Gastronomen und Hoteliers in der Coronakrise: Die Politik muss weiter handeln

Klartext-Kommentar von "Fulda aktuell"-Redaktionsleiter Bertram Lenz 

Region - Das Wetter hätte nicht besser sein können am vergangenen Montag, als sich ein Hauch von Normalität nicht nur in unserer Region, sondern im ganzen Land ausbreitete. Ein Gefühl von „Sommer in der Stadt“, von lässiger Unbeschwertheit trotz der wie ein Damoklesschwert über uns schwebenden Corona-Pandemie, lag in der Luft, während sich die ersten Geschäftsleute anschickten, ihre Läden wieder für ihre Kunden zu öffnen. Zwar unter den vorgegebenen Bedingungen wie Hygiene- und Abstandsregeln – aber immerhin!

Trotz der mahnenden Worte der Kanzlerin, die völlig zu Recht erschrocken ist angesichts der Sorglosigkeit mancher Zeitgenossen, hat sich Aufbruchsstimmung breit gemacht, haben immer mehr Einzelhändler, das Kfz-Gewerbe und Fachmärkte ihre Tore aufgeschlossen. Sie alle freuen sich darauf, ihre Ware beziehungsweise Dienstleistung wieder an die Frau/den Mann bringen zu dürfen.

Doch des einen Freud‘, des anderen Leid: Gastronomen und Hoteliers können bislang noch kein konkretes Datum ins Auge fassen, an dem es auch für sie endlich wieder vorangeht. Zumal auch aktuelle Ereignisse wie beispielsweise die Verschiebung des „Fuldaer Musicalsommers 2020“ nicht unbedingt dazu beitragen, die Atmosphäre zu entspannen und Optimismus zu verbreiten. Die Stimmung bei vielen Betroffenen schwankt zwischen Resignation und Aufbruchshoffnung.

Drastisch hat Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des „Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes“ (Dehoga), die Situation skizziert: „Ohne zusätzliche staatliche Unterstützung steht jeder dritte Betrieb vor der Insolvenz“. Das wiederum seien 70.000 oft inhabergeführte Unternehmen, die die gastronomische Vielfalt ausmachen.

Was uneingeschränkt eben auch für unsere Region zutrifft, zumal die Gastronomiebetriebe trotz enorm angespannter Situation eines nicht gemacht haben: den Kopf in den Sand gesteckt. Vielmehr sind sie aktiv und innovativ geworden, um ihre Kunden zu halten oder neue zu gewinnen. Beiderseitige Solidarität bleibt Gebot der Stunde.

Zugleich ist es ein erster Schritt seitens der Politik, die Mehrwertsteuer auf sieben Prozent senken zu wollen. Was aber, um hier FDP-Chef Christian Lindner zu zitieren, nur eine Schmerzlinderung sein kann. Dem oftmals harsch kritisierten Liberalen ist im Übrigen auch zuzustimmen, wenn er konstatiert, dass es eine echte Diskriminierung sei, eine ganze Branche komplett dicht zu halten. Fazit: Jetzt ist baldiges Handeln angesagt. Mit Augenmaß zwar, aber dennoch mit Entschlusskraft. Sonst gehen schnell landauf landab die Lichter aus.

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