Klartext: Aus Barmherzigkeit?

Die Spendenbereitschaft für den Wiederaufbau von Notre Dame ist groß. Warum das so ist hinterfragt Fulda aktuell-Redakteurin Antonia Schmidt in ihrem Kommentar.

Auch mich hat der Brand von Notre Dame geschockt, denn die Kathedrale steht auf der Liste der Orte, die ich in meinem Leben einmal gesehen haben möchte. Allein aus diesem Grunde, weil der „Glöckner von Notre Dame“ einer meiner Lieblingsfilme zu Kinderzeiten war. Und ja, auch ich bin der Meinung, dass dieses gotische Gebäude wieder aufgebaut werden muss. Die Spendenbereitschaft ist riesig. Kurz nach dem Brand waren es bereits rund 700 Millionen Euro, die für die Kathedrale, die sich im Staatsbesitz befindet, zusammengekommen sind – nun soll der Betrag auf 900 Millionen Euro angestiegen sein. Wow, das ist eine Menge Geld.

Rund 500 Millionen Euro werden von französischen Unternehmerfamilien gespendet. Da sind zum einen die Familie Arnault, die die Unternehmensgruppe „LVMH“ („Moët“, „Hennessy“ , „Louis Vuitton“) besitzt, dann die Familie Bettencourt-Meyers („L'Oréal“) und die Familie Pinault („Gucci“, „Yves Saint Laurent“, „Balenciaga“). Der Ölkonzern „Total“ legt weitere 100 Millionen Euro drauf. Das macht rund 600 Millionen Euro von fünf Spendern – unfassbar. Der Vatikan übrigens soll angeblich nichts für das römisch-katholische Gotteshaus spenden, das innerhalb von fünf Jahren soll die Kathedrale wieder aufgebaut werden soll.

So schön und toll die Spendenbereitschaft für dieses Gebäude auch ist, stimmt mich diese auch nachdenklich. Denn Notre Dame ist ein Gebäude, natürlich von kulturellen und geschichtlichem Wert, aber eben „nur“ ein Gebäude. Ich würde mich freuen, wenn die Barmherzigkeit der Reichen beziehungsweise Superreichen auch einem anderen „Gebäude“ zu Gute kommen würde, nämlich unserer Erde. Denn ohne dieses „Gebäude“ nützt auch der Aufbau der Kathedrale in Paris nichts mehr. Die Ex-„Baywatch“-Darstellerin Pamela Anderson hat kürzlich eine Spendengala in Frankreich für Kinder verlassen. Grund dafür war die Ankündigung, die Hälfte der Spenden für den Wiederaufbau von Notre Dame zu verwenden. Dieses Mal kann ich sagen: „Pamela, ich kann dich verstehen.“ Jeder soll spenden, für wen oder was er möchte, aber wenn Gelder plötzlich für andere Zwecke eingesetzt werden sollen, würde ich auch, die Veranstaltung verlassen. Zumal wir uns alle einig sind, dass Kinder (unsere Zukunft) das Geld dringender benötigen als ein altes Gebäude. Ebenso absurd: Seit fünf Monaten protestieren die „Gelbwesten“ in Paris für mehr soziale Gerechtigkeit und niedrigere Steuern. Die Armen würden immer armer werden. Wieso wird für diese Menschen kein Geld in die Hand genommen?

Vielleicht treibt die Rekordspender-Familien aber auch etwas anderes an. Denn denjenigen die ermöglicht haben, dass eines der Wahrzeichen der europäischen Kultur wieder aufgebaut wird, denen winkt sicherlich ein Platz in den Geschichtsbüchern.

Oder denken Sie wirklich, es ginge beim Spenden immer nur um das Glück der Bedachten? Oder geht es doch nur, um im Bilde des Franzosen zu bleiben, um Prestige?

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