Klartext: Bewertete Worte

Redakteur Christopher Göbel und die Debatte um die deutsche Sprachen und Worte wie "Mohren-Apotheke" und "N-Kuss".

„Mohren Apotheke“ – in Frankfurt/Main ist gerade ein Streit darüber entbrannt, ob man die beiden Apotheken, die das Wort „Mohr“ im Namen tragen, umbenennen müsste. Dafür setzt sich der dortige Ausländerbeirat ein. Dagegen sind unter anderem die Apotheken-Inhaber. Die Debatte um sogenannte rassistische Bezeichnungen gibt es schon länger. Zigeunerschnitzel oder Negerkuss sind bekannte Beispiele. Grundsätzlich bin ich dafür, Begriffe, die überwiegend negativ besetzt sind, heute nicht mehr zu verwenden. Ich sage auch „Schokokuss“, aber ich rege mich auch nicht darüber auf, wenn ich „Mohrenkopf“ höre.

Nicht immer eindeutig

„Political correctness“ ist etwas, was für mich nicht immer eindeutig ist. Warum soll der Mohr aus dem Sprachgebrauch verbannt werden? Denken wir an Shakespeare. Würde „Othello, der Farbige von Venedig“ gut klingen? Und die „Heiligen Drei Könige“? Immerhin ist auch einer von ihnen ein Farbiger. Würden die Sternsinger auf den Farbigen verzichten? Oder die Narren des Fuldaer Südends mit ihren „Südend Negern“. Die mussten vor einem Jahr ihre Tradition verteidigen und klarmachen, dass sie nicht „rassistisch“ sind. Und das, weil einige überpenible Sozialwissenschaftler ihnen eben das vorwarfen. So ist das auch mit dem Mohren. Es seien Minderheiten, die sich beleidigt fühlen könnten, heißt es.

Kein Ruhmesblatt

Fast alles, was Tradition hat, entstammt unserer Geschichte. Natürlich war der Kolonialismus kein Ruhmesblatt. Apotheken, die „Mohr“ oder „zum Mohren“ im Namen tragen, heißen meist schon seit Jahrhunderten so. Der Ursprung der Medizin liegt nunmal nicht in Germanien. Der liegt im Orient. Von dort kamen – und kommen – Gewürze und Heilpflanzen. „Mohr“ ist hierzulande auch ein Nachname. Lustig wäre es, wenn der Apotheker Mohr eine Apotheke einfach nach seinem Familiennamen benannt hätte :-)  Aber Spaß beiseite: Die „political correctness“ ist im Rahmen des Vernünftigen für mich okay, aber übertreiben muss man es nicht. Denn sonst könnte man das „Bauernfrühstück“ auch verbannen. „Du Bauer“ ist schließlich gelegentlich auch ein Schimpfwort.

Bezeichnungen für Essen und "Minderheiten"

Ganz konsequent müsste man vieles umbenennen, denn es gibt einige Minderheiten, die sich beleidigt fühlen könnten. Frankfurter, Berliner, Hamburger, Wienerle, Amerikaner – alle sind zum einen „Minderheiten“, weil sie kleinere Menschengruppen als „das große Ganze“ sind. Und es sind alles Dinge, die wir oft und gerne essen. Ein ehemaliger Bundeskanzler hat „Kohl mit Pinkel“ auch nicht aus dem Wortschatz der Norddeutschen verbannen lassen...

Wie gesagt: Man kann es auch übertreiben, wenn man es auf die sozialwissenschaftliche oder soziologische Art versucht. Gleiches gilt übrigens für den „Gender-Wahn“. Danach müssten wir im Schnellrestaurant auch „Hamburgerinnen“ bestellen können, im Baumarkt „Schraubenzieherinnen“ kaufen und einmal im Monat die „Vollmondin“ bewundern dürfen.

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