab 18 Jahren verkauft werden sollte.

Drogenbeauftragte der Bundesregierung führen gemeinhin ein eher unspektakuläres politisches Leben und erregen selten durch ihre Äußerungen Aufmerksamkeit. Dies ist diesmal glücklicherweise anders, denn der Vorschlag von Burkhard Blienert wird heftig diskutiert. Der SPD-Mann, erst seit Mitte Januar 2022 im Amt, hat den Vorschlag gemacht, über eine Neuregelung nachzudenken, wie es mit der Abgabe von Alkohol an Jugendliche aussieht. Für Blienert sprechen viele medizinische Argumente dafür, das Kaufalter für Bier, Wein und Schaumwein auf 18 Jahre zu erhöhen: „Was politisch möglich ist, werden wir sehen. Was jedenfalls so gar nicht geht, ist das so genannte begleitete Trinken“, hat er gegenüber der „Welt“ geäußert.

Ich muss sagen: Recht hat er! Alleine die Formulierung „Begleitetes Trinken“ bewirkt, dass sich mir die Nackenhaare aufstellen, zumal die Assoziation zum „Begleiteten Fahren“ naheliegend ist. In der Praxis bedeutet dies, dass laut Jugendschutzgesetz Heranwachsende ab 14 Jahren im Beisein einer sorgeberechtigten Person Bier, Wein oder Schaumwein trinken dürfen.

Der Drogenbeauftragte hatte seinen Vorstoß gut getimt, war doch gerade der so genannte „Dry January“ zu Ende gegangen, denn seit zwei Jahren macht diese „Challenge“ von sich reden. Wer mitmacht, der hat sich zum Ziel gesetzt, den Januar über auf Alkohol zu verzichten – „trocken“ zu bleiben. Warum das so wichtig ist, mögen Daten des Statistischen Bundesamtes zum Alkoholkonsum unter jungen Menschen verdeutlichen: 2019 wurden rund 14.500 Minderjährige wegen akuten Alkoholmissbrauchs im Krankenhaus stationär behandelt. Rund 22 Prozent der vom Alkoholmissbrauch betroffenen Kinder und Jugendlichen waren demnach jünger als 15 Jahre. Besonders in der sehr jungen Altersgruppe waren die Zahlen gestiegen: Insgesamt wurden 2019 rund 3.200 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 15 Jahren im Krankenhaus mit einer Alkoholvergiftung behandelt. Das war ein Anstieg um 8,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Alkohol gehört in unserer Gesellschaft zu den legalen Suchtmitteln und vielfach zum „guten Ton“ mit dazu. In Deutschland trinken 90 Prozent der Bürger Alkohol – mit oft fatalen Folgen, denn laut dem „Jahrbuch Sucht 2019“ sterben in diesem Lande jährlich rund 74.000 Menschen an den Folgen ihres Alkoholkonsums.

Lob und Achtung gebühren denjenigen, die es zumindest versuchen, für eine Zeit auf Alkohol zu verzichten. Denn erst ein solcher Schritt zeigt oftmals auf, wie abhängig jemand vielleicht schon von dem Suchtmittel ist, das die perfide Eigenschaft besitzt, auf der einen Seite positiv rauschhaft zu wirken, auf der anderen Seite aber im Stande ist, den Trinker selbst und dessen Familie zu zerstören.

Um zum Anfang zurück zu kommen: Blienert tut gut daran, in seine Überlegungen auch andere „weiche“ Drogen wie beispielsweise Tabak einzubeziehen. Interessant aber wird es sein, wie es mit der Debatte um eine Legalisierung von Cannabis weitergeht. Denn neben der Alkoholproblematik ist in Deutschland die Behandlungsnachfrage im Suchtbereich explosionsartig gerade dort gestiegen ist, wo Cannabis im Spiel ist.

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