Klartext: Wir brauchen Respekt

Redakteur Christopher Göbel und seine Gedanken über die Chaoten, die Polizei und Rettungskräfte attackieren.

Gewalt gegen Polizei und Rettungskräfte ist leider nichts Neues. Aber es hat die Tage in Stuttgart eine neue „Qualität“ erreicht. Schrecklich, wenn auch differenziert werden sollte, wer genau was getan hat. Die Chaoten, die Geschäfte plünderten und Polizisten verletzten, müssen dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Dass aber – so zumindest berichteten andere Medien darüber – auch Polizisten unbescholtene Bürger nicht gerade mit Samthandschuhen angefasst haben sollen, ist auch nicht in Ordnung. „Wie man in den Wald hineinruft, schallt es heraus“, heißt ein Sprichwort. Es ist aber auch Fakt, dass die Polizisten unter hohem Stress standen.

 Polizei, Feuerwehr, Sanitäter und Notärzte sind Menschen, die uns alle im Falle eines Falles retten und schützen. Sie verdienen unser aller Respekt. und Anerkennung für ihre Arbeit. Dass Gewalttäter wohl teilweise den Notruf wählen, um die heraneilenden Helfer gezielt anzugreifen, geht über mein Verständnis weit hinaus.

Was ist, wenn ein Notfall eintritt?

Was ist, wenn tatsächlich ein Notfall eintritt und diejenigen, die gerade Steine geworfen haben, Opfer sind? Ich sage es ihnen: Diejenigen, vor denen diese Typen keinerlei Achtung haben, werden helfen. Ich vermute, dass auch die Coronakrise ihren Teil dazu beigetragen hat. Orte zum Abreagieren wie Spielhallen oder sportliche Aktivitäten waren monatelang dicht. Das Leben spielte sich oft auf engstem Raum ab, es gab kein Ventil für diejenigen, die eines brauchten. Und das hat sich leider unter anderem in Stuttgart Bahn gebrochen.

 Der Respekt vor der Polizei muss aber schon Kindern beigebracht werden. Drohungen wie „Wenn du nicht lieb bist, dann kommt die Polizei und holt dich“ sind da allerdings ein völlig falscher Ansatz.

Die Polizei soll uns Sicherheit geben und uns mit ihrer Anwesenheit stärken. Dass sie nun sozusagen von Randalierern als „Feind“ angesehen wird, kann ich einfach nicht nachvollziehen. Was dann aber schockt, sind Meldungen über eine Beamtin, die jahrelang Fahrräder aus der Asservatenkammer verkauft haben soll. Das schwächt das Ansehen der Uniformierten. Aber schwarze Schafe gibt es überall.

Für mich sind auch die Gewalttäter aus Stuttgart schwarze Schafe und nicht der Großteil unserer Gesellschaft. Dass eine große deutsche Tageszeitung mit den Worten „Ausländer“ und „Migrationshintergrund“ um sich warf, schafft wieder eine Atmosphäre des Ausländerhasses. Dieses Blatt spielt Nazis und Rechtsradikalen (und den diesen Typen nahestehenden Parteien) voll in die Karten. Ich bin sicher, dass unter den Randalieren auch genügend Chaoten mit deutschem Pass und ebensolcher Herkunft waren.

Ich stehe voll hinter denjenigen, die ihren Beruf gewählt haben, um Menschen zu helfen und für Recht und Ordnung zu sorgen. Von denen ich weiß, dass sie mir helfen werden, wenn ich Hilfe benötige. Respekt für allen Menschen ist das, was wir mehr brauchen. Respekt für andere Meinungen gehört auch dazu. Was ich aber keinesfalls respektieren kann und will, sind sinnlose Gewalt und Ausländerhass.

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