Klartext: Mir ist angst und bange

Fulda aktuell-Redakteurin Antonia Schmidt beschäftigt sich mit den Gewaltentaten hinter denen Fremdenhass stecken soll.

Was aus vermeintlich „harmlosem“ Kneipengelaber werden kann, zeigte sich am Montagmittag in Wächtersbach. Ein 55-Jähriger schoss mehrfach auf einen Eritreer, verletzte ihn schwer und ging danach wieder in die Kneipe, um sich nach einigen Bieren selbst zu richten. „Wenn ich gehe, nehme ich einen Ausländer mit“, soll der mutmaßliche Täter bereits seit einem Jahr in seiner Stammkneipe ankündigt haben. Jetzt hat er diesen Worten Taten folgen lassen. Seine Umgebung nahm diese Selbst- mord- und Morddrohung nicht ernst. Der Eritreer überlebte das Attentat nur knapp, das Leben des 26-jährigen Familienvaters konnte durch eine Not-OP gerettet werden. Der Hintergrund der Tat soll Fremdenfeindlichkeit sein. Nicht nur diese Tatsache bereitet mir Sorgen, sondern auch, dass ein Mensch mit Selbstmordgedanken nicht ernst genommen wurde. Hass und Hetze haben mittlerweile einen Platz in unserer Gesellschaft gefunden. Fremdenfeindlichkeit und Ausländerhass ist nicht nur bei Rechtsextremen zu finden, sondern auch beim Nachbarn von nebenan. Aus diesem Hass kann, so zeigt auch der Fall des ermordeten Regierungspräsidenten Dr. Walter Lübcke, Gewalt werden, die schnell in einen Tötungsakt münden kann. Wenn ich darüber nachdenke, wird mir übel. Unverständnis macht sich in mir breit. Früh habe ich mich mit dem Thema Rechtsextremismus beschäftigt. Das „Tagebuch der Anne Frank“ war eine meiner Lieblingslektüren, die Zerstörungswut des Fremdenhasses machte mir damals bereits Angst. Wenn ich die Schlagzeilen aus unserem Nachbarkreis, dem Main-Kinzig-Kreis, lese wird mir angst und  bange.

Ich hoffe, dass auch diejenigen diesen Kommentar lesen, die Hass und Hetze verbreiten und aufwachen. Aufwachen von der Vorstellung, dass Ausländer schuld am eigenen Versa- gen und Unglück sind. Mir macht es Angst, dass der Hass in unserer Gesellschaft an- gekommen ist, dass es Parteien erlaubt ist Angst und Hass zu schüren. Erinnert diese Art der „Politik“ doch stark an die der NSDAP: Mit einem Feindbild die Masse aufhetzen. Leider hat dies (schon wieder) Erfolg. Wie soll dieses Spiel noch weitergehen? Ich möchte es mir nicht ausmalen. Der Rechtsextremismus hat in der Mitte der Gesellschaft Einzug gehalten – und wir schauen alle dabei zu. Jetzt ist es an der Zeit, ein Zeichen gegen Hass, Hetze und Extremismus zu setzen. Jetzt ist es an der Zeit, nicht mehr zu akzeptieren, dass es Menschen gibt, die „die da“ als Ausrede für ihr eigenes Versagen nutzen. Dabei sind noch nicht mal große Aktionen nötig: Zeigen Sie ihrem Nachbarn, dass sie gegen Rechtsextremismus sind. Zeigen Sie, dass Sie für die Demokratie und unsere Grundgesetze einstehen.

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