Klartext: Coronavirus - Sind wir alle Egoisten?

Die Lage in Deutschland aufgrund der Coronavirus-Epidemie beschäftigt Redakteur Christopher Göbel diese Woche in seinem Klartext-Kommentar.

Coronavirus – Panik – Hygiene – Hamsterkäufe – Panikmache . Fünf Worte, die seit einigen Wochen gefühlt sämtliche Medien, Nachrichten und Gespräche mit anderen dominieren. Als gäbe es nichts anderes, beispielsweise die Flüchtlingsproblematik an der griechisch-türkischen Grenze, wo Menschen tatsächlich frieren, hungern und sterben.

Natürlich ist die rasante Ausbreitung des Coronavirus etwas, das niemand auf die leichte Schulter nehmen sollte. So lange es keinen Impfstoff dagegen gibt, der die Ausbreitung einzudämmen vermag, liegt es in unserer Verantwortung, alles zu tun, um diejenigen zu schützen, die in die Risikogruppe fallen. Das sind vor allem ältere Menschen und diejenigen mit Vorerkrankungen. Kinder scheinen erstaunlicherweise dieses Mal seltener betroffen zu sein.

Hamsterkäufe überall

Dass die Zeit Dinge verklärt, ist eine bekannte Tatsache. Die Grippewellen der vergangenen Jahre haben aber meines Wissens nicht zu solchen Reaktionen geführt, wie wir sie nun täglich erleben. Manche Menschen kaufen haltbare Lebensmittel und Toilettenpapier en masse, horten und stehlen Desinfektionsmittel aus Krankenhäusern und stürmen die Apotheken auf der Suche nach Mundschutz.

Ich denke, dass ein Sozialsystem nur dann wirklich funktionieren kann, wenn sich alle Menschen an gewisse Regeln halten (umgangssprachlich auch Gesetze genannt), aber auch außerhalb dieser Grenzen Vernunft walten lassen. Mir scheint, dass derzeit Viele egoistisch an sich (und vielleicht ihre Familien) denken, wenn sie die Regale leerkaufen. Denn für andere bleibt dann nichts übrig, selbst, wenn sie nur eine Tüte Nudeln fürs Abendessen und eine Packung Toilettenpapier kaufen möchten, die dann mindestens einen Monat ausreicht.

Das wahre Gesicht der Massen

Egoismus ist in Zeiten wie diesen wohl das wahre Gesicht der Massen. Das finde ich äußerst schade. Wer Desinfektionsmittel und Mundschutze aus Krankenhäusern klaut und damit die Gesundheit und möglicherweise sogar das Leben von Patienten und medizinischem Personal gefährdet, sollte sich einmal überlegen, wie es ihm oder ihr als Patient in einer hilflosen Lage ergehen würde.

Panik ist aus meiner Sicht nicht angesagt. Eine gewisse Vorsicht ja, Hygienemaßnahmen ja. Dass derzeit zahlreiche Veranstaltungen abgesagt werden, halte ich für vernünftige Entscheidungen, denn je weniger Verbreitungsmöglichkeiten das Virus hat, desto weniger kann es Menschen infizieren.

Was uns fehlt, ist eine klare Handlungsanweisung seitens unserer Regierung. Es wird viel vermutet, geraten und gemunkelt, aber die klare Linie, was zu tun und was verboten ist, fehlt. So lange man sich selbst nur zwischen Panik und vernünftiger Vorsicht entscheiden kann, sind Tür und Tor für unüberlegte Handlungen offen. Zumindest Hessen hat am Donnerstag alle Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern offiziell verboten. Inzwischen betrifft das Verbot bundesweit Veranstaltungen mit mehr als 100 oder gar mehr als 50 Personen.

Das System könnte zusammenbrechen

Wohin uns die Angst vor dem Virus noch bringen mag, kann niemand vorhersagen. Wenn der Eigennutz aber weiterhin an vorderster Stelle steht, dann müssen wir mit Plünderungen und Raub rechnen. Mit Sterbefällen, die nicht durch das Virus selbst verschuldet, sondern die durch den Zusammenbruch unseres Krankenhaussystems bedingt sind.

Mit einer dystopischen Welt, in der jeder nur am eigenen Leben hängt und hofft, dass das Virus andere trifft. Aber ich hoffe und bete von ganzem Herzen, dass ein solch übertriebenes Horrorszenario in unserem „zivilisierten“ Land niemals eintreten wird.

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