Klartext: Die Axt im Amte

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Eine Meldung hat mich wieder geschockt: Am Mittwoch wurde eine 32-jährige Mitarbeiterin des Jobcenters Neuss von einem Kunden niedergestochen und v

Eine Meldung hat mich wieder geschockt: Am Mittwoch wurde eine 32-jährige Mitarbeiterin des Jobcenters Neuss von einem Kunden niedergestochen und verstarb kurz darauf. Das ist nicht der einzige Vorfall. In den vergangenen Jahren hat sich mehrmals Gewalt in Arbeitsagenturen und Jobcentern gezeigt: 2007 bedroht eine Frau zwei Mitarbeiter, 2009 bricht ein Kunde einem Sicherheitsmann zwei Finger, Faustschläge, Tritte, Zerstörung von Büromöbeln ... wozu treibt die Arbeitslosigkeit manche Menschen? Warum eskalieren Forderungen nach finanziellen Hilfen oder Arbeit in solchem Maße?

Natürlich ist es schlimm, mit noch weniger auszukommen, wenn man schon wenig hat, aber es rechtfertigt in keiner Weise Gewalt gegen Menschen, die nichts anderes als ihren Job tun. Solche Vorfälle schüren die Volksmeinung, dass Arbeitslose und Hartz-IV-Empfänger gewalttätig seien, dass sie nur auf Staatskosten lebten und dass sie sowieso nichts arbeiten wollen. Zum Glück handelt es sich dabei um Einzelfälle, die tragisch genug sind. Aber alle Kunden der Jobcenter und Arbeitsagenturen über einen Kamm zu scheren, geht nicht.

Wie kann man solche Situationen verhindern? Wenn ich Mitarbeiter einer der Institutionen unseres Sozialstaates wäre, wüsste ich gar nicht, wie ich jeden Morgen an meinen Arbeitsplatz gehen sollte, wenn mich immer die Angst begleitet, welcher "Verrückte" heute mit einer Waffe vorbeikommen könnte, wenn ich ihm Geldleistungen streiche. Nun müssen die Ämter selbst tätig werden, um ihre Mitarbeiter zu schützen. Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit, aber im Fall, bei dem der Kunde mit einer Axt ins Büro gelangte, frage ich mich schon, wie das passieren konnte. Sicherheits-Checks am Eingang, wie es sie beispielsweise bei Gerichten gibt, wären vielleicht eine Maßnahme.Das hätte zwar zur Folge, dass sich alle Kunden wie Schwerverbrecher fühlen müssten, aber der Schutz von Menschenleben geht doch in jedem Fall vor! Wir können ja froh sein, dass wir nicht in den waffen-liberalen USA leben, sonst wären wahrscheinlich schon viel mehr Staatsdiener getötet worden. Wie ich meiner Tochter immer sage: "Gewalt ist niemals eine Lösung!" Und das sollten sich alle hinter die Ohren schreiben. Denn eines ist klar: Die Schuld an Kürzungen oder Sanktionen liegt in den seltensten Fällen bei den Arbeitsvermittlern, sondern beim Fehlverhalten der Kunden.

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