Klartext zur Bundestagswahl: Debakel oder Chance

Die vergangene Bundestagswahl und mögliche Koalitionen beschäftigen Redakteur Christopher Göbel in seinem aktuellen KLARTEXT-Kommentar.

Deutschland hat gewählt. Und irgendwie kam es nicht so, wie mancher es erhofft hat. Statt klarer Ergebnisse, die eine stabile Koalition für die kommenden vier Jahre gewährleistet hätten, haben die Deutschen so gewählt, dass auf jeden Fall Aufeinander zugehen und Zugeständnisse gemacht werden müssen.

„Jamaika“? Mit dem derzeitigen Personal und den weit auseinanderliegenden Positionen kann ich mir das noch nicht so recht vorstellen. Die CSU, die ja sozusagen die vierte Partei im schwarz-gelb-grünen Bündnis wäre, will eine Flüchtlings-Obergrenze. Die Grünen wollen das auf keinen Fall. Nur als Beispiel.

Umfragen...

Umfragen zufolge soll die Mehrheit der Deutschen eine „Jamaika-Koalition“ befürworten. Aber mit Umfragen ist das so eine Sache ... wie wir gerade aktuell an den zahlreichen Wahlprognosen gesehen haben, die nicht ganz so eingetroffen sind, wie uns die Demoskopen weismachen wollten. Aber irgendwie muss die SPD ja geahnt haben, dass es für sie schlimmer kommen würde als prophezeit. Wie sonst ist zu erklären, dass wenige Minuten nach Bekanntwerden der ersten (!!!) Hochrechnung am Sonntagabend Manuela Schwesig und andere hochrangige SPDler herausposaunten, zukünftig in die Opposition zu gehen? Das muss mit der SPD-Spitze abgesprochen gewesen sein. Aber irgendwie ist das auch ein bisschen wie politischer Selbstmord.

Es kann aber sein, dass sich die SPD nun als stärkste Oppositionspartei in den kommenden vier Jahren neu aufstellt, endlich wieder profiliert und dann wie der Phönix aus der Asche zumindest die 25-Prozent-Marke erreicht. Auch die CDU hat Federn lassen müssen, und der Überflieger AfD konnte triumphieren. Wären da nicht die ersten Zerwürfnisse mit der Vorsitzenden Petry, die am Tag nach der Wahl den Austritt verkündete. Ist das eigentlich schon Wahlbetrug? Was sagen wohl Petrys 37,4 Prozent Wähler, die ihr das Direktmandat im tiefsten Sachsen verschafften, dazu? Doch das ist deren internes Problem.

Nur Sprüche klopfen ?

Ob die Neu-Parlamentarier mehr können als Sprüche klopfen, müssen sie in der neuen Legislaturperiode beweisen. Der Ex-CDU und nun AfD-Hohmann, mit dem seinerzeit die CDU-Größen der Region gerne vor den Kameras posierten, wird nicht zuletzt von CDU-Amtskollegen Michael Brand im Bundestag äußerst kritisch beobachtet werden.

Bei „Facebook“ wurden CDU-Politiker der Region auf das frühere Miteinander mit Hohmann erinnert. „Das haben manche Geschiedene über das Hochzeitsbild auch gesagt: Hätte man’s gewusst“, formulierte der CDU-Landtagsabgeordnete Markus Meysner als Kommentar. Nicht ganz falsch, muss ich sagen.

Schade für Kömpel

Mir persönlich tut es um Birgit Kömpel leid. Ich habe sie als aufrichtige und tüchtige Politikerin kennengelernt. Dass sie um einen Platz den Wiedereinzug in den Bundestag verpasst hat, ist nicht gut für die Region. Wir werden sehen, ob sie es in vier Jahren noch einmal versucht

 Manche bringen schon Neuwahlen ins Gespräch. Aber das kann es meiner Meinung nach nicht sein. Ein Volk kann nicht wählen, bis den Politikern das Ergebnis gefällt. Nun ist es an der Zeit, Frieden zu machen. Und sei es ein Friede auf Zeit zwischen Merkel, Schulz, Seehofer, Hofreiter, Lindner und dem Rest. Und das mit genau dem Ziel, unser Land ordentlich zu regieren und im Sinne des Volkes zu agieren. Möge es den Akteuren gelingen!

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