Klartext: Eis auf dem Buckel

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Redakteur Christopher Göbel über den Hype, sich eiskaltes Wasser über den Kopf zu schütten und warum er das nicht tut.

Im Internet beherrscht eigentlich nur ein Thema alle sozialen Netzwerke: Die "Ice Bucket Challenge" (Eiskübel-Herausforderung). Ursprünglich sollte damit Geld für die Erforschung der Nervenkrankheit "ALS" gesammelt werden. Die Idee, die dahinter steht, ist gut. Doch inzwischen scheint es nur noch darum zu gehen, dazu zu gehören. Ob dann auch wirklich gespendet wird, kann niemand nachvollziehen.

Dass nicht nur Promis wie "Facebook"-Gründer Mark Zuckerberg und "Microsoft"-Mogul Bill Gates mitmachen, sondern auch das "normale Volk", zeigen viele "Beweisvideos" meiner "Facebook"-Bekannten. Nahezu jeder zweite hat sich inzwischen Eiswasser über den Buckel schütten lassen. Oder jedenfalls etwas flüssiges, das wie kaltes Wasser aussah. Außerdem "nominiert" jeder Teilnehmer noch mindestens drei andere, die dann 24 Stunden Zeit haben, die gleiche Prozedur durchzuführen. Ich weiß allerdings nicht, was passiert, wenn jemand nicht mitmacht. Wahrscheinlich gar nichts.

Die "Ice Bucket Challenge" nimmt Formen an, die ich nicht mehr gutheißen kann. Ein Jugendlicher in Schottland, der statt Eis über sich zu kippen in einen eiskalten See sprang und starb oder zahlreiche Kübel, Mülltonnen und Eimer, die mit samt dem Wasser auf den Köpfen der "Challenger" landen sind Zeichen dafür, dass dieser Trend Gefahren birgt. Einmal ganz davon abgesehen, dass die meisten Menschen danach eher unvorteilhaft aussehen und trotzdem pudelnass posieren. Die Selbstdarsteller unter uns haben mit der Idee, die einem guten Zweck dienen sollte, eine neue Plattform gefunden.

Das Gute daran ist, dass die "ALS Association" mehr als 60 Millionen Dollar an Spenden durch die "Ice Bucket Challenge" gesammelt und über eine Million neue Spender gewonnen hat. Ich werde aber auf keinen Fall mitmachen – sollte ich denn "nominiert" werden. Erstens, weil ich kein Selbstdarsteller im Internet bin, zweitens, weil ich auch ohne Eisdusche spenden kann und drittens, weil der Sommer sowieso schon viel zu kalt und zu nass ist.

Es gibt aber auch Stimmen, die aus ganz anderen Gründen von der Teilnahme abraten: Die bundesweite Vereinigung "Ärzte gegen Tierversuche" sagt, dass zur Erforschung von ALS massenhaft Tierversuche nötig sind, bei denen die Tiere qualvoll sterben. Ich weiß nicht, ob das so stimmt.

Es ist also eine Überlegung wert, ob der ernsthafte Zweck im Vordergrund steht oder der reine Spaß an der Sache oder gar ein Gruppenzwang. Und wofür die Spenden eigentlich eingesetzt werden.

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