Klartext: Bauch-Landung

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Es klingt wie ein schlechter Witz: Den ersten Flieger vom gerade eröffneten Regionalflughafen Kassel-Calden hatten sechs (!!!) Passagiere gebucht.

Es klingt wie ein schlechter Witz: Den ersten Flieger vom gerade eröffneten Regionalflughafen Kassel-Calden hatten sechs (!!!) Passagiere gebucht. Gut, wäre es eine Cessna gewesen, die ihren Jungfernflug vom neuen Flughafen hätte absolvieren sollen, wäre das okay gewesen. Aber es sollte ein Charterflug ins türkische Antalya sein. Die sechs Hanseln durften nun am Tag nach der Eröffnung Caldens vom nur 70 Kilometer entfernten – aber immerhin schon etablierten – Flughafen Paderborn in den Urlaub starten.

Verkehrs-Großprojekten in diesem unserem Lande ist derzeit kein großes Glück beschieden. BER und Stuttgart21 sind die besten Beispiele dafür, wie Millionen über Millionen in den Sand gesetzt werden können, wie Fehlplanungen in Politik und Geschäftsführung zum Eklat führen können. Kassel-Calden wurde zwar pünktlich eröffnet, ist aber seit Beginn der Planungen mehr als 200 Millionen Euro teurer geworden. Wofür? Braucht man im strukturschwachen Nordhessen, in dem die Arbeitslosigkeit hoch, die Infrastruktur gelinde gesagt ausbaufähig und die Kaufkraft deutlich geringer ist als beispielsweise im Rhein-Main-Gebiet einen Flughafen? Einen, der laut dem hessischen Finanzminister jährlich 660.000 Passagiere bräuchte, um profitabel zu sein. Der Minister ist übrigens zufällig auch noch der Aufsichtsratschef von Kassel-Calden. Einige Flughäfen und Großflughäfen liegen um den neuen Flughafen herum, als da wären Paderborn, Erfurt, Rhein-Main und Hannover – alles Start- und Landeplätze, die von den reisefreudigen Nordhessen bereits seit Jahren angefahren werden, wenn es in die weite Welt gehen soll.

Der Flughafen Kassel-Calden müsste ein Alleinstellungsmerkmal haben, um Passagiere zu locken. Und das hat er nicht – zumindest noch nicht. Das Ganze ist nicht privat finanziert, sondern wird zu hundert Prozent von öffentlicher Hand getragen: Das Land Hessen hält 68 Prozent, die Stadt Kassel und der Landkreis Kassel jeweils 13 und die Gemeinde Calden 6 Prozent. Als Prestigeobjekt musste Calden wohl noch im Hessen-Wahljahr an den Start gehen – und es war eine Bauchlandung. Auch wenn Volker Bouffier im nordhessischen Wahlkampf sicherlich medienwirksam dort landen wird, bleibt Calden vorerst ein Millionengrab – leider.

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