Klartext: Ausfallerscheinungen im Berufsleben

Krankmeldungen - sind sie wirklich immer echt? Redakteur Christopher Göbel macht sich anlässlich des Ausfalls von zahlreichen Flugpiloten seine Gedanken.

„Air Berlin“ – einst die zweitgrößte Fluggesellschaft des Landes – kommt nicht aus den Schlagzeilen. Die Vorgänger-Firma „dba“ gehörte anteilig bis 2006 dem Grebenhainer Unternehmer Lutz Helmig. Heute scheint „Air Berlin“ ein Scherbenhaufen zu sein – trotz eines Überbrückungskredits mit Bundesbürgschaft von 150 Millionen Euro vor wenigen Wochen. Jetzt haben sich zahlreiche Piloten und Co-Piloten krankgemeldet. Am Dienstag sollen es 200 gewesen sein, am Mittwoch 149. Was das für den Flugverkehr bedeutet, ist ja klar: Streichung, Ausfall, verärgerte Passagiere. Deren Verärgerung kann ich gut nachvollziehen, denn für einen Großteil von uns „Normalbürgern“ ist eine Flugreise keine Selbstverständlichkeit, sondern etwas, auf das wir lange sparen müssen und uns lange darauf freuen. Wenn dann der Flug nicht stattfindet, dann kommen Ärger und Enttäuschung ganz automatisch.

Kein Trost für Passagiere

„Nach den zahlreichen Krankmeldungen von ,Airberlin'-Piloten erwartet ,Airberlin’ auch für den 13. September 2017 Beeinträchtigungen im Flugbetrieb. Wir bedauern die Unannehmlichkeiten für unsere Gäste.“ Das steht auf der Website der insolventen Fluggesellschaft. Passagiere sollten sich im Internet informieren, ob ihr Flugzeug tatsächlich abhebt. Das ist auch kein Trost, muss ich sagen. Warum aber meldeten sich so viele krank? Angeblich aus Angst um ihren Job. Aber ist das der richtige Weg? Laut „Air Berlin“ belaufen sich die Kosten dieser Aktion auf fünf Millionen Euro pro Tag. So kann man das marode Unternehmen von innen weiter kaputt machen.

Irgendwie ist das auch eine Art Pilotenstreik, auch wenn vielleicht der ein oder andere Pilot tatsächlich krank ist. Bei so vielen Krankmeldungen auf einmal darf man schon zweifeln. Krankmeldungen sind sowieso immer unschön für den Arbeitgeber und auch für die Kollegen.

Krankmeldungen kurz vor Firmenaustritt?

Auffällig ist es, wenn Mitarbeiter sich krankmelden, wenn klar ist, dass sie ein Unternehmen in absehbarer Zeit verlassen werden. Ich bin der Meinung, dass man seine Arbeitskraft auch bis zum letzten Arbeitstag einsetzen sollte, auch wenn die „innere Kündigung“ schon lange in einem schwelt. Man wird bis zum Vertragsende bezahlt, somit hat der Arbeitgeber auch ein Recht darauf, dass man bis zum Ende mitarbeitet.

Wenn jemand freigestellt wird, um sich auf neue Aufgaben zu konzentrieren, ist das natürlich vollkommen legitim. Aber so ein „unsauberer Abgang“ ist meiner Meinung nach nicht die feine englische Art. Und doch passiert es häufig. Diese Nach-mir-die-Sintflut-Einstellung ist nicht meine. Das hat etwas mit Firmenloyalität, Arbeitseinstellung und nicht zuletzt Solidarität mit den Kollegen zu tun. Was aber nicht heißen soll, dass man sich unbedingt krank zur Arbeit schleppen sollte. Krankgeschrieben ist krankgeschrieben.

Allen, die wirklich gerade eine Erkältung oder andere Gebrechen mit sich herumtragen, wünsche ich auf diesem Wege eine gute Besserung ;-) !

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