Klartext: (Bald) Allein zu Haus (?)

Redakteur Christopher Göbel über die Ideen des Juso-Chefs Kevin Kühnert.

Sie kennen doch bestimmt den Film „Kevin allein zu Haus“ aus dem Jahr 1990. Ein Jahr älter ist der Juso-Bundesvorsitzende Kevin Kühnert. Bald allein sein könnte auch dieser Kevin, der in einem Interview mit der „Zeit“ unter anderem forderte, große Unternehmen zu kollektivieren. Das klingt ein bisschen nach Sozialismus.

Auch was er zum Thema Wohneigentum sagte, erinnert an die Lehren von Karl Marx: Jeder solle nur das besitzen, was er selbst zum Wohnen braucht. Das hat natürlich im Europawahlkampf vor allem die Gegner der Roten auf den Plan gerufen. Und nicht nur die. Auch aus den eigenen sozialdemokratischen Reihen regt sich reger Widerspruch. Doch was will Kühnert eigentlich erreichen? Die SPD nach links rücken, eine eigene jung-sozialistische Sichtweise der Welt propagieren oder sich einfach im Gespräch halten? Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es auch ein wenig „Rache“ an den ministerialen Parteikollegen, denn nach der vergangenen Bundestagswahl war Kühnert einer der lautesten Gegner einer Großen Koalition. Damit scheiterte der 29-Jährige zum ersten Mal.

Europawahl

Das zweite Mal dürfte sich nun anbahnen, denn wenn die SPD bei der Europawahl am 26. Mai – wie bei den meisten Wahlen der jüngeren Vergangenheit – im unteren zweistelligen Bereich herumdümpelt, dann können die „Sozen“ wenigstens mit dem Finger auf den Juso zeigen und sagen: „Der hat es uns versaut.“ Mag sein, dass sie damit zumindest zum Teil richtig liegen. Die Ideen Kühnerts sind nicht neu. In vielen Ländern wurden sie in Zeiten des Sozialismus umgesetzt. Noch gibt es sozialistische Gesellschaften – oder sollte man sagen: Regime – doch die erfreuen sich in der Weltgemeinde meist keiner allzu großen Beliebtheit. „VEB BMW“ ist einfach nicht mehr „in“. Und es ist auch nicht umsetzbar. Nicht in unserer heutigen, vom Kapitalismus geprägten Gesellschaft.

Denkanstoß gegeben

Wenn man sich anschaut, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer größer wird, wie es den meisten Menschen zwar nach den Zahlen auf dem Papier zwar gut geht, aber am Monatsende doch am Essen gespart werden muss, während die Reichen ihr Geld auf den „Cayman Islands“ bunkern, dann sollte jedem klar sein, dass sich etwas ändern muss. Vielleicht hat Kühnert einfach nur überspitzt ausgedrückt, was in unserem Land heute ein Problem ist. Vielleicht waren es die falschen Worte zur falschen Zeit, die jetzt den Sturm der Entrüstung über den Juso-Vorsitzenden entfacht haben.

Diejenigen von CSU und FDP, die gerade am lautesten schreien, sollten statt Schelte lieber selbst über Alternativen nachdenken, um unsere Gesellschaft wieder auf Vordermann zu bringen. Was Kevin Kühnert kurz nach Ostern zumindest geschafft hat: Höhere Parteiämter – zumindest in der SPD – dürften ihm nun für lange Zeit verwehrt bleiben. Sozialdemokratie ja – aber Sozialismus wird in Deutschland 30 Jahre nach der Wiedervereinigung kaum Befürworter finden.

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