Klartext: Be-scheuer-t ... zu geplanten Tempolimits

Redakteur Christopher Göbel und die Diskussion um generelle Tempolimits auf Autobahnen und Bundesstraßen.

Autofahren – wenn es um dieses Thema geht, dann kochen schnell Emotionen hoch. Da gibt es die, die ihren Wagen als Statussymbol sehen, jede freie Minute in Pflege und Tuning des „Lieblings“ stecken. Dann gibt es diejenigen, die zwar ein Auto haben, dies aber nur dann nutzen, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Und dann gibt es auch noch diejenigen, die ihr Vehikel als Nutzgegenstand ansehen, der dafür da ist, sie auf möglichst bequeme Art von A nach B zu bringen. Ich selbst gehöre zur letzten Kategorie.

Mein Auto soll zwar sicher sein, aber es ist ein Durchschnittswagen mit Durchschnittsfarbe und Durchschnittsmotorisierung – eben ein Familienmobil. Wert lege ich aber auf gewisse moderne Sicherheitsmerkmale, denn erstens fahre ich als Pendler selbst relativ viel, habe aber auch oft meine Familie an Bord.

Die Verkehrskommission, die Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ins Leben gerufen hat, brachte nun den Vorschlag ein, ein allgemeines Tempolimit von 130 Stundenkilometern auf deutschen Autobahnen einzuführen. Scheuer sagte umgehend, dass diese Idee „gegen jeden Menschenverstand“ sei. Damit hat er seine eigene Kommission quasi als Deppenverein hingestellt. Sowas tut man nicht. Denn auch wenn Scheuer der Autolobby gerne den Hof macht, so darf er nicht vergessen, dass es Ziele gibt, die CO2-Emissionen zu senken. Und zwar keine obligatorischen, sondern zwingende Ziele.

Es ist klar, dass das Erreichen dieser Ziele durch Tempolimits alleine nicht möglich ist. Zusammen mit anderen Maßnahmen wie stellenweiser Maut, Ausbau des Personen-Nahverkehrs oder eine höhere Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene könnten sinnvoll sein, mehr für die Umwelt zu tun. Alle diese Möglichkeiten liegen beim Verkehrsministerium.

Warum Scheuer so vehement gegen ein generelles Tempolimit eintritt, ist mir nicht klar. Denn weniger Raserei auf den Autobahnen hätte einen weiteren großen Vorteil: Statistiken zufolge sterben auf Streckenabschnitten mit Tempolimits sehr viel weniger Menschen bei Unfällen. Ein generelles Tempolimit also von Anfang an zu verteufeln ist eines Bundesverkehrsministers nicht würdig. Und wenn er sich nicht dafür einsetzt, die Klimaziele zu erreichen, dann wird es Ärger mit der Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) geben. Das Tempolimit ist ein Zankapfel. Zumal Automobilverbände wie der „ADAC“ und „VDA“ berechneten, dass der durch ein Tempolimit auf 120 km/h insgesamt lediglich drei Prozent CO2-Ersparnis pro Jahr brächten. Aber drei Prozent weniger ist allemal besser als gar nichts.

Deutschland ist das einzige europäische Land ohne eine generelle Geschwindigkeitsbeschränkung auf Autobahnen. Auch die Strafen für zu schnelles Fahren sind hierzulande meist viel geringer als im europäischen Ausland. Wer wie in der Schweiz 240 statt 30 Euro berappen muss, wenn er mit 16 bis 20 km/h zu schnell außerorts erwischt wird, überlegt es sich vielleicht wirklich zweimal, ehe er den Gasfuß nochmal drückt.

„Freie Fahrt für freie Bürger“ – dieser veraltete Slogan des „ADAC“ aus dem Jahr 1974 muss unter den heutigen Bedingungen überdacht werden. Denn Freiheit auf der Straße darf nicht mit Gesetzlosigkeit der hochmotorisierten Boliden und den pekuniär motivierten Wünschen der Autolobby gleichgesetzt werden.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Michael Brand: "Suedlink"-Trasse wird nicht durch Osthessen führen

In Berlin läuft derzeit die Pressekonferenz mit Präsentation der "Suedlink"-Trassenvariante / Über Westniedersachsen, Nordhessen und Südthüringen nach Bayern und …
Michael Brand: "Suedlink"-Trasse wird nicht durch Osthessen führen

Bundesstraße 278 zwischen Lahrbach und Hilders voll gesperrt

Pkw erfasst Radfahrer, der dabei schwer verletzt wird. Polizei rekonstruiert Unfallhergang.
Bundesstraße 278 zwischen Lahrbach und Hilders voll gesperrt

Fulda hisst Flagge der "Fairtrade-Stadt"

"Faitrade-Stadt" Fulda setzt deutliches Zeichen für faire Arbeits- und Lebensbedingungen   
Fulda hisst Flagge der "Fairtrade-Stadt"

100.000 Euro-Lottogewinn im Kreis Fulda seit zwei Monaten nicht eingelöst

"Lotto Hessen" ist auf der Suche nach der glücklichen Gewinnerin beziehungsweise dem Gewinner
100.000 Euro-Lottogewinn im Kreis Fulda seit zwei Monaten nicht eingelöst

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.